Gerste anbauen in Deutschland: Alle Informationen für Landwirte und Betriebe

Gerste zählt zu einer der wichtigsten Getreidearten in Deutschland. Über 60 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe bauen Gerste an. Futtergerste für den eigenen Stall, Braugerste für die Mälzerei oder als Teil einer weiten Fruchtfolge: Gerste ist aus dem deutschen Ackerbau kaum wegzudenken.

Wer Gerste erfolgreich anbauen will, muss dabei mehrere Entscheidungen richtig treffen: die passende Sorte für Standort und Vermarktungsziel, den richtigen Aussaatzeitpunkt, eine bedarfsgerechte Düngung, ein wirksames Krankheitsmanagement und schließlich den optimalen Erntezeitpunkt. Jede dieser Entscheidungen hängt von den anderen ab, ein Fehler kann das gesamte Ergebnis negativ beeinflussen.

Diese Seite gibt Ihnen einen Überblick über den gesamten Gerstenanbau in Deutschland und führt Sie zu unseren spezialisierten Ratgebern, in denen wir die einzelnen Themen im Detail behandeln.

Besonderheiten der Gerste & beim Gerstenanbau

Gerste unterscheidet sich in mehreren Punkten deutlich von den anderen heimischen Getreidearten. Am Halm lässt sie sich schon vor dem Ährenschieben zuverlässig erkennen: Ihre Blattöhrchen umschließen den Halm vollständig und überkreuzen sich, ein Merkmal, das sich Landwirte mit dem Merksatz „Gerste greift, Weizen wimpert, Roggen reicht nicht und Hafer hat keins“ einprägen. Später an der Ähre fallen die namensgebenden Grannen auf, mit bis zu 15 Zentimetern die längsten aller Getreidearten.

Eine Besonderheit der Gerste ist, dass sie sich gleich in zwei Richtungen unterscheiden lässt:

  • botanisch in zwei- und mehrzeilige Formen
  • nach Anbauform in Winter- und Sommergerste

Aus dieser Kombination ergibt sich, ob ein Bestand als Brau- oder als Futtergerste taugt. Hinzu kommt, dass Gerste vergleichsweise geringe Ansprüche an den Boden stellt und sich auch auf Standorten anbauen lässt, die für andere Getreidearten weniger geeignet sind.

Eine weitere Besonderheit der Gerste ist ihre sehr frühe Reife: Wintergerste ist meist die erste Getreideart, die im Jahr gedroschen wird, häufig schon Ende Juni. Das kurze Zeitfenster zwischen den einzelnen Entwicklungsstadien macht eine genaue Beobachtung des Bestandes über die gesamte Saison hinweg besonders wichtig.

Unsere Services für den Gerstenanbau

Unsere spezialisierten Pflanzenbauberater stehen Ihnen mit fundiertem Fachwissen und praxisorientierter Erfahrung im Bereich Gerstenanbau zur Seite. Gemeinsam mit Ihnen erarbeiten wir passgenaue Konzepte, von vorbeugenden ackerbaulichen Maßnahmen über die passende Auswahl robuster Gerstensorten bis hin zum gezielten Fungizideinsatz zum optimalen Zeitpunkt. Sie erreichen uns bequem per E-Mail oder Kontaktformular oder sprechen uns persönlich an einem unserer BayWa-Standorte an. Zusätzlich unterstützen wir Sie bei Themen wie Düngungsstrategie, Bestandesführung und der Vermarktung Ihrer Ernte. Wir freuen uns darauf, Sie individuell zu begleiten.

Markus Steinheber
Markus Steinheber
Experte für Pflanzenbauberatung

Gerste: Steckbrief für die Landwirtschaft

MerkmalWissenschaftlicher Name
AngabeHordeum vulgare
MerkmalPflanzenfamilie
AngabeSüßgräser (Poaceae)
MerkmalWuchshöhe
Angabe0,7 bis 1,2 m
MerkmalAnbauform
AngabeWintergerste und Sommergerste
MerkmalBodenanspruch
Angabegenügsamer als Weizen, auch auf leichteren Böden und bei kürzerer Vegetationszeit möglich
MerkmalWinterhärte
AngabeWintergerste friert bereits ab etwa -10 bis -12 °C ohne Schnee, (Weizen und Roggen halten im Vergleich -15 bis -18 °C aus)
MerkmalHauptverwendung
AngabeFuttergerste, Braugerste (Malz), Grütze/Graupen

 

Gerste im Vergleich zu Hafer, Weizen (Dinkel) & Roggen

MerkmalWuchshöhe
Gerste0,7 bis 1,2 m
Weizen (inkl. Dinkel)ca. 0,5 bis 1 m
Roggenbis zu 2 m
Hafer0,5 bis 1,5 m
MerkmalKennzeichen
Gerstelange Grannen (bis 15 cm), Blattöhrchen umschließen Halm vollständig
Weizen (inkl. Dinkel)Ähre gedrungen, meist ohne Grannen
RoggenÄhre schlank, Grannen mittellang
Haferkeine Ähre, sondern Rispe
MerkmalWinterhärte
Gerstemäßig, Wintergerste frostempfindlicher als Weizen/Roggen
Weizen (inkl. Dinkel)winterhart
Roggensehr winterhart (bis -25 °C)
Haferüberwiegend als Sommerung angebaut
MerkmalAnbaufläche Deutschland 2025
Gerste1,5 Mio. ha
Weizen (inkl. Dinkel)2,9 Mio. ha Winterweizen
Roggen539.300 ha inkl. Wintermenggetreide
Hafer187.000 ha
MerkmalHauptverwendung
GersteFutter, Malz/Bier, Grütze/Graupen
Weizen (inkl. Dinkel)Brotgetreide, Backwaren
RoggenBrotgetreide, Spirituosen
HaferFlocken, Müsli, Futter

 

Gerstenanbau in Deutschland: Bedeutung & Geschichte

Als eines der ältesten Getreide der Welt wird Gerste bereits seit Jahrtausenden angebaut: Domestiziert wurde die Pflanze vor rund 10.000 Jahren im Fruchtbaren Halbmond, dem Gebiet des heutigen Vorderen Orients. Von dort verbreitete sich der Anbau in den folgenden Jahrtausenden nach Europa. In Mitteleuropa lässt sich Gerste bereits für die frühe Jungsteinzeit nachweisen, in Norddeutschland ab etwa 4.000 bis 2.800 vor Christus im Rahmen der Trichterbecherkultur.

Besondere Bedeutung erlangte Gerste durch das Bierbrauen. Das bayerische Reinheitsgebot von 1516 erlaubte für untergäriges Bier ausschließlich Gerste, Hopfen und Wasser als Zutaten und gilt bis heute als eine der ältesten Lebensmittelvorschriften der Welt. Diese enge Verbindung zwischen Gerste und Bier besteht bis in die Gegenwart: Während Wintergerste in Deutschland heute überwiegend als Tierfutter dient, wird ein großer Teil der Sommergerste weiterhin zu Malz für die Braubranche verarbeitet.

Wirtschaftlich ist Gerste heute die zweitwichtigste Getreideart Deutschlands. 2025 wurden auf rund 1,5 Millionen Hektar etwa 11,3 Millionen Tonnen geerntet. Neben der Verwendung als Futter- und Braugetreide gewinnt Gerste auch als Bestandteil weiter Fruchtfolgen an Bedeutung, da sie durch ihre vergleichsweise kurze Vegetationszeit und ihre Genügsamkeit gut in viele Anbausysteme passt.

Gerste anbauen: verschiedene Sorten im Vergleich

Die Wahl der richtigen Gerstensorte entscheidet über Ertrag, Kornqualität und Vermarktungsfähigkeit der Ernte. Grundlegend ist zunächst die Unterscheidung zwischen

  • zweizeiliger Gerste, die durch ihren niedrigeren Proteingehalt vor allem als Braugerste gefragt ist
  • mehrzeiliger Gerste, die mit höherem Eiweißgehalt überwiegend als Futtergerste angebaut wird.

Hinzu kommt die Wahl zwischen Winter- und Sommergerste.

  • Wintergerste wird im Frühherbst gesät, braucht eine Kälteperiode zur Vernalisation und liefert höhere Erträge mit größerem Proteinanteil.
  • Sommergerste wird erst im Frühjahr gesät, reift in weniger als 100 Tagen und liefert die klassische Braugerste.

Welche Sorte am Ende zum eigenen Betrieb passt, hängt außerdem von Krankheitsresistenzen, Boden, Klima und Fruchtfolge ab. Alle Auswahlkriterien im Detail finden Sie im Ratgeber zu Gerstensorten.

Die Entwicklung der Gerste im Saisonverlauf

Gerste zählt zu den Getreidearten mit dem klarsten Entwicklungsverlauf, den die BBCH-Skala einheitlich von der Keimung bis zur Reife beschreibt. Wer das jeweils aktuelle Stadium sicher erkennt, kann Düngung, Pflanzenschutz und Wachstumsreglereinsatz gezielt auf den Bestand abstimmen. Eine Besonderheit der Gerste ist dabei ihre sehr frühe Reife: Wintergerste ist meist die erste Getreideart, die im Jahr gedroschen wird, häufig schon Ende Juni. Alle Entwicklungsstadien mit ihren Erkennungsmerkmalen und den jeweils passenden Maßnahmen erklärt der Ratgeber zu den BBCH-Stadien der Gerste.

Der richtige Zeitpunkt: Aussaat von Gerste

Die Aussaat legt den Grundstein für den Ertrag der gesamten Saison.

  • Wintergerste wird meist zwischen Mitte September und Anfang bis Mitte Oktober gesät.
  • Sommergerste folgt von Ende Februar bis Ende März, in Höhenlagen auch bis Anfang April.

Saatstärke und Saattiefe müssen dabei auf Anbauform, Standort und Aussaatzeitpunkt abgestimmt werden, Fehler an dieser Stelle lassen sich später kaum noch korrigieren. Auch eine sorgfältige Bearbeitung des Bodens vor der Saat ist entscheidend, damit ein feinkrümeliges Saatbett für einen gleichmäßigen Feldaufgang entsteht. Alle Praxiswerte zu Saatzeitpunkt, Saatstärke und Saattiefe für Winter- und Sommergerste finden Sie im Ratgeber zur Aussaat von Gerste.

Krankheiten der Gerste vorbeugen, erkennen und bekämpfen

Krankheiten gehören zu den größten Risikofaktoren im Gerstenanbau. Besonders zwei pilzliche Blattkrankheiten stechen dabei wirtschaftlich hervor:

  • Netzflecken, verursacht durch Pyrenophora teres, mit durchschnittlichen Ertragseinbußen von bis zu 40 Prozent in Einzeljahren
  • Ramularia, die vielerorts als die wirtschaftlich bedeutendste Krankheit im deutschen Gerstenanbau gilt und über weite Strecken der Vegetationszeit unsichtbar im Blattgewebe wächst, bevor sie plötzlich ausbricht.

Daneben spielen je nach Witterung und Standort auch Rhynchosporium, Zwergrost, Echter Mehltau sowie saatgutübertragene Krankheiten wie Flugbrand eine Rolle. Wie Sie die einzelnen Krankheiten sicher unterscheiden, erkennen und bekämpfen, lesen Sie im Ratgeber zu Krankheiten in Gerste.

Gerste richtig düngen

Gerste muss gedüngt werden, um wirtschaftlich zu arbeiten. Dabei sind mehrere Entscheidungen zu treffen: Wie hoch ist der Stickstoffbedarf, wann erfolgen die einzelnen Gaben und welche Rolle spielen Phosphor, Kalium, Mangan, Magnesium und Schwefel? Grundlage jeder Düngestrategie ist eine aktuelle Bodenuntersuchung, die zeigt, welche Nährstoffe der Boden bereits liefert und wo gezielt nachgedüngt werden muss. Die Antworten bestimmen nicht nur den Ertrag, sondern entscheiden bei Braugerste auch über die Vermarktungsfähigkeit der Ernte, da der Proteingehalt im Korn direkt von der Stickstoffversorgung abhängt. Einen praxisnahen Überblick über Düngebedarf, Nährstoffversorgung, Gabenaufteilung und die rechtlichen Rahmenbedingungen der Düngeverordnung finden Sie im Ratgeber zur Düngung von Gerste.

Was gibt es bei der Ernte von Gerste zu berücksichtigen?

Gerste ist die erste Getreideart, die im Jahr geerntet wird. Wer den richtigen Erntezeitpunkt verpasst, riskiert Ertragsverluste, Qualitätseinbußen und Probleme bei der Vermarktung, insbesondere wenn die Ernte als Braugerste vorgesehen ist. Woran Sie erntereife Gerste erkennen, wie Sie den Mähdrescher richtig einstellen, welche Erträge realistisch sind und worauf Sie bei Lagerung und Vermarktung achten sollten, erklärt der Ratgeber zur Ernte von Gerste.

Fazit: Gerstenanbau als Zusammenspiel vieler Entscheidungen

Sortenwahl, Aussaat, Düngung, Krankheitsmanagement und Ernte: Erfolgreicher Gerstenanbau entsteht nicht durch eine einzelne richtige Maßnahme, sondern durch das Zusammenspiel vieler Entscheidungen über die gesamte Saison hinweg. Genau hier setzen wir von der BayWa an.

Mit unseren spezialisierten Ratgebern begleiten wir Sie durch jede einzelne dieser Entscheidungen. Darüber hinaus stehen Ihnen unsere Pflanzenbauberater persönlich zur Seite, wenn es um die konkrete Umsetzung in Ihrem Betrieb geht. Von der passgenauen Sortenempfehlung über die Analyse des Bodens bis zur Vermarktung Ihrer Ernte verbinden wir als langjähriger Partner der Landwirtschaft fundiertes Fachwissen mit praxisnaher Beratung und einem breiten Angebot an Saatgut, Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln, damit Sie für jede Phase des Gerstenanbaus gut aufgestellt sind.

Markus Steinheber
Markus Steinheber
Experte für Pflanzenbauberatung