
Schweinemast
Ablauf, Fütterung & Wirtschaftlichkeit für Ihren Schweinemast-Betrieb
Die Schweinemast zählt zu den intensivsten Produktionsverfahren in der deutschen Tierhaltung. Wer heute einen Schweinemastbetrieb wirtschaftlich führen will, muss viele Stellschrauben gleichzeitig im Blick behalten: die richtige Genetik, eine phasengerechte Fütterung, ein konsequentes Gesundheitsmanagement und eine belastbare Betriebskalkulation.
Dieser Ratgeber gibt Ihnen einen praxisorientierten Überblick, von den Grundlagen der Schweinemast über Fütterungsmethoden und Futtermittel bis hin zu Deckungsbeitrag, Vollkostenrechnung und den Besonderheiten der Bio-Schweinemast.
Hinweis: Die Fütterung anderer Tierkategorien, wie Muttersauen, Jungsauen, Zuchteber und Ferkel in der Aufzuchtphase, behandeln wir ausführlich im Ratgeber Fütterung Schweine. Dieser Artikel widmet sich ausschließlich der Fütterung und Haltung von Mastschweinen.
Unser Service für Sie rund um das Thema Schweinemast
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Was ist Schweinemast? Definition & Betriebsformen
Als Schweinemast bezeichnet man die gezielte Aufzucht von Schweinen von der Einstallung als Ferkel bis zur Schlachtreife, mit dem Ziel der Fleischerzeugung. Die Mast beginnt in der Regel bei einem Lebendgewicht von etwa 25 bis 30 Kilogramm und endet bei der Schlachtung mit 115 bis 125 Kilogramm.
Davon abzugrenzen ist die Schweineproduktion als Zucht: Zuchtsauen und Zuchteber dienen der Ferkelproduktion und unterliegen grundlegend anderen Haltungs- und Fütterungsanforderungen.
Betriebsformen in der Schweinemast
Schweinemastbetriebe sind in Deutschland nach zwei grundlegenden Systemen organisiert:
| Offenes System (Ferkelzukauf): | Geschlossenes System |
|---|---|---|
Merkmal | Der Betrieb kauft Ferkel zu und mästet sie bis zur Schlachtreife. | Ferkelproduktion und Mast erfolgen im selben Betrieb. |
Vorteil | keine Investitionen in Sauenhaltung | bessere Biosicherheit, keine Einkaufsrisiken |
Nachteil | Abhängigkeit vom Ferkelmarkt und Eintrag von Krankheitserregern durch Zukauf | höherer Kapital- und Arbeitseinsatz |
| Merkmal |
|---|---|
Offenes System (Ferkelzukauf): | Der Betrieb kauft Ferkel zu und mästet sie bis zur Schlachtreife. |
Geschlossenes System | Ferkelproduktion und Mast erfolgen im selben Betrieb. |
| Vorteil |
Offenes System (Ferkelzukauf): | keine Investitionen in Sauenhaltung |
Geschlossenes System | bessere Biosicherheit, keine Einkaufsrisiken |
| Nachteil |
Offenes System (Ferkelzukauf): | Abhängigkeit vom Ferkelmarkt und Eintrag von Krankheitserregern durch Zukauf |
Geschlossenes System | höherer Kapital- und Arbeitseinsatz |
Schweinemast in Deutschland: Zahlen und Strukturen
- Um die 23 Millionen Mastschweine stehen in Deutschland (Destatis, 2023).
- Strukturwandel: Die Anzahl der Schweinemastbetriebe sinkt, die durchschnittliche Bestandsgröße steigt.
- Hauptproduktionsregionen: Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg
- Deutschland gehört zu den größten Schweinefleischproduzenten in der EU.
Masttiere, Mastphasen & Mastdauer: Ablauf von der Einstallung bis zur Schlachtung
Die Schweinemast dauert in deutschen Betrieben in der Regel zwischen 90 und 120 Tagen. Die exakte Mastdauer in Tagen hängt von der Genetik der Tiere, der Fütterungsintensität und dem angestrebten Schlachtgewicht ab.
Welche Tiere werden typischerweise gemästet? Eber, die gemästet werden sollen, werden in der Praxis fast immer früh kastriert, dann nennt man sie Börge. Das hat einen Grund: Unkastrierte Eber können den sogenannten „Ebergeruch“ im Fleisch entwickeln. Weibliche Tiere, die nicht für die Zucht gebraucht werden, gehen ebenfalls in die Mast.
Die drei Mastphasen im Überblick
Anfangsmast (25 bis 60 kg Lebendgewicht)
- Eingewöhnungsphase nach dem Umstallen: Die Tiere brauchen Zeit zur Adaption an die neue Umgebung, neues Futter, neue Buchtenpartner.
- Fokus auf Gesundheitsstabilisierung und Aufbau des Skeletts
- tägliche Zunahmen: 700 bis 900 Gramm
- Fütterung: hochverdauliche, proteinreiche Ration mit hohem Lysingehalt
Mittelmast (60 bis 90 kg Lebendgewicht)
- Phase des stärksten Muskelwachstums
- tägliche Zunahmen: 850 bis 1100 Gramm
- Futterverwertung (FCR) auf dem bestmöglichen Niveau
- Fütterung: leicht reduzierter Lysingehalt, weiterhin hohe Energieversorgung
Endmast (90 bis 125 kg Lebendgewicht)
- Das Wachstum verlangsamt sich bei modernen Rassen kaum noch, der Fettansatz steigt
- Tägliche Zunahmen: 900 bis 1200 Gramm
- Fütterung: reduzierter Aminosäurengehalt, leicht eingeschränkte Energiezufuhr empfohlen
- Ziel: hoher Muskelfleischanteil, kontrollierter Fettgehalt im Schlachtkörper
Phase | Gewicht (kg) | Tägliche Zunahmen | Mastdauer (ca.) | Fütterungsschwerpunkt |
|---|---|---|---|---|
Anfangsmast | 25 bis 60 | 700 bis 900 g | 35 bis 45 Tage | Hoher Lysin- und Proteingehalt |
Mittelmast | 60 bis 90 | 850 bis 1100 g | 25 bis 30 Tage | Hohe Energie, reduziertes Lysin |
Endmast | 90 bis 125 | 900 bis 1200 g | 30 bis 40 Tage | Fettansatz begrenzen, FCR optimieren |
Phase | Anfangsmast |
|---|---|
Gewicht (kg) | 25 bis 60 |
Tägliche Zunahmen | 700 bis 900 g |
Mastdauer (ca.) | 35 bis 45 Tage |
Fütterungsschwerpunkt | Hoher Lysin- und Proteingehalt |
Phase | Mittelmast |
Gewicht (kg) | 60 bis 90 |
Tägliche Zunahmen | 850 bis 1100 g |
Mastdauer (ca.) | 25 bis 30 Tage |
Fütterungsschwerpunkt | Hohe Energie, reduziertes Lysin |
Phase | Endmast |
Gewicht (kg) | 90 bis 125 |
Tägliche Zunahmen | 900 bis 1200 g |
Mastdauer (ca.) | 30 bis 40 Tage |
Fütterungsschwerpunkt | Fettansatz begrenzen, FCR optimieren |
Verändert nach LfL Bayern – Kalkulationsdaten Schweinemast
* Haftungsausschluss: Die in diesem Text aufgeführten Informationen und Angaben dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Orientierung im Rahmen der Fütterung von Mastschweinen. Sie basieren auf üblichen Richtwerten aus Fachliteratur und Praxis, stellen jedoch keine individuelle Fütterungsberatung dar. Die tatsächlichen Anforderungen von Mastschweinen können je nach Rasse, Leistung, Gesundheitszustand, Futteraufnahme, Haltungsform und betrieblichen Gegebenheiten erheblich variieren. Für die Umsetzung in der Praxis wird dringend empfohlen, eine standortbezogene Rationsberechnung sowie eine betriebsindividuelle Beratung durch qualifizierte Fachleute (z. B. Tierernährungsberater oder Tierarzt) in Anspruch zu nehmen. Es wird keine Haftung für Schäden oder wirtschaftliche Nachteile übernommen, die direkt oder indirekt aus der Anwendung der dargestellten Informationen entstehen.
Umtriebe pro Jahr
Ein entscheidender Wirtschaftlichkeitsfaktor ist die Anzahl der Umtriebe pro Mastplatz und Jahr. Bei einer Mastdauer von 120 Tagen zuzüglich einer Reinigungspause von 10 bis 14 Tagen nach dem Rein-Raus-Verfahren ergeben sich rechnerisch 2,8 bis 3,0 Umtriebe pro Jahr. Jede Verkürzung der Mastdauer um zehn Tage, etwa durch verbesserte Genetik oder optimierte Fütterung, erhöht die mögliche Anzahl an Umtrieben und damit den Deckungsbeitrag je Mastplatz spürbar.
Rassen & Genetik: die Grundlage wirtschaftlicher Mastleistungen
Die Genetik der Mastschweine hat einen entscheidenden Einfluss auf tägliche Zunahmen, Futterverwertung und Schlachtkörperqualität. In deutschen Schweinemastbetrieben werden überwiegend Kreuzungstiere eingesetzt, da diese gegenüber reinrassigen Tieren Vorteile in Wachstumsleistung und Robustheit zeigen (Heterosiseffekt).
Gängige Kreuzungen in Deutschland
- Deutsche Landrasse (DL) × Deutsches Edelschwein (DE) als Muttertiere: gute Mutterqualitäten, stabil in der Aufzuchtleistung
- Pietrain als Vaterrasse: hoher Muskelfleischanteil (>63 Prozent), hohe tägliche Zunahmen, moderne Linien sind stressfrei (HAL-negativ)
- Hybridzuchtprogramme der großen Zuchtorganisationen (BHZP, Topigs Norsvin, PIC) liefern genetisch geprüfte Endprodukte für definierte Mastziele
Der Jahresbericht „Schwein Bayern 2024“ der LfL Bayern nennt als aktuelle Zuchtziele für Mastschweine: über 900 Gramm tägliche Zunahmen und mehr als 63 Prozent Muskelfleischanteil nach der Bonner Formel. Diese Ziele wollen viele Landwirte übertreffen, was jedoch optimale Haltungs- und Fütterungsbedingungen erfordert.
Praxistipp: Achten Sie beim Ferkelzukauf auf dokumentierte Leistungsdaten der Elterntiere. Zuchtwertinformationen der Zuchtverbände (zum Beispiel BHZP-Zuchtwertschätzung) geben Ihnen belastbare Anhaltspunkte für die zu erwartende Mastleistung. Mehr zum Thema finden Sie in unserem Beitrag zu Schweinerassen.
Fütterung in der Schweinemast: Methoden, Phasen & Erkenntnisse aus der Praxis
Mastschweine haben grundlegend andere Nährstoffbedürfnisse als die übrigen Tierkategorien im Schweinebetrieb. Das ist besonders dann wichtig, wenn Sie Ihren Futtereinkauf planen oder eigene Mischungen zusammenstellen:
- Muttersauen benötigen angepasste Protein-, Energie- und Calciumversorgung für Trächtigkeit und Laktation sowie ein spezifisches Aminosäurenprofil zur Körperkonditionserhaltung
- Ferkel in der Aufzucht sind auf hochverdauliche Proteinquellen angewiesen, da ihr Verdauungssystem noch nicht voll entwickelt ist
- Zuchteber haben einen moderaten Energie- und Proteinbedarf, zu viel Energie führt zur Verfettung und beeinträchtigt die Fruchtbarkeit
- Mastschweine hingegen brauchen phasenweise eine hohe Energie- und Aminosäurenversorgung, die auf maximalen Muskelansatz und optimale Futterverwertung ausgerichtet ist und je nach Rasse und Leistungsniveau eventuell in der Endmast gezielt gedrosselt wird
Nährstoffbedarfsvergleich nach Tierkategorie (Richtwerte)
| Tierkategorie | Energie (MJ ME/kg) | Rohprotein | Lysin | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Ferkel (10 bis 30 kg) | 13,5 bis 14,0 | 16 bis 18 % | 1,3 bis 1,5 % | hochverdauliche Proteine nötig |
| Mastschwein Anfangsmast | 13,0 bis 13,5 | 15,5 bis 16,5 % | 1,15 bis 1,25 % | Muskelwachstum maximieren |
| Mastschwein Endmast | 12,5 bis 13,0 | 13 bis 14,5 % | 0,85 bis 1,0 % | Fettansatz begrenzen |
| Muttersau (Trächtigkeit) | 12,5 | 13 bis 14 % | 0,6 bis 0,7 % | Konditionsmanagement |
| Tierkategorie | Ferkel (10 bis 30 kg) |
|---|---|
| Energie (MJ ME/kg) | 13,5 bis 14,0 |
| Rohprotein | 16 bis 18 % |
| Lysin | 1,3 bis 1,5 % |
| Besonderheit | hochverdauliche Proteine nötig |
| Tierkategorie | Mastschwein Anfangsmast |
| Energie (MJ ME/kg) | 13,0 bis 13,5 |
| Rohprotein | 15,5 bis 16,5 % |
| Lysin | 1,15 bis 1,25 % |
| Besonderheit | Muskelwachstum maximieren |
| Tierkategorie | Mastschwein Endmast |
| Energie (MJ ME/kg) | 12,5 bis 13,0 |
| Rohprotein | 13 bis 14,5 % |
| Lysin | 0,85 bis 1,0 % |
| Besonderheit | Fettansatz begrenzen |
| Tierkategorie | Muttersau (Trächtigkeit) |
| Energie (MJ ME/kg) | 12,5 |
| Rohprotein | 13 bis 14 % |
| Lysin | 0,6 bis 0,7 % |
| Besonderheit | Konditionsmanagement |
Verändert nach DLG-Bedarfsnormen und LfL Bayern – Gruber Tabelle
* Haftungsausschluss: Die in diesem Text aufgeführten Informationen und Angaben dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Orientierung im Rahmen der Fütterung von Mastschweinen. Sie basieren auf üblichen Richtwerten aus Fachliteratur und Praxis, stellen jedoch keine individuelle Fütterungsberatung dar. Die tatsächlichen Anforderungen von Mastschweinen können je nach Rasse, Leistung, Gesundheitszustand, Futteraufnahme, Haltungsform und betrieblichen Gegebenheiten erheblich variieren. Für die Umsetzung in der Praxis wird dringend empfohlen, eine standortbezogene Rationsberechnung sowie eine betriebsindividuelle Beratung durch qualifizierte Fachleute (z. B. Tierernährungsberater oder Tierarzt) in Anspruch zu nehmen. Es wird keine Haftung für Schäden oder wirtschaftliche Nachteile übernommen, die direkt oder indirekt aus der Anwendung der dargestellten Informationen entstehen.
Fütterungsmethoden in der Schweinemast
Tiergesundheit, Arbeitsaufwand und Futterverwertung sind gleichermaßen abhängig davon, welche Fütterungstechnik verwendet wird. Die gängigsten Methoden sind:
Trockenfütterung
Bei der Trockenfütterung wird pelletiertes oder mehlartiges Alleinfutter eingesetzt, das die Tiere über Trogautomaten oder Rohrbreifütterungsanlagen aufnehmen.
- Vorteile: einfache Handhabung, gute Hygiene, geringer Investitionsaufwand, klare Dosierbarkeit
- Nachteile: höherer Wasserverbrauch über separate Tränken nötig, bei mehlartigem Futter erhöhte Staubentwicklung
- Empfehlung: gut geeignet für kleinere und mittlere Schweinemastbetriebe mit Zukaufsfutter
Flüssigfütterung
Futter und Wasser (oder flüssige Nebenprodukte) werden in einer Mischanlage zu einer pumpfähigen Maische verarbeitet und über Rohrleitungen zu den Trögen gepumpt.
- Vorteile: hohe Futteraufnahme, sehr gute Verdaulichkeit, Nebenprodukte (Molke, Schlempe, Getreideschlempe) lassen sich direkt einarbeiten, deutlich weniger Staub
- Nachteile: hoher Investitionsaufwand in Leitungssystem und Hygienetechnik, erhöhte Gefahr der Keimvermehrung in den Leitungen bei unzureichender Reinigung
- Empfehlung: besonders wirtschaftlich für größere Betriebe mit Zugang zu flüssigen Nebenprodukten aus Molkerei, Brauerei oder Bioethanolanlagen
Breifütterung am Breiautomaten
Der Breiautomat ist eine Kombination aus Trocken- und Flüssigfütterung: Das Tier nimmt gleichzeitig Futter und Wasser auf und steuert das Verhältnis selbst.
- Vorteile: tiergerechte, bedarfsorientierte Aufnahme, hohe Futteraufnahme, geringer Arbeitsaufwand nach der Einrichtung
- Nachteile: Kontrolle der tatsächlichen Futteraufnahme je Tier schwieriger, regelmäßige Reinigung und Wartung der Automaten notwendig
Ad libitum oder rationierte Fütterung?
- Ad libitum (freier Zugang): Tiere fressen nach eigenem Bedarf. Ergebnis: hohe tägliche Zunahmen, aber erhöhter Fettansatz besonders in der Endmast.
- Rationierte Fütterung: Futtermengen werden kontrolliert zugeteilt. Ergebnis: bessere Schlachtkörperqualität, mehr Aufwand in der Steuerung.
Praxiserfahrung: Ad libitum in der Anfangs- und Mittelmast, leicht rationierte Fütterung (ca. 5 bis 10 Prozent unter Sättigungsmenge) ab 90 Kilogramm Lebendgewicht. So kombinieren Sie hohe Tageszunahmen mit einem marktgerechten Muskelfleischanteil.
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Drei-Phasenfütterung in der Schweinemast
Die Drei-Phasenfütterung ist heute der Standard in professionellen Schweinemastbetrieben. Statt einer einheitlichen Ration für die gesamte Mastperiode erhalten die Tiere in jeder der drei Mastphasen ein angepasstes Futter.
- Phase 1 – Anfangsmast (28 bis 60 kg): hoher Lysin- und Proteingehalt für maximales Muskelwachstum in der Wachstumsphase. Empfohlener Lysingehalt: ca. 1,15 bis 1,25 Prozent in der Trockenmasse
- Phase 2 – Mittelmast (60 bis 90 kg): reduzierter Aminosäurenbedarf, weiterhin hohe Energieversorgung. Der Körper wächst weiterhin stark, braucht aber weniger Protein als in der Anfangsphase.
- Phase 3 – Endmast (90 bis 125 kg): deutlich reduzierter Lysinbedarf (ca. 0,85 bis 1,0 Prozent). Zu viel Protein in dieser Phase führt zu erhöhten Stickstoffausscheidungen ohne Leistungsgewinn.
Wichtig beim Phasenwechsel: Den Übergang nicht abrupt vollziehen! Eine Übergangsfütterung von drei bis fünf Tagen, in der beide Rationen gemischt werden, vermeidet Fressunlust und Leistungseinbrüche.
Warum Drei-Phasenfütterung gegenüber Ein-Phasenfütterung?
- bedarfsgerechte Nährstoffversorgung in jeder Phase
- niedrigere Futterkosten durch reduzierten Einsatz teurer Proteinträger in Mittel- und Endmast
- geringere Stickstoff- und Phosphorausscheidungen sorgen für bessere Umweltbilanz, relevant für Düngeverordnung
- bessere Schlachtkörperqualität durch kontrollierten Fettansatz
- Grundlage für QS-Anforderungen und Tierwohlprogramme
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Futtermittel in der Schweinemast: Rohstoffe & Besonderheiten
Es ist wesentlich einfacher, ein Schwein zu mästen, wenn es sein Futter auch tatsächlich mag und gerne zu sich nimmt. Was also braucht es?
Grundfuttermittel
- Getreide (Gerste, Weizen, Triticale): Hauptenergieträger in nahezu jeder Mastration, gut verdaulich, regional verfügbar
- Sojaextraktionsschrot: wichtigster Proteinträger in konventionellen Betrieben, hoher Lysingehalt, gute Verdaulichkeit
- Rapsschrot: günstige Alternative zu Soja, Einsatz bis ca. 10 bis 15 Prozent der Ration begrenzen (Glucosinolate)
CCM in der Schweinemast
CCM (Corn-Cob-Mix) ist silierter Kolbenschrot aus Mais und eines der energiereichsten Grundfuttermittel für Mastschweine. Für Betriebe mit eigenem Maisanbau ist CCM eine wirtschaftlich sehr attraktive Option.
- Energiedichte: ca. 13,5 bis 14,0 MJ ME/kg Trockenmasse
- Einsatzempfehlung: bis zu 40 bis 50 Prozent der Trockensubstanzration in der Mittelmast
- Einschränkungen: begrenzte Rieselfähigkeit – CCM eignet sich primär für Flüssig- oder Breifütterung, nach dem Anschnitt des Silos rasch verbrauchen (begrenzte Haltbarkeit)
Nebenprodukte in der Schweinemast
Die Verwendung von Nebenprodukten aus der Lebensmittel- und Agrarindustrie ist ein bewährter Ansatz zur Kostensenkung.
Durch den gezielten Einsatz regionaler Nebenprodukte lassen sich die Futterkosten um 10 bis 20 Prozent reduzieren, was ein bedeutender Hebel bei der angespannten Wirtschaftlichkeit in der Schweinemast ist.
| Nebenprodukt | Vorteil | Hinweis |
|---|---|---|
| Molke (frisch/sauer) | Energieträger, fördert Futteraufnahme | nur in Flüssigfütterung; Hygiene beachten |
| Getreideschlempe | hoher Proteingehalt, regional | frisch oder siliert; Lysingehalt prüfen |
| Rapsschrot | günstig, gute Verfügbarkeit | Mengenbegrenzung wegen Glucosinolaten |
| Nebenprodukt | Molke (frisch/sauer) |
|---|---|
| Vorteil | Energieträger, fördert Futteraufnahme |
| Hinweis | nur in Flüssigfütterung; Hygiene beachten |
| Nebenprodukt | Getreideschlempe |
| Vorteil | hoher Proteingehalt, regional |
| Hinweis | frisch oder siliert; Lysingehalt prüfen |
| Nebenprodukt | Rapsschrot |
| Vorteil | günstig, gute Verfügbarkeit |
| Hinweis | Mengenbegrenzung wegen Glucosinolaten |
Phytase & Enzyme
- Phytase: verbessert die Phosphorverdaulichkeit aus pflanzlichem Futter erheblich. Phosphorausscheidungen sinken, der Mineraldünger-Bedarf ebenfalls. Gehört heute zum Standard in Alleinfutterkonzepten.
- Xylanase/Glucanase: verbessert die Verdaulichkeit von Gerste und Weizen, besonders bei höheren Anteilen dieser Getreide in der Ration.
Gut zu wissen: Süßstoffe spielen bei der Schweinemast wirtschaftlich keine Rolle und kommen nur bei Ferkelfutter zum Einsatz.
Fütterung in der Bio-Schweinemast
Die ökologische Schweinemast stellt besondere Anforderungen an Futtermittel und Rationsgestaltung. Die Grundlage bildet die EU-Öko-Verordnung (EU) 2018/848.
Pflichtanforderungen
- ausschließlich ökologisch erzeugte Futtermittel
- mindestens 20 Prozent des Futters aus dem eigenen Betrieb oder der Region (angestrebt)
- kein Einsatz synthetischer Aminosäuren (zum Beispiel Lysin-HCl, Methionin): Das ist die größte Herausforderung gegenüber der konventionellen Mast.
- kein Einsatz synthetischer Wachstumsförderer oder Kokzidiostatika
- Zugang zu Auslauf und Beschäftigung verpflichtend
Fütterungsstrategien in der Bio-Mast
Da synthetische Aminosäuren nicht erlaubt sind, muss die Lysinversorgung vollständig über natürliche Futtermittel gedeckt werden:
- Körnerleguminosen (Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen) als heimische Proteinquellen: günstiger und regionaler als Bio-Sojaschrot, aber niedrigerer Lysingehalt
- Bio-Sojaextraktionsschrot (zertifiziert non-GVO): weiterhin unverzichtbar für eine bedarfsgerechte Aminosäurenversorgung, aber deutlich teurer als konventionelles Soja
Eigenerzeugung von Bio-Getreide und Körnerleguminosen ist der wichtigste Kostenhebel in der ökologischen Schweinemast.
Leistungsparameter in der Bio-Mast
Kennzahl | Bio-Schweinemast | Konventionell |
|---|---|---|
Tägliche Zunahmen | 650 bis 800 g | 850 bis 1100 g |
Mastdauer | 130 bis 160 Tage | 90 bis 120 Tage |
FCR (kg Futter/kg Zuwachs) | 2,8 bis 3,2 | 2,6 bis 2,9 |
Umtriebe/Jahr | ca. 2,0 bis 2,3 | ca. 2,8 bis 3,0 |
Kennzahl | Tägliche Zunahmen |
|---|---|
Bio-Schweinemast | 650 bis 800 g |
Konventionell | 850 bis 1100 g |
Kennzahl | Mastdauer |
Bio-Schweinemast | 130 bis 160 Tage |
Konventionell | 90 bis 120 Tage |
Kennzahl | FCR (kg Futter/kg Zuwachs) |
Bio-Schweinemast | 2,8 bis 3,2 |
Konventionell | 2,6 bis 2,9 |
Kennzahl | Umtriebe/Jahr |
Bio-Schweinemast | ca. 2,0 bis 2,3 |
Konventionell | ca. 2,8 bis 3,0 |
Der Ausgleich für geringere Leistungsdaten erfolgt über höhere Erzeugerpreise für Bio-Schweinefleisch sowie Agrarumweltprogramme der Bundesländer.
Praxistipp: Rationsplanung in der Bio-Mast ohne synthetische Aminosäuren
Die bedarfsgerechte Lysinversorgung ohne synthetische Zusätze gelingt am besten durch eine Kombination aus Bio-Sojaextraktionsschrot und heimischen Körnerleguminosen.
Pflichtprogramm: regelmäßige Futtermittelanalysen, da die Nährstoffgehalte ökologisch erzeugter Rohstoffe stärker schwanken als bei konventionellen. Die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten Fütterungsberater zahlt sich in der Bio-Mast besonders aus.
Wirtschaftlichkeit der Schweinemast: Deckungsbeitrag, Kosten & Vollkostenrechnung
Ja, die Schweinemast ist arbeitsintensiv, aber lohnt sich das auch für den Betrieb? Die Wirtschaftlichkeit der Schweinemast steht und fällt mit dem Deckungsbeitrag je Mastplatz und Jahr. Dieser ergibt sich aus dem Schlachterlös abzüglich der variablen Direktkosten. Dazu sind hier ein paar wichtige Kennzahlen:
- Deckungsbeitrag (DB): Schlachterlös minus variable Kosten (Ferkelkosten, Futterkosten, Tierarzt, Energie, Vermarktung)
- Direktkostenfreie Leistung: Leistung minus Direktkosten, aber ohne Gemeinkosten. Dies ermöglicht Betriebsvergleiche und zeigt, ob die Produktion die laufenden Direktkosten deckt.
- Vollkostenrechnung: berücksichtigt zusätzlich Gemeinkosten, Abschreibungen, Gebäudekosten und kalkulatorischen Unternehmerlohn. Das ist notwendig für Investitionsentscheidungen und Haltungsformvergleiche (zum Beispiel konventionell vs. Tierwohlstufe 2).
Typische Kalkulationsdaten Schweinemast konventionell
Richtwerte für die Deckungsbeitragskalkulation (LfL Bayern)
Kennzahl | Richtwert |
|---|---|
Einstallgewicht | 28 kg |
Ausstallgewicht | 120 kg |
Tägliche Zunahmen | 850 g |
Mastdauer | ca. 109 Tage |
Futterverbrauch je Tier | ca. 265 kg |
Futterverwertung (FCR) | ca. 2,7 |
Umtriebe/Mastplatz/Jahr | ca. 2,8 |
Kennzahl | Einstallgewicht |
|---|---|
Richtwert | 28 kg |
Kennzahl | Ausstallgewicht |
Richtwert | 120 kg |
Kennzahl | Tägliche Zunahmen |
Richtwert | 850 g |
Kennzahl | Mastdauer |
Richtwert | ca. 109 Tage |
Kennzahl | Futterverbrauch je Tier |
Richtwert | ca. 265 kg |
Kennzahl | Futterverwertung (FCR) |
Richtwert | ca. 2,7 |
Kennzahl | Umtriebe/Mastplatz/Jahr |
Richtwert | ca. 2,8 |
Quelle: LfL Bayern – Deckungsbeiträge und Kalkulationsdaten Schweinemast
Die größten Kostenpositionen
Ferkelkosten (ca. 30 bis 35 Prozent der Gesamtkosten): Der Ferkelpreis ist am Markt kaum steuerbar, die Auswahl leistungsstarker Genetik und gesunder Ferkel ist entscheidend.
Futterkosten (ca. 45 bis 55 Prozent der variablen Kosten): größter beeinflussbarer Kostenfaktor, Optimierung über Eigenproduktion, Rationsgestaltung und Nebenprodukte
Tiergesundheitskosten: stark abhängig vom Gesundheitsstatus der Herde, Prophylaxe ist günstiger als Behandlung
Energie und Wasser: Kosten steigen mit verschärften Tierwohlanforderungen (mehr Fläche, mehr Lüftung)
Arbeit und Gemeinkosten: in der Vollkostenrechnung nicht vernachlässigen
Stellschrauben für bessere Wirtschaftlichkeit
- Mastdauer verkürzen: mehr Umtriebe/Jahr
- Futterverwertung verbessern: Futterkosten senken
- Ferkelqualität verbessern: weniger Verluste, bessere Zunahmen
- konsequentes Rein-Raus-Verfahren: bessere Tiergesundheit, höhere Umtriebe
- Vollkostenrechnung regelmäßig aktualisieren: Investitionsentscheidungen auf solider Basis
Praxistipp: Der LfL-Deckungsbeitragsrechner ↗ der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft ist ein kostenloses Online-Tool, mit dem Sie Ihren betriebsindividuellen Deckungsbeitrag je Mastplatz und Jahr berechnen können, inklusive Vergleich verschiedener Haltungsformen und Tierwohl-Szenarien.
Möchten Sie Ihren Schweinemastbetrieb auf eine höhere Tierwohl-Stufe umstellen? Ihr BayWa-Berater unterstützt Sie bei der Planung und Kalkulation.
Qualitätssicherung in der Schweinemast: QS & Tierhaltungskennzeichnung
Das QS-SystemFür die große Mehrheit der deutschen Schweinemastbetriebe ist die Zertifizierung nach dem QS-System (Qualität und Sicherheit GmbH) Voraussetzung für die Vermarktung über den Lebensmitteleinzelhandel. QS deckt die gesamte Produktionskette ab, von der Futtermittelproduktion über den Mastbetrieb bis zur Schlachtung.
Anforderungen an QS-zertifizierte Schweinemastbetriebe:
- Betriebsregistrierung und regelmäßige Audits
- lückenlose Dokumentation von Medikamenteneinsatz, Tierbewegungen und Futterherkunft
- Teilnahme am Tiergesundheitsindex (Antibiotika-Monitoring)
- Einhaltung der Hygienestandards bei Zukauf, Transport und Aufstallen
Tierhaltungskennzeichnung seit 2024
Seit 2024 ist für frisches Schweinefleisch aus deutscher Erzeugung die gesetzliche Tierhaltungskennzeichnung verpflichtend. Die fünf Stufen (1 = Stall bis 5 = Bio) müssen am Produkt ausgewiesen werden.
Für Schweinemastbetriebe bedeutet das: Die gewählte Haltungsform prägt künftig die Vermarktungsstrategie, die Investitionsplanung und über Tierwohl-Zuschläge des Handels auch den erzielbaren Erlös.
Initiative Tierwohl
Die Initiative Tierwohl bietet Betrieben, die über Mindestvorgaben hinausgehen (zum Beispiel mehr Platz, Beschäftigungsmaterial, Zugang zu Auslauf), eine Tierwohlprämie. Die Teilnahme an der ITW ist freiwillig und kann den Deckungsbeitrag verbessern, erfordert aber auch Investitionen in die Stallausstattung.
Vermeiden Sie typische Fehler in der Schweinemast
- zu starker Fokus auf Einkaufspreise beim Ferkelkauf: Billige Ferkel mit schwacher Genetik oder schlechtem Gesundheitsstatus kosten meistens mehr, als sie sparen.
- einheitliche Fütterung über alle Mastphasen: Wer alle Mastschweine mit derselben Ration füttert, verschenkt Potenzial bei Zunahmen und Fleischqualität und zahlt unnötig viel für überschüssiges Protein.
- Vernachlässigung des Stallklimas: Zu hohe Temperaturen, Zugluft oder schlechte Luft (NH₃-Belastung) kosten täglich Zunahmen und erhöhen das Krankheitsrisiko.
- keine Vollkostenrechnung: Wer nur den Deckungsbeitrag im Blick hat, trifft falsche Investitionsentscheidungen, besonders beim Haltungsformwechsel.
- Vernachlässigung der QS-Dokumentation: Lücken bei Medikamentenaufzeichnungen oder fehlende Audits gefährden die Vermarktungsfähigkeit der gesamten Partie.
Erfolgsfaktoren in der Schweinemast
□ genetisch geeignete Ferkel mit dokumentierter Herkunft einsetzen
□ 3-Phasenfütterung konsequent umsetzen
□ Futtermittelanalysen regelmäßig durchführen
□ Stallklima (Temperatur, Luftrate, NH₃) kontinuierlich überwachen
□ Rein-Raus-Verfahren zur Verbesserung der Tiergesundheit und Erhöhung der Umtriebe nutzen
□ Deckungsbeitrag und Vollkosten regelmäßig aktualisieren
□ QS-Anforderungen lückenlos dokumentieren
□ Bestandstierarzt in regelmäßige Tiergesundheitsplanung einbinden
FAQ: Häufige Fragen zur Schweinemast
Informationen zum Thema "Schweinehaltung"
* Haftungsausschluss: Die in diesem Text aufgeführten Informationen und Angaben dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Orientierung im Rahmen der Fütterung von Mastschweinen. Sie basieren auf üblichen Richtwerten aus Fachliteratur und Praxis, stellen jedoch keine individuelle Fütterungsberatung dar. Die tatsächlichen Anforderungen von Mastschweinen können je nach Rasse, Leistung, Gesundheitszustand, Futteraufnahme, Haltungsform und betrieblichen Gegebenheiten erheblich variieren. Für die Umsetzung in der Praxis wird dringend empfohlen, eine standortbezogene Rationsberechnung sowie eine betriebsindividuelle Beratung durch qualifizierte Fachleute (z. B. Tierernährungsberater oder Tierarzt) in Anspruch zu nehmen. Es wird keine Haftung für Schäden oder wirtschaftliche Nachteile übernommen, die direkt oder indirekt aus der Anwendung der dargestellten Informationen entstehen. Stand: April 2026.
