
Gerstensorten im Überblick: So finden Sie die passende Sorte für Ihren Betrieb
Die Wahl der richtigen Gerstensorte ist eine der zentralen Entscheidungen, die Ertrag, Kornqualität und am Ende den wirtschaftlichen Erfolg der Kultur beeinflussen. Jedes Jahr stellt sich für Betriebe daher dieselbe Frage: Welche Sorte passt zu Standort, Fruchtfolge und Vermarktungsziel?
Das Angebot an Gerstensorten ist nach über 10.000 Jahren Zucht recht groß, jedes Jahr werden neue Sorten zugelassen. Die Unterschiede zwischen den Typen sind vielfältig. Zweizeilige und mehrzeilige Sorten, Winter- und Sommerform, Brau- und Futtergerste, dazu klassische Liniensorten neben neueren Hybridsorten: Wer hier die falsche Wahl trifft, verschenkt Ertragspotenzial oder verpasst eine Vermarktungsprämie.
Dieser Ratgeber ordnet die wichtigsten Auswahlkriterien für Gerstensorten, erklärt die fachlichen Hintergründe zu Krankheitsresistenzen und Kornqualität und zeigt, welche rechtlichen Rahmenbedingungen beim Saatgutkauf gelten.
Unser Service für Sie rund um die Gerstensorten
Bei allen Fragen rund um Gerstensorten passend zu Ihrem Betrieb und Ihren Anbauzielen helfen Ihnen unsere erfahrenen Pflanzenbauberater der BayWa gerne weiter.
Ihre Vorteile bei BayWa:
- kompetente Saatgutberatung und Sortenauswahl für Ihren Standort
- fachliche Unterstützung bei Pflanzenschutz, Dünger und Erntetechnik
- professionelle Bodenuntersuchung für eine optimale Bestandsetablierung
Nehmen Sie unkompliziert Kontakt mit uns auf, per E-Mail oder über unser Kontaktformular, oder besuchen Sie uns persönlich an einem unserer BayWa-Standorte. Als verlässlicher Agrarhandelspartner unterstützen wir Sie auch bei der erfolgreichen Vermarktung Ihrer Gersten-Ernte.
Zweizeilige oder mehrzeilige Gerste: Was ist der Unterschied?
Bei der Sortenwahl steht zuerst die Unterscheidung zwischen zweizeiliger und mehrzeiliger Gerste. Der Unterschied liegt im Aufbau der Ähre, genauer im sogenannten Ährchen, der kleinsten Bau-Einheit der Gerstenähre.
An jeder Ansatzstelle der Ähre sitzen bei Gerste immer drei Ährchen nebeneinander.
- Bei zweizeiliger Gerste entwickelt nur das mittlere Ährchen ein voll ausgebildetes, fruchtbares Korn, die beiden seitlichen Ährchen bleiben unfruchtbar und verkümmern. Dadurch liegen sich an der Ähre zwei durchgehende Körnerreihen gegenüber, daher der Begriff „2 zeilig". Die Körner sind groß, gleichmäßig und bauchig geformt, weil das mittlere Ährchen den vollen Nährstoffstrom für sich hat.
- Bei mehrzeiliger Gerste sind dagegen alle drei Ährchen je Ansatzstelle fruchtbar. Je nachdem, wie regelmäßig sich die seitlichen Körner ausbilden, unterscheidet man vierzeilige und sechszeilige Gerste. Da sich drei Körner die Nährstoffe teilen, fallen die einzelnen Körner kleiner und weniger einheitlich aus. Dafür liegt die Kornanzahl je Ähre deutlich höher. Sechszeilige Sorten spielen im deutschen Erwerbsanbau heute nur noch eine untergeordnete Rolle, der überwiegende Teil der mehrzeiligen Sorten am Markt ist vierzeilig.
Merkmal | Zweizeilig | Mehrzeilig |
|---|---|---|
Fruchtbare Ährchen je Ansatzstelle | 1 von 3 | 3 von 3 |
Kornausbildung | groß, gleichmäßig | kleiner, ungleichmäßiger |
Rohproteingehalt | niedriger | höher |
Typische Nutzung | Braugerste | Futtergerste |
Ähren je m² für hohen Ertrag | ca. 700 bis 900 | ca. 500 bis 600 |
Merkmal | Fruchtbare Ährchen je Ansatzstelle |
|---|---|
Zweizeilig | 1 von 3 |
Mehrzeilig | 3 von 3 |
Merkmal | Kornausbildung |
Zweizeilig | groß, gleichmäßig |
Mehrzeilig | kleiner, ungleichmäßiger |
Merkmal | Rohproteingehalt |
Zweizeilig | niedriger |
Mehrzeilig | höher |
Merkmal | Typische Nutzung |
Zweizeilig | Braugerste |
Mehrzeilig | Futtergerste |
Merkmal | Ähren je m² für hohen Ertrag |
Zweizeilig | ca. 700 bis 900 |
Mehrzeilig | ca. 500 bis 600 |
Praxistipp
Wer Braugerste anbaut, greift in aller Regel zu einer zweizeiligen Sorte, da der niedrigere Proteingehalt und die gleichmäßige Kornausbildung die Anforderungen der Mälzereien erfüllen.
Wer Futtergerste für den eigenen Betrieb oder den Verkauf an Tierhalter produziert, findet sowohl bei zwei- als auch bei mehrzeiligen Sorten passende Angebote. Mehrzeilige Sorten sind durch den höheren Eiweißgehalt und die höhere Kornzahl je Ähre hier oft im Ertragsvorteil.
Winter- oder Sommergerste: Die erste Weichenstellung
Vor der Sortenwahl steht die Wahl der Anbauform.
- Wintergerste wird im Frühherbst ausgesät, meist zwischen Mitte und Ende September. Sie benötigt eine mehrwöchige Kälteperiode bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, um in das generative Stadium überzugehen (Vernalisation), und wird zwischen Juni und August geerntet.
- Sommergerste kommt erst ab Ende Februar bis Anfang April ins Feld und hat mit rund 100 bis 130 Tagen eine deutlich kürzere Vegetationszeit, eine Vernalisation ist bei ihr nicht erforderlich.
Beide Formen unterscheiden sich auch wirtschaftlich.
- Wintergerste liefert in der Regel höhere Erträge und einen höheren Eiweißgehalt von etwa 12 bis 15 Prozent, wird aber überwiegend als Futtergerste vermarktet.
- Sommergerste ist meist für die menschliche Ernährung bestimmt und liefert mit ihrem niedrigeren Proteingehalt die klassische Braugerste für Malz und Bier.
- Eine Zwischenform hat sich in den vergangenen Jahren am Markt etabliert: Winterbraugerste, also zweizeilige Wintergerste mit Braugerstenqualität. Sie verbindet das höhere Ertragspotenzial der Winterform mit der Vermarktungsmöglichkeit als Braugerste, stellt aber höhere Ansprüche an eine gleichmäßige, proteinarme Kornausbildung.
Der weit überwiegende Teil der Anbaufläche in Deutschland entfällt auf Wintergerste, Sommergerste wird vor allem dort angebaut, wo Braugerstenverträge eine höhere Vermarktungssicherheit bieten (wie etwa in Bayern) oder wo eine spätere Aussaat aus Fruchtfolgegründen notwendig ist.
Winterhärte als Auswahlkriterium
Wintergerste reagiert empfindlicher auf strengen Frost als Winterweizen oder Winterroggen. Vor allem in Höhenlagen und auf Standorten ohne schützende Schneedecke lohnt sich ein Blick auf die Auswinterungsfestigkeit der jeweiligen Sorte, bevor Sie sich festlegen. Mehr zum richtigen Saattermin, zur Saatstärke und zur Aussaattechnik lesen Sie im Ratgeber zum Aussaat von Gerste.
Sortenwahl nach Nutzungsrichtung: Braugerste oder Futtergerste?
Die Nutzungsrichtung ist neben der Anbauform das zweite zentrale Auswahlkriterium. Braugerste muss strenge Qualitätsanforderungen der Mälzereien erfüllen:
- einen niedrigen Rohproteingehalt von höchstens etwa 11,5 bis 12 Prozent
- einen hohen Vollgersteanteil (der Anteil der Körner, die ein festgelegtes Siebmaß von in der Regel 2,5 Millimetern nicht passieren)
- eine gleichmäßige Kornsortierung
- einen niedrigen Gehalt an Beta-Glucan. Beta-Glucane sind Gerüstsubstanzen in der Zellwand des Korns, die bei zu hohem Gehalt die Filtration der Bierwürze erschweren.
- Zusätzlich bewerten Mälzereien die diastatische Kraft, also die enzymatische Fähigkeit des Malzes, Stärke in vergärbaren Zucker umzuwandeln.
Zu hohe Proteinwerte führen bei der Bierherstellung zu Eintrübungen und mindern die Vermarktungsqualität. Wer Braugerste anbaut, sollte deshalb vor der Aussaat einen Vermarktungsvertrag mit einer Mälzerei oder einem Erfasser klären und die Stickstoffdüngung konsequent auf das Qualitätsziel ausrichten.
Gelingt die Qualität nicht, wird die Ernte in aller Regel als Futtergerste zu einem niedrigeren Preis abgerechnet. Details zur bedarfsgerechten Düngung finden Sie im Ratgeber zum Thema Düngung von Gerste.
Futtergerste hat diese engen Vorgaben nicht. Hier zählen vor allem Kornertrag und Energiegehalt. Ein höherer Rohproteingehalt von 12 bis 15 Prozent ist bei Futtergerste sogar erwünscht, da er den Futterwert für Schweine- und Rinderfütterung erhöht.
Kurzcheck Nutzungsrichtung
- Braugerste: zweizeilig, niedriger Proteingehalt, niedriger Beta-Glucan-Gehalt, Vermarktungsvertrag vorab klären, meist Sommeraussaat
- Futtergerste: zwei- oder mehrzeilig, Ertragsfokus, höherer Proteingehalt erwünscht, meist Winteraussaat
Was ist Hybridgerste? Vor- & Nachteile im Vergleich zu Liniensorten
Neben klassischen Liniensorten gibt es seit einigen Jahren auch Hybridgerste. Der Begriff Hybrid (Kreuzungsprodukt) bezeichnet Sorten, die aus der gezielten Kreuzung zweier reinerbiger, genetisch möglichst unterschiedlicher Elternlinien entstehen.
Technisch basiert die Züchtung auf einem System der cytoplasmatischen männlichen Sterilität: Eine Mutterlinie kann keinen eigenen, funktionsfähigen Pollen bilden und wird gezielt mit dem Pollen einer Vaterlinie befruchtet. So entsteht in jeder Generation neu eine Kreuzung mit dem sogenannten Heterosis-Effekt, also einer höheren Wuchskraft und Vitalität als bei den Elternlinien.
Hybridgerste zeichnet sich in der Praxis oftmals durch eine hohe Bestockungsfähigkeit, eine zügige Jugendentwicklung und ein tiefes, kräftiges Wurzelsystem aus. Das macht sie interessant für tonige, schwer durchwurzelbare Böden und für Standorte mit Trockenstress, da die tieferreichenden Wurzeln auch untere Bodenschichten für die Wasserversorgung erschließen können.
Da Hybridpflanzen ihre Eigenschaften nicht in gleicher Weise an Nachbausaatgut weitergeben (der Heterosis-Effekt geht in der Folgegeneration weitgehend verloren), muss jedes Jahr neues Saatgut gekauft werden. Das treibt die Saatgutkosten gegenüber Liniensorten spürbar nach oben.
Ob sich der Mehrpreis lohnt, zeigt ein Blick in unabhängige Landessortenversuche. In den Prüfungen der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen lagen Hybridsorten in den vergangenen Jahren nur wenige Prozentpunkte über den besten Liniensorten, in einzelnen Jahren sogar darunter. Die Entscheidung für oder gegen Hybridgerste sollte deshalb standortbezogen und auf Basis mehrjähriger Versuchsergebnisse fallen, nicht allein auf Basis der Züchterangaben.
Hybridsorten im Sortiment
Neben den klassischen Liniensorten führt BayWa auch mehrzeilige Hybridsorten (unter anderem SY Barnabus ZS und SY Kingsbarn) mit hohem Ertragsniveau und guter Winterhärte. Für eine individuelle Sortenempfehlung passend zu Ihrem Standort wenden Sie sich gerne an Ihre BayWa-Beratung vor Ort
Wichtige Auswahlkriterien: Ertrag, Standfestigkeit, Gesundheit, Kornqualität
Neben Nutzungsrichtung und Anbauform entscheiden mehrere agronomische Merkmale über die passende Sorte für Ihren Betrieb.
1) Ertragssicherheit
Jetzt Gersten-Saatgut kaufenWichtiger als das Ergebnis eines einzelnen Jahres ist die mehrjährige, überregionale Ertragsleistung einer Sorte. Landessortenversuche der Landwirtschaftskammern und der Landesanstalten prüfen Sorten über mehrere Jahre und Standorte, bevor eine Anbauempfehlung ausgesprochen wird. Eine Sorte, die nur in einem einzelnen guten Jahr überzeugt, ist für die betriebliche Planung weniger verlässlich als eine Sorte mit stabiler Mehrjahresleistung.
2) Standfestigkeit
Jetzt Gersten-Saatgut kaufenDie Lagerneigung beschreibt, wie leicht Halme bei Wind, Niederschlag oder dichtem Bestand umknicken oder sich legen. Man unterscheidet Halmknicken und Ährenknicken, beides erschwert den Drusch und kann zu Ertrags- und Qualitätsverlusten führen. Eine gute Strohstabilität ist besonders bei intensiver Stickstoffdüngung und in Regionen mit häufigen Sommergewittern von Bedeutung.
3) Krankheitsresistenzen
Jetzt Gersten-Saatgut kaufenGerste ist anfällig für mehrere Pilz- und Viruskrankheiten, die sich in Symptomatik und Übertragungsweg deutlich unterscheiden:
- Netzfleckenkrankheit (Pyrenophora teres): namensgebende netzartige, braune Flecken auf den Blättern, breitet sich vor allem bei feuchtwarmer Witterung aus und überdauert an Ernteresten.
- Rhynchosporium-Blattfleckenkrankheit (Rhynchosporium commune): graugrüne, später bräunliche Flecken mit dunklem Rand, bevorzugt kühl-feuchte Witterung im Frühjahr.
- Echter Mehltau (Blumeria graminis): weißlicher, mehlartiger Belag auf Blättern und Scheiden, tritt vor allem bei dichten Beständen und milder Witterung auf.
- Zwergrost (Puccinia hordei): kleine, orangebraune Pusteln auf der Blattoberseite, kann bei starkem Befall erhebliche Ertragsverluste verursachen.
- Gerstengelbverzwergungsvirus (GVV): wird durch Blattläuse übertragen, verursacht Wachstumsstauchung und Vergilbung, das Risiko steigt bei milden Herbstwitterungen mit langem Blattlausflug.
- Gerstengelbmosaikvirus (GMV, auch BaYMV): wird durch den bodenbürtigen Pilz Polymyxa graminis übertragen und ist im Boden über viele Jahre lagerfähig, eine chemische Bekämpfung ist praktisch nicht möglich, resistente Sorten sind hier die einzige wirksame Gegenmaßnahme.
Sorten mit nachgewiesenen Resistenzen reduzieren den Pflanzenschutzaufwand und das Ertragsrisiko spürbar, besonders gegen GMV, da hier keine wirksamen Pflanzenschutzmittel zur Verfügung stehen.
Ausführliche Informationen zu den einzelnen Krankheiten, Symptomen und Bekämpfungsstrategien finden Sie im Ratgeber Gerstenkrankheiten sowie speziell zur Netzfleckenkrankheit im Ratgeber Netzflecken und zu Ramularia im Ratgeber Ramularia.
4) Kornqualität
Jetzt Gersten-Saatgut kaufenZwei Kennzahlen sind hier zentral:
- das Hektolitergewicht (Gewicht von 100 Litern Getreide in Kilogramm, ein Maß für die Kornausbildung und -dichte)
- das Tausendkorngewicht (TKG), also das Gewicht von 1.000 Körnern in Gramm. Das TKG gibt Aufschluss über die Kornausbildung und ist die Grundlage für die Berechnung der Aussaatstärke.
Die Faustformel lautet: Aussaatstärke in Kilogramm je Hektar ergibt sich aus der gewünschten Kornzahl je Quadratmeter, multipliziert mit dem TKG in Gramm und geteilt durch die erwartete Feldaufgangsrate in Prozent. Das Ergebnis wird durch 100 geteilt.
Bei Gerste liegt das TKG je nach Sorte und Zeiligkeit üblicherweise zwischen 40 und 55 Gramm, zweizeilige Sorten erreichen tendenziell höhere Werte als mehrzeilige, da sich der Nährstoffstrom auf weniger, dafür kräftigere Körner verteilt.
Kennzahlen zur Sortenbewertung im Überblick
Kennzahl | Bedeutung | Praxisrelevanz |
|---|---|---|
Kornertrag (dt/ha) | Ertrag je Hektar | Wirtschaftlichkeit der Sorte |
Tausendkorngewicht (TKG) | Gewicht von 1.000 Körnern in Gramm | Berechnung der Aussaatstärke |
Hektolitergewicht | Gewicht von 100 Litern Erntegut in Kilogramm | Vermarktungsqualität |
Vollgersteanteil | Anteil der Körner über dem Siebmaß von meist 2,5 mm | Braugerstenqualität |
Beta-Glucan-Gehalt | Gerüstsubstanz in der Zellwand | Filtrierbarkeit der Bierwürze |
Kennzahl | Kornertrag (dt/ha) |
|---|---|
Bedeutung | Ertrag je Hektar |
Praxisrelevanz | Wirtschaftlichkeit der Sorte |
Kennzahl | Tausendkorngewicht (TKG) |
Bedeutung | Gewicht von 1.000 Körnern in Gramm |
Praxisrelevanz | Berechnung der Aussaatstärke |
Kennzahl | Hektolitergewicht |
Bedeutung | Gewicht von 100 Litern Erntegut in Kilogramm |
Praxisrelevanz | Vermarktungsqualität |
Kennzahl | Vollgersteanteil |
Bedeutung | Anteil der Körner über dem Siebmaß von meist 2,5 mm |
Praxisrelevanz | Braugerstenqualität |
Kennzahl | Beta-Glucan-Gehalt |
Bedeutung | Gerüstsubstanz in der Zellwand |
Praxisrelevanz | Filtrierbarkeit der Bierwürze |
Sortenwahl nach Standort- & Bodenansprüchen
Nicht jede Sorte eignet sich für jeden Standort, denn Bodentyp, Wasserverfügbarkeit, Bodenreaktion (pH-Wert) und Höhenlage beeinflussen, welche Sorte ihr Ertragspotenzial tatsächlich ausschöpfen kann. Gerste reagiert im Vergleich zu Roggen empfindlicher auf saure Böden und sehr leichte, trockenheitsanfällige Standorte, gedeiht dafür aber besonders gut auf durchlässigen, gut strukturierten Lehm- und Lössböden mit ausreichender Nährstoff- und Wasserversorgung.
Auch die Vorfrucht spielt eine Rolle: Nach Blattfrüchten wie Raps oder Rüben stehen Wintergerste in der Regel bessere Startbedingungen zur Verfügung als nach Getreide-Vorfrüchten, unter anderem wegen des geringeren Krankheitsdrucks.
Frühere, kürzere Sorten profitieren häufig von Frühjahrstrockenheit, weil sie die Kornfüllungsphase vor dem Einsetzen der Trockenheit abschließen. Spätere Sorten mit höherem Ertragspotenzial eignen sich eher für bessere, wasserversorgte Böden, da sie eine längere Kornfüllungsphase benötigen, um ihr Potenzial auszuschöpfen.
Da die Ergebnisse je nach Region sehr unterschiedlich sein können, sind die jährlichen Landessortenversuche der Landwirtschaftskammern und Landesanstalten die verlässlichste Entscheidungsgrundlage. Die Landessortenversuche Wintergerste der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen ↗ und die entsprechenden Versuchsberichte der LfL Bayern ↗ liefern regional differenzierte Ertrags- und Qualitätsdaten für Ihre Region.
Sortenwahl nach Reifegruppe & Vegetationsdauer
Sorten unterscheiden sich auch in ihrer Reifezeit, eingeteilt in früh, mittel und spät reifende Typen.
- Früh reifende Sorten schaffen mehr zeitlichen Abstand zur Sommertrockenheit, verringern damit das Risiko von Notreife und Ertragseinbußen und ermöglichen eine frühere Aussaat der Folgekultur, etwa von Zwischenfrüchten oder Winterraps.
- Spät reifende Sorten nutzen die Vegetationszeit länger aus und erreichen dadurch in der Regel höhere Erträge, sind aber anfälliger für Trockenstress in der Kornfüllungsphase und verkürzen das Zeitfenster für die anschließende Bodenbearbeitung.
Für Betriebe mit größerer Anbaufläche kann es sinnvoll sein, mehrere Sorten mit gestaffelter Reife zu kombinieren. Das entzerrt die Erntespitze, verteilt das Witterungsrisiko auf mehrere Sorten und schafft mehr Flexibilität beim Einsatz von Erntetechnik. Mehr zur Erkennung des optimalen Erntezeitpunkts und zur Erntetechnik lesen Sie im Ratgeber Gersten Ernte.
Rechtliche Rahmenbedingungen: Saatgutverkehr & Sortenschutz kompakt
Neben der fachlichen Sortenwahl gelten beim Kauf und Anbau von Gerstensaatgut einige rechtliche Rahmenbedingungen.
- Das Saatgutverkehrsgesetz regelt, welches Saatgut in Deutschland überhaupt vermarktet werden darf. Zugelassenes, zertifiziertes Saatgut (Z-Saatgut) muss festgelegte Anforderungen an Reinheit, Keimfähigkeit und Sortenechtheit erfüllen und wird entsprechend geprüft.
- Das Sortenschutzgesetz schützt neu gezüchtete Sorten für einen begrenzten Zeitraum als geistiges Eigentum der Züchter, vergleichbar einem Patent für Pflanzensorten. Landwirte dürfen Nachbausaatgut geschützter Sorten im eigenen Betrieb weiterverwenden, schulden dem Züchter dafür aber in der Regel eine Nachbaugebühr. Nur Sorten, die beim Bundessortenamt zur Sortenzulassung angemeldet und in die Sortenliste aufgenommen wurden, dürfen zudem gehandelt werden.
Da sich Grenzwerte, Gebührensätze und Verfahrensdetails ändern können, verzichten wir an dieser Stelle bewusst auf tiefergehende rechtliche Erläuterungen. Aktuelle und verbindliche Informationen finden Sie direkt bei den zuständigen Stellen:
Zertifiziertes Saatgut: Warum lohnt es sich?
Sortenreinheit und Keimfähigkeit lassen sich nur mit zertifiziertem Saatgut zuverlässig sicherstellen. Z-Saatgut wird auf Fremdbesatz, Reinheit, Gesundheitszustand und Keimfähigkeit geprüf.
Im Vergleich zu Nachbausaatgut bietet zertifiziertes Saatgut mehrere Vorteile:
- Sie profitieren vom aktuellen Stand der Sortenzüchtung.
- Die Keimfähigkeit ist mehrfach geprüft.
- Sie können jedes Jahr neue, verbesserte Sorten anbauen.
- Sie profitieren von moderner Beiz- und Saatgutbehandlungstechnologie gegen samenbürtige Krankheitserreger.
Zertifiziertes Gerstensaatgut für Ihren Betrieb finden Sie im BayWa Online-Shop.
Checkliste zur Gerstensorten-Auswahl
- Anbauform festlegen: Wintergerste oder Sommergerste
- Nutzungsrichtung klären: Braugerste (mit Vermarktungsvertrag) oder Futtergerste
- Zeiligkeit passend zur Nutzungsrichtung wählen
- Standort- und Bodenansprüche mit Sorteneigenschaften abgleichen
- Reifegruppe im Hinblick auf Erntezeitpunkt und Folgekultur berücksichtigen
- Ertragsdaten mehrjähriger, regionaler Landessortenversuche prüfen
- Resistenzprofil gegen die wichtigsten Krankheiten in der Region beachten, insbesondere GMV bei bekannter Bodenbelastung
- Nur zertifiziertes Z-Saatgut verwenden
Sortenbeschreibung Wintergerste – Überblick
Zweizeilige Sorten | Mehrzeilige Sorten | Hybrid-Sorten |
|---|---|---|
|
Frühe Sorte mit guter Strohstabilität und Blattgesundheit. Das Profil wird durch eine sehr gute Kornqualität ergänzt. |
Ertragsstarke Sorte mit Kornertrag APS 8/8 sowie guter Blattgesundheit gegenüber Mehltau, Netzflecken, Rhynchosporium und Zwergrost. Gute Vermarktungsqualität aufgrund guter Sortierung, Hektolitergewicht und Marktwareertrag. |
Innovation säen, maximal ernten. Sehr hohes Ertragspotential in beiden Intensitätsstufen bei guter Blattgesundheit. Ausgewogenes Resistenzprofilmit guter Strohstabilität und Winterhärte. Breite Standort- und Fruchtfolgeeignung. Vermarktungssicherheit durch stabile Hektolitergewichte. |
|
Die Sorte überzeugt mit guten Kornerträgen und Kornqualität bei einer guten Strohstabilität. Diese setzt sich zusammen aus der Kombination Standfestigkeit, Halm- und Ährenknicken. Die gute Kornqualität spiegelt sich in den Marktwarenerträgen. | Julia Ertragreiche Sorte mit der Einstufung Kornertrag 8/8 vom Bundessortenamt. Frohwüchsige Sorte mit guter Standfestigkeit. Resistenz gegen Gerstengelbmosaikvirus (BaYMV) Typ 1+2. | SY Galileoo Hochertragreiche Sorte mit guter winterhärte und blattgesund sowie guter Ertragsstabilität. |
KWS Andris Leistungsstark im Kornertrag mit guter Standfestigkeit und guter Blattgesundheit. Gute Kornqualitäten. | KWS Chilis Moderne mehrzeilige Winterfuttergerste, die Ertragsleistung mit einer abreiten Resistenzausstattung kombiniert. Hervorzuheben ist die Resistenz gegen die Gelbmosaikviren Typ 1 und 2 sowie gegen Gerstengelbverzwergungsvirus (BYDV). Auch im Bereich Blattgesundheit setzt die Sorte Maßstäbe. Besonders die sehr geringe Anfälligkeit gegenüber Ramularia. Trotz hoher Ertragsleistung zeigt die Sorte eine gute Standfestigkeit. |
Unsere ährenstarke Hybridgerste. |
LG Campus Hohe Kornerträge und gute Strohstablität mit guter Sortierung bei guter Resistenzen gegenüber Netzflecken, Rynchsosporium und Zwergrost. |
| SY Zoomba Zeichnet sich durch eine besonders hohe Vitalität und Frohwüchsigkeit aus. Das führt nicht nur zu einer effektiven Ungras-Unterdrückung, sondern ermöglicht außerdem ein sehr weites Aussaatfenster. Zusatzversicherung durch Resistenz gegenüber Gelbverzwergungsvirus. Dank ihrer Virusresistenz (BYDV) kann sie sowohl früh als auch als Folgefrucht nach Mais angebaut werden. SY Zoomba verfügt über ein ausgewogenes Resistenzprofil mit guter Strohstabilität. |
LG Cascade Moderne zweizeilige Winterfuttergerste mit hohem Ertragspotenzial und breiter Anbaueignung.. Durch ihr Hektolitergewicht und das hohe Tausendkorngewicht liefert sie eine ausgezeichnete Marktwarequalität. Darüber hinaus weist sie gute Resistenzen gegenüber Rhynchosporium und Zwergrost auf. Ihr starkes Kompensationsvermögen ermöglicht eine zuverlässige Ertragsbildung auch unter wechselnden Umweltbedingungen. Standfestikeit absichern. |
|
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Ertragsstärkste, BYDV-resistente zweizeilige Wintergerste mit ausgezeichnetem Vollgerstenanteil. Zusatzversicherung durch Resistenz gegenüber Gelbverzwergungsvirus (BYDV). Deutschlandweit stark im Ertrag auch unter Nichtbefallsbedingungen. Die Merkmalskombination aus Kornertrag, Marktwareanteil, Vollgersteanteil und Hektolitergewicht ist einmalig bei den BYDV-resistenten zweizeiligen Wintergersten. |
|
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Sandra Besitzt bei mittelkurzer Wuchshöhe eine geringe Lagerneigung. Die wüchsige und frühreifende Sorte liefert mit sehr hohen Bestandesdichten einen hohen Kornertrag und überzeugt durch sehr gute Vollgersten- und Marktwareerträge. |
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Winterbraugerste: Comtesse Ertragsstärkste frühe Winterbraugerste mit bester Vermarktungssicherheit (Vollgerstenanteil Note 9 und Hektolitergewicht Note 8). Keine Schwächen in der Resistenz und kurzer Wuchs. |
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Winterbraugerste: KWS Somerset Agronomisch ausgeglichene Sorte aufgrund guter Standfestigkeit, gutem Gesundheitsprofil und der Ertragsstärke. Gute Malz- und Brauqualität auf hohem Niveau. |
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Zweizeilige Sorten |
Frühe Sorte mit guter Strohstabilität und Blattgesundheit. Das Profil wird durch eine sehr gute Kornqualität ergänzt. |
|---|---|
Mehrzeilige Sorten |
Ertragsstarke Sorte mit Kornertrag APS 8/8 sowie guter Blattgesundheit gegenüber Mehltau, Netzflecken, Rhynchosporium und Zwergrost. Gute Vermarktungsqualität aufgrund guter Sortierung, Hektolitergewicht und Marktwareertrag. |
Hybrid-Sorten |
Innovation säen, maximal ernten. Sehr hohes Ertragspotential in beiden Intensitätsstufen bei guter Blattgesundheit. Ausgewogenes Resistenzprofilmit guter Strohstabilität und Winterhärte. Breite Standort- und Fruchtfolgeeignung. Vermarktungssicherheit durch stabile Hektolitergewichte. |
Zweizeilige Sorten |
Die Sorte überzeugt mit guten Kornerträgen und Kornqualität bei einer guten Strohstabilität. Diese setzt sich zusammen aus der Kombination Standfestigkeit, Halm- und Ährenknicken. Die gute Kornqualität spiegelt sich in den Marktwarenerträgen. |
Mehrzeilige Sorten | Julia Ertragreiche Sorte mit der Einstufung Kornertrag 8/8 vom Bundessortenamt. Frohwüchsige Sorte mit guter Standfestigkeit. Resistenz gegen Gerstengelbmosaikvirus (BaYMV) Typ 1+2. |
Hybrid-Sorten | SY Galileoo Hochertragreiche Sorte mit guter winterhärte und blattgesund sowie guter Ertragsstabilität. |
Zweizeilige Sorten | KWS Andris Leistungsstark im Kornertrag mit guter Standfestigkeit und guter Blattgesundheit. Gute Kornqualitäten. |
Mehrzeilige Sorten | KWS Chilis Moderne mehrzeilige Winterfuttergerste, die Ertragsleistung mit einer abreiten Resistenzausstattung kombiniert. Hervorzuheben ist die Resistenz gegen die Gelbmosaikviren Typ 1 und 2 sowie gegen Gerstengelbverzwergungsvirus (BYDV). Auch im Bereich Blattgesundheit setzt die Sorte Maßstäbe. Besonders die sehr geringe Anfälligkeit gegenüber Ramularia. Trotz hoher Ertragsleistung zeigt die Sorte eine gute Standfestigkeit. |
Hybrid-Sorten |
Unsere ährenstarke Hybridgerste. |
Zweizeilige Sorten | LG Campus Hohe Kornerträge und gute Strohstablität mit guter Sortierung bei guter Resistenzen gegenüber Netzflecken, Rynchsosporium und Zwergrost. |
Mehrzeilige Sorten |
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Hybrid-Sorten | SY Zoomba Zeichnet sich durch eine besonders hohe Vitalität und Frohwüchsigkeit aus. Das führt nicht nur zu einer effektiven Ungras-Unterdrückung, sondern ermöglicht außerdem ein sehr weites Aussaatfenster. Zusatzversicherung durch Resistenz gegenüber Gelbverzwergungsvirus. Dank ihrer Virusresistenz (BYDV) kann sie sowohl früh als auch als Folgefrucht nach Mais angebaut werden. SY Zoomba verfügt über ein ausgewogenes Resistenzprofil mit guter Strohstabilität. |
Zweizeilige Sorten | LG Cascade Moderne zweizeilige Winterfuttergerste mit hohem Ertragspotenzial und breiter Anbaueignung.. Durch ihr Hektolitergewicht und das hohe Tausendkorngewicht liefert sie eine ausgezeichnete Marktwarequalität. Darüber hinaus weist sie gute Resistenzen gegenüber Rhynchosporium und Zwergrost auf. Ihr starkes Kompensationsvermögen ermöglicht eine zuverlässige Ertragsbildung auch unter wechselnden Umweltbedingungen. Standfestikeit absichern. |
Mehrzeilige Sorten |
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Hybrid-Sorten |
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Zweizeilige Sorten |
Ertragsstärkste, BYDV-resistente zweizeilige Wintergerste mit ausgezeichnetem Vollgerstenanteil. Zusatzversicherung durch Resistenz gegenüber Gelbverzwergungsvirus (BYDV). Deutschlandweit stark im Ertrag auch unter Nichtbefallsbedingungen. Die Merkmalskombination aus Kornertrag, Marktwareanteil, Vollgersteanteil und Hektolitergewicht ist einmalig bei den BYDV-resistenten zweizeiligen Wintergersten. |
Mehrzeilige Sorten |
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Hybrid-Sorten |
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Zweizeilige Sorten | Sandra Besitzt bei mittelkurzer Wuchshöhe eine geringe Lagerneigung. Die wüchsige und frühreifende Sorte liefert mit sehr hohen Bestandesdichten einen hohen Kornertrag und überzeugt durch sehr gute Vollgersten- und Marktwareerträge. |
Mehrzeilige Sorten |
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Hybrid-Sorten |
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Zweizeilige Sorten | Winterbraugerste: Comtesse Ertragsstärkste frühe Winterbraugerste mit bester Vermarktungssicherheit (Vollgerstenanteil Note 9 und Hektolitergewicht Note 8). Keine Schwächen in der Resistenz und kurzer Wuchs. |
Mehrzeilige Sorten |
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Hybrid-Sorten |
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Zweizeilige Sorten | Winterbraugerste: KWS Somerset Agronomisch ausgeglichene Sorte aufgrund guter Standfestigkeit, gutem Gesundheitsprofil und der Ertragsstärke. Gute Malz- und Brauqualität auf hohem Niveau. |
Mehrzeilige Sorten |
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Hybrid-Sorten |
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