
Ramularia in Gerste: Ursachen, Folgen & Maßnahmen
Ramularia gilt inzwischen als eine der Blattkrankheiten mit dem höchsten Ertragsrisiko im deutschen Gerstenanbau. Über weite Strecken der Vegetationszeit ist der Erreger im Blatt vorhanden, ohne dass etwas zu sehen ist. Bricht die Krankheit aus, kann der obere Blattapparat oft innerhalb von ein bis zwei Wochen seine Funktion verlieren.
Dieser Ratgeber ordnet Ramularia in Gerste umfassend ein: von Erreger und Entwicklungszyklus über die sichere Abgrenzung zu Netzflecken und physiologischen Blattflecken bis zu Fungizidstrategien, Resistenzmanagement und vorbeugenden Maßnahmen wie Sortenwahl. Damit erhalten Sie als Landwirt eine praxisnahe Grundlage für Ihre Bekämpfungsentscheidung.
Unsere Services für den Gerstenanbau
Unsere spezialisierten Pflanzenbauberater stehen Ihnen mit fundiertem Fachwissen und praxisorientierter Erfahrung zur Seite. Gemeinsam mit Ihnen erarbeiten wir passgenaue Konzepte, von der Sortenwahl über ackerbauliche Vorbeugemaßnahmen bis zum gezielten Fungizideinsatz zum optimalen Zeitpunkt. Sie erreichen uns bequem per E-Mail oder über unser Kontaktformular. Gerne können Sie uns auch persönlich an einem unserer BayWa-Standorte ansprechen. Zusätzlich unterstützen wir Sie bei Themen wie Düngungsstrategie, Bestandesführung und der Vermarktung Ihrer Ernte. Wir freuen uns darauf, Sie individuell zu begleiten.
Ramularia collo-cygni: Sprenkelnekrose der Gerste
Verursacher der Krankheit ist der Schlauchpilz Ramularia collo-cygni. Er wurde bereits 1893 in Norditalien entdeckt, erhielt aber erst 1988 durch eine wissenschaftliche Neueinordnung seinen heutigen Namen. In Mitteleuropa gewinnt er seit Mitte der 1990er-Jahre zunehmend an Bedeutung.
Neben Gerste befällt der Pilz auch Weizen, Roggen, Triticale, Hafer und verschiedene Gräser. Gebräuchlich sind neben „Ramularia“ auch die Namen Sprenkelnekrose, Sprenkelkrankheit oder Ramularia-Blattfleckenkrankheit – alle meinen dasselbe Krankheitsbild.
Ramularia tritt in Winter- und Sommergerste auf. In Wintergerste bleibt sie meist bis zum Fahnenblattstadium unsichtbar, in Sommergerste zeigt sie sich durch die kürzere Vegetationszeit oft früher. Inzwischen gilt: Nicht ob, sondern wann und wie stark sie auftritt, ist die eigentliche Frage.
Geografisch ist Ramularia längst europaweit verbreitet und auch an Übersee-Standorten wie Neuseeland oder Argentinien gemeldet. In vielen Regionen gilt sie inzwischen als die bestandsbedrohendste Blattkrankheit der Gerste.
Checkliste: Ramularia in Gerste bestimmen & bekämpfen
Bevor Sie in die Details zu Ursachen, Symptomen und Fungizidstrategien einsteigen, gibt Ihnen diese Checkliste einen schnellen Überblick über die wichtigsten Schritte von der Diagnose bis zur Behandlung:
- Bestand ab Schossbeginn regelmäßig auf beiden Blattseiten kontrollieren, insbesondere nach Wechseln von kühl-feuchter Witterung zu intensiver Sonneneinstrahlung
- verdächtige Flecken mit der Lupe prüfen: kleine, eckige, braunschwarze Nekrosen mit gelbem Hof, durch Blattadern begrenzt
- Abgrenzung zu Netzflecken und physiologischen Blattflecken anhand der Vergleichstabelle vornehmen
- Risikofaktoren des eigenen Schlags einordnen: Sortenanfälligkeit, Vorfrucht, Bestandesdichte, Witterungsverlauf
- Behandlungsfenster einplanen: Fahnenblattstadium (BBCH 37/39) bis Ährenschieben (BBCH 51/59)
- bei bekanntem Ramularia-Risiko der Region Folpet-Partner in der Spritzfolge einplanen
- Wirkstoffgruppen wechseln und Mischungspartner nutzen, um Resistenzbildung zu verlangsamen
- nach der Ernte Sortenwahl und Fungizidstrategie anhand der Befallsergebnisse für die kommende Saison überprüfen
Welche Ursachen & Risikofaktoren begünstigen Ramularia?
Ramularia besiedelt die Pflanze bereits sehr früh, häufig über infiziertes Saatgut, daneben auch über Sporenflug und Ernterückstände. Bis zum Symptomausbruch wächst er zunächst still zwischen den Zellen, ohne das Gewebe unmittelbar zu zerstören.
Der Ausbruch selbst wird nicht durch das reine Vorhandensein des Pilzes ausgelöst, sondern durch Stressfaktoren, die die pflanzeneigene Abwehr überfordern. Als wichtigste Auslöser gelten:
- intensive Sonneneinstrahlung, insbesondere nach längeren kühl-feuchten Phasen. Der Pilz bildet Giftstoffe, die erst durch Licht aktiv werden und dann die Zellen der Wirtspflanze zerstören, weshalb obere, stärker belichtete Blätter meist zuerst betroffen sind.
- Trockenstress und Temperaturschwankungen, die die natürliche Widerstandskraft der Blätter schwächen.
- Nährstoffmangel, etwa bei Mangan- oder Magnesiumversorgung, wodurch das Blattgewebe anfälliger wird.
- alternde Blattsubstanz, da die Anfälligkeit mit fortschreitender Blattalterung deutlich zunimmt.
Daneben spielen ackerbauliche Faktoren eine Rolle, die den Infektionsdruck erhöhen, ohne selbst die Ursache zu sein:
- Frühe Aussaattermine und dichte, überwachsene Herbstbestände begünstigen ein feuchtes Mikroklima im Bestand. Wie sich der Aussaattermin auf die weitere Bestandsentwicklung auswirkt, lesen Sie im Ratgeber Aussaat Gerste.
- anfällige Sorten: Zwischen Sorten bestehen messbare, aber meist nur graduelle Unterschiede, eine vollständige Resistenz gibt es bislang nicht.
- Enge Fruchtfolgen mit Getreide als Vorfrucht und liegengebliebene Ernterückstände erhöhen den Ausgangsbefall.
- unausgewogene Düngung, die entweder Nährstoffmängel begünstigt oder durch übermäßiges Wachstum dichtere, anfälligere Bestände schafft. Details dazu finden Sie in unserem Ratgeber über die Düngung bei Gerste.
An welchen Symptomen erkenne ich Ramularia in Gerste?
Die ersten sichtbaren Symptome treten meist ab dem Fahnenblattstadium auf, oft erst rund um Blüte und Ährenschieben, können unter starkem Stress aber auch früher erscheinen. Typisch sind:
- kleine, zunächst punktförmige, später eckige bis rechteckige Flecken von etwa 1 bis 5 Millimetern Größe
- braunschwarze Färbung mit deutlich abgesetztem, hellgelbem Hof
- seitliche Begrenzung der Flecken durch die Blattadern, wodurch die charakteristische eckige Form entsteht
- sichtbare Flecken auf beiden Blattseiten, wobei eine Seite meist dunkler ausfällt als die andere
- bei genauerer Betrachtung mit der Lupe auf der Blattunterseite ein feiner, silbrig schimmernder Belag aus Sporenträgern
Nach dem Ausbruch verläuft die Krankheit auffällig schnell: Innerhalb von etwa zehn bis vierzehn Tagen kann der gesamte obere Blattapparat großflächig absterben. Eine klassische, zahlenbasierte Schadschwelle greift bei Ramularia kaum, weil der Bestand beim Sichtbarwerden der Symptome oft schon zu weit betroffen ist, um noch wirtschaftlich sinnvoll behandelt zu werden. Bekämpfungsentscheidungen stützen sich entsprechend eher auf Risikofaktoren und Witterungsprognosen als auf eine im Feld ausgezählte Befallsschwelle.
Verwechslungsgefahr: Ramularia vs. Netzflecken vs. physiologische Blattflecken
In der Praxis wird Ramularia besonders häufig mit Netzflecken (Pyrenophora teres) und mit physiologischen, also nicht durch Krankheitserreger verursachten Blattflecken verwechselt. Alle drei können zeitgleich im selben Bestand auftreten, was die Einordnung zusätzlich erschwert. Eine sichere Unterscheidung ist wichtig, weil physiologische Flecken nicht fungizid bekämpfbar sind und Netzflecken andere Wirkstoffschwerpunkte erfordern.
Merkmal | Ramularia | Netzflecken | Physiologische Blattflecken |
|---|---|---|---|
Ursache | Pilz (R. collo-cygni) | Pilz (P. teres) | abiotisch: Stress, Nährstoffmangel, Pollenkontakt |
Form der Flecken | eckig bis rechteckig, klein (1–5 mm) | netzartige Streifen oder ovale Flecken | unregelmäßig, oft diffus, kein fester Rand |
Begrenzung | durch Blattadern begrenzt | nicht an Blattadern begrenzt | nicht an Blattadern begrenzt |
Blattseiten | auf beiden Seiten sichtbar, meist ungleich dunkel | vorwiegend auf der Blattoberseite | meist beidseitig, ohne Sporenlager |
Sporenlager | silbriger Belag auf der Unterseite | dunkle Sporenlager im Netzmuster | keine |
Auftreten | meist spät, ab Fahnenblatt bis Ährenschieben | häufig früher, ab Bestockung/Schossen | ganze Saison, wetterabhängig |
Fungizid wirksam | ja, mit passender Wirkstoffwahl | ja | nein |
Merkmal | Ursache |
|---|---|
Ramularia | Pilz (R. collo-cygni) |
Netzflecken | Pilz (P. teres) |
Physiologische Blattflecken | abiotisch: Stress, Nährstoffmangel, Pollenkontakt |
Merkmal | Form der Flecken |
Ramularia | eckig bis rechteckig, klein (1–5 mm) |
Netzflecken | netzartige Streifen oder ovale Flecken |
Physiologische Blattflecken | unregelmäßig, oft diffus, kein fester Rand |
Merkmal | Begrenzung |
Ramularia | durch Blattadern begrenzt |
Netzflecken | nicht an Blattadern begrenzt |
Physiologische Blattflecken | nicht an Blattadern begrenzt |
Merkmal | Blattseiten |
Ramularia | auf beiden Seiten sichtbar, meist ungleich dunkel |
Netzflecken | vorwiegend auf der Blattoberseite |
Physiologische Blattflecken | meist beidseitig, ohne Sporenlager |
Merkmal | Sporenlager |
Ramularia | silbriger Belag auf der Unterseite |
Netzflecken | dunkle Sporenlager im Netzmuster |
Physiologische Blattflecken | keine |
Merkmal | Auftreten |
Ramularia | meist spät, ab Fahnenblatt bis Ährenschieben |
Netzflecken | häufig früher, ab Bestockung/Schossen |
Physiologische Blattflecken | ganze Saison, wetterabhängig |
Merkmal | Fungizid wirksam |
Ramularia | ja, mit passender Wirkstoffwahl |
Netzflecken | ja |
Physiologische Blattflecken | nein |
Entwicklungszyklus der Ramularia-Blattfleckenkrankheit in Gerste
Der Entwicklungszyklus von Ramularia collo-cygni unterscheidet sich grundlegend von klassischen Blattpathogenen und erklärt, warum die Krankheit so schwer zu kontrollieren ist.
1. Erstinfektion: Der Pilz gelangt vor allem über infiziertes Saatgut in den Bestand, ergänzt durch windverbreitete Sporen aus Ernterückständen benachbarter oder vorheriger Gerstenschläge. Die Infektion kann bereits im Keimlingsstadium erfolgen.
2. Stille Wachstumsphase im Blattinneren: Über weite Teile der Jugendentwicklung wächst der Pilz unauffällig zwischen den Pflanzenzellen, ohne das Gewebe zu zerstören und ohne äußerlich sichtbare Symptome zu verursachen. Diese Phase kann sich über Wochen bis Monate erstrecken, bei Wintergerste über den gesamten Winter hinweg.
3. Der Pilz wird aktiv: Unter den bereits beschriebenen Stressbedingungen, allen voran intensiver Lichteinstrahlung nach feucht-kühlen Witterungsphasen, setzt der Pilz Giftstoffe frei, die erst durch Licht aktiv werden. Diese zerstören die Zellen des Blattgewebes, der Pilz wechselt von einer unauffälligen zu einer aggressiven, gewebezerstörenden Lebensweise und ernährt sich fortan von den abgestorbenen Zellen.
4. Neue Sporen, neue Ausbreitung: Auf dem abgestorbenen Gewebe bildet der Pilz neue Sporenträger, deren Sporen durch Wind über weite Strecken verbreitet werden können. Bei feuchter Witterung kann sich die Krankheit dadurch sehr schnell explosionsartig im Bestand ausbreiten.
5. Überdauern bis zur nächsten Saison: Der Pilz übersteht den Winter auf Ernterückständen im Feld sowie am und im Saatgut der nächsten Generation, wodurch sich der Kreislauf ohne wirksame Gegenmaßnahmen fortsetzt.
Der Entwicklungszyklus offenbart, warum weder eine reine Saatgutbehandlung noch eine einmalige Beurteilung ausreicht, um das tatsächliche Befallsrisiko zuverlässig einzuschätzen: Der Pilz kann längst im Bestand sein, ohne dass dies äußerlich erkennbar wäre.
Welche Folgen hat ein Ramulariabefall für den Gerstenanbau?
Ramularia zählt zu den Blattkrankheiten mit dem größten Einfluss auf den Ertrag im deutschen Gerstenanbau: Der Pilz befällt vor allem die oberen, ertragsbildenden Blätter und zerstört damit genau die Blattfläche, die für die Kornfüllung gebraucht wird.
Die Folgen eines Befalls:
- Ertragsverlust: rund 10 Prozent bei den ersten dokumentierten Fällen in den 1980er-Jahren in Österreich, bei hohem Befallsdruck und ungünstiger Witterung inzwischen 20 bis 50 Prozent
- geringeres Hektolitergewicht und ungleichmäßigere Tausendkornmasse
- höheres Qualitätsrisiko bei Braugerste durch abweichende Kornqualität
- erschwerte Ernteplanung, da ungleichmäßig abreifende Bestände die Erntelogistik beeinflussen können, mehr dazu im Ratgeber Gerste Ernte
Fungizidarten gegen Ramularia in Gerste
Gegen Ramularia stehen grundsätzlich mehrere Wirkstoffgruppen zur Verfügung, ihre tatsächliche Wirksamkeit hat sich in den vergangenen Jahren jedoch deutlich verändert:
- Strobilurine (QoI) gelten inzwischen als weitgehend wirkungslos gegen Ramularia. Der Pilz hat sich in weiten Teilen Europas bereits genetisch auf diese Wirkstoffgruppe eingestellt, entsprechend gering ist die Wirkung in der Praxis.
- Carboxamide (SDHI) zeigten lange eine gute Wirkung, in vielen Regionen wurden inzwischen jedoch moderate bis hohe Resistenzgrade festgestellt. Fachberatungen empfehlen deshalb, carboxamidhaltige Präparate pro Saison nur einmal einzusetzen.
- Azole (DMI) wirken je nach Wirkstoff sehr unterschiedlich. Prothioconazol und neuere Azole wie Mefentrifluconazol zeigen in Praxisversuchen meist die zuverlässigste Wirkung innerhalb dieser Gruppe, allerdings nimmt auch hier die Empfindlichkeit des Erregers regional ab.
- Folpet (Multi-Site-Wirkstoff) gilt aktuell als wichtiger Baustein im Resistenzmanagement. Anders als die übrigen Wirkstoffgruppen setzt Folpet nicht nur an einer einzigen Stelle im Pilz an, sondern gleich an mehreren. Der Pilz kann sich darauf viel schwerer einstellen, Resistenzen entstehen deshalb deutlich langsamer. In Regionen mit regelmäßigem Ramularia-Auftreten wird ein Folpet-Zusatz zur Spritzfolge deshalb häufig empfohlen. Als Alternative mit meist etwas geringerer und unsichererer Wirkung wird gelegentlich auch elementarer Schwefel als Kontaktmittel eingesetzt.
Ein früher sehr wirksamer Kontaktwirkstoff, Chlorthalonil (englisch Chlorothalonil), steht seit dem Auslaufen der Zulassung in der EU nicht mehr zur Verfügung. Da sich Wirkstoffzulassungen im Pflanzenschutz regelmäßig ändern, sollten Sie die aktuelle Zulassungslage einzelner Produkte stets in der amtlichen Datenbank des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) oder direkt beim Hersteller prüfen, bevor Sie eine Maßnahme planen.
Resistenzmanagement bei der Bekämpfung von Ramularia
Für ein wirksames Resistenzmanagement gelten mehrere Grundregeln, die sich unmittelbar aus dieser Resistenzlage ableiten:
- Wirkstoffgruppen pro Saison begrenzen: Carboxamide (SDHI) und Strobilurine sollten je Saison nur einmal eingesetzt werden, um den Selektionsdruck auf resistente Erregerstämme zu verringern.
- Azol-Wirkstoffe wechseln: Innerhalb einer Spritzfolge sollte nicht wiederholt derselbe Azol-Wirkstoff verwendet werden, da sich sonst gezielt die weniger empfindlichen Erregervarianten durchsetzen.
- volle Aufwandmenge beim Mischpartner: Bei Mischungen aus SDHI und Azol kommt der korrekten Dosierung des Azol-Anteils eine größere Bedeutung zu als der reinen Anzahl der Anwendungen, da eine zu geringe Dosierung Resistenzbildung eher fördert als verhindert.
- Multi-Site-Wirkstoffe gezielt einplanen: Da Folpet gleich an mehreren Stellen im Pilz gleichzeitig ansetzt, kann sich der Erreger darauf viel schwerer einstellen als bei den übrigen Wirkstoffgruppen. Das macht Folpet zu einem wichtigen Baustein, um die Wirkdauer der übrigen Wirkstoffgruppen zu erhalten.
Praxisbeispiele für Wirkstoffkombinationen, die in aktuellen Fungizidstrategien empfohlen werden, sind Kombinationen aus einem SDHI-Azol-Kombinationsprodukt wie z.B. Ascra Xpro, Elatus Era oder Revytrex mit einem Folpet-Produkt wie Folpan 500 SC, alternativ auch Amistar Max. Maßgeblich sind in jedem Fall die aktuelle Zulassung, das Etikett und die betriebliche Spritzfolge der Gesamtsaison.
Fungizide richtig ausbringen
Für das Spritzfenster gegen Ramularia gilt in der Praxis ein Zeitraum vom Fahnenblattstadium (BBCH 37/39) bis zum beginnenden Ährenschieben (BBCH 51/59). Innerhalb dieses Fensters gibt es je nach Strategie zwei typische Vorgehensweisen:
- Einmalbehandlung: Bei mittlerem Krankheitsdruck reicht häufig eine Behandlung ab BBCH 39, kombiniert mit einem Folpet-Partner in Regionen mit bekanntem Ramularia-Risiko.
- Splitting-/Doppelbehandlung: Bei höherem Krankheitsdruck erfolgt eine erste Maßnahme bereits im Schossen (BBCH 31–33), gefolgt von einer gezielten Abschlussbehandlung zwischen Fahnenblatt und Ährenschieben, die den Ramularia-Schwerpunkt trägt.
Da klassische Bonituren wenig verlässlich vorhersagen, wann der Ausbruch erfolgt, greifen viele Betriebe zusätzlich auf wetterbasierte Prognosemodelle zurück, etwa das Warndienst-Angebot einzelner Bundesländer oder Systeme wie ISIP. Diese werten unter anderem Sonnenscheindauer, Blattnässe und Temperaturverläufe aus und liefern damit einen Anhaltspunkt für das wahrscheinliche Ausbruchsrisiko, auch wenn eine hundertprozentig sichere Vorhersage nach aktuellem Kenntnisstand nicht möglich ist.
Ackerbauliche Maßnahmen: Kann ich Ramularia vorbeugen?
Da Ramularia sich fungizid nur eingeschränkt und meist erst spät bekämpfen lässt, kommt vorbeugenden Maßnahmen eine besondere Bedeutung zu. Eine Fungizidbeize des Saatguts bietet dabei nach bisherigem Kenntnisstand keinen zuverlässigen Schutz, da der Pilz die Pflanze bereits sehr früh im ganzen Gewebe besiedelt, unabhängig davon, ob das Saatgut gebeizt wurde. Wirksamer sind ackerbauliche Maßnahmen:
- gesundes, geprüftes Saatgut verwenden, um den Ausgangsbefall über infiziertes Saatgut zu reduzieren
- weite Fruchtfolgen einhalten und Getreide als unmittelbare Vorfrucht meiden, wo möglich
- Ernterückstände reduzieren beziehungsweise sauber einarbeiten, um die Sporenquelle für die Folgesaison zu verringern
- ausgewogene Nährstoffversorgung sicherstellen, insbesondere bei Mangan und Magnesium, um Mangelstress als Auslöser zu vermeiden
- zu dichte, überwachsene Bestände vermeiden, etwa durch angepasste Saatstärke und Aussaatzeitpunkt
- eigene Befallshistorie dokumentieren: Schläge mit wiederholtem Ramularia-Auftreten in den Vorjahren sollten bei der Anbauplanung, der Sortenwahl und der Fungizidstrategie bevorzugt berücksichtigt werden, da das regionale und schlagbezogene Wiederholungsrisiko in der Praxis spürbar ist.
Keine dieser Maßnahmen verhindert Ramularia vollständig, in Kombination senken sie jedoch den Ausgangsbefall und die Wahrscheinlichkeit eines besonders frühen oder besonders starken Ausbruchs spürbar.
Sortenauswahl: Ramularia-resistente Gerstensorten
Eine vollständige Resistenz gegen Ramularia ist bei aktuellen Sorten nicht verfügbar, gegenüber den meisten Gerstenkrankheiten gibt es bislang nur graduelle Unterschiede in der Anfälligkeit. Die Landessortenversuche bewerten jede geprüfte Sorte jedoch jährlich mit einer eigenen Boniturnote für Ramularia, sodass sich deutliche Unterschiede in der Blattgesundheit ablesen lassen.
Aktuelle Auswertungen der Landwirtschaftskammer NRW zeigen beispielsweise, dass manche mehrzeiligen Sorten wie KWS Chilis gegenüber Ramularia überdurchschnittlich gesund eingestuft werden, während sie bei anderen Krankheiten wie Zwergrost anfälliger ausfallen. Das verdeutlicht: Sortenwahl ist immer eine Abwägung zwischen mehreren Krankheiten, dem Ertragsniveau und weiteren Standorteigenschaften.
Für die Praxis empfiehlt es sich, die aktuellen Landessortenversuche Ihres Bundeslandes vor der Aussaat heranzuziehen, da sich Einstufungen von Jahr zu Jahr ändern können. Eine Übersicht zu Sortentypen, Zeiligkeit und Verwendungsrichtung finden Sie im Ratgeber Gerstensorten.
Ramularia: Das Wichtigste zusammengefasst
- Ramularia (Sprenkelnekrose, Ramularia collo-cygni) ist die ertragsrelevanteste Blattkrankheit im deutschen Gerstenanbau, in Winter- und Sommergerste gleichermaßen.
- Der Pilz wächst über weite Strecken still im Blattinneren, sichtbare Symptome brechen erst unter Stress aus, meist ab dem Fahnenblattstadium.
- Typisch sind kleine, eckige, braunschwarze Flecken mit gelbem Hof auf beiden Blattseiten, klar begrenzt durch die Blattadern.
- Verwechslungsgefahr besteht vor allem mit Netzflecken und physiologischen, nicht fungizid bekämpfbaren Blattflecken.
- Ein klassischer, zahlenbasierter Schadschwellenwert funktioniert bei Ramularia kaum, Entscheidungen stützen sich auf Risikofaktoren und Prognosemodelle.
- Ertragsverluste reichen von rund 10 Prozent bis, bei hohem Befallsdruck, 20 bis 50 Prozent, zusätzlich sinkt häufig die Kornqualität.
- Strobilurine wirken kaum noch, auch SDHI- und Azol-Wirksamkeit nimmt regional ab, Folpet-Partner gewinnen als Resistenzbaustein an Bedeutung
- Vorbeugung über Sortenwahl, Fruchtfolge, Nährstoffversorgung und Bestandesdichte ist angesichts eingeschränkter Fungizidwirkung besonders wichtig
