Ferkelaufzucht

Fütterung, Haltung & Management von der Geburt bis zum Jungschwein

Die Ferkelaufzucht gilt als eines der anspruchsvollsten Verfahren in der Schweinehaltung und ist gleichzeitig das Fundament für leistungsfähige Jungsauen und Mastschweine. Wer hier die Weichen richtig stellt, profitiert über die gesamte Produktionskette, von besseren Tageszunahmen über eine günstigere Futterverwertung bis hin zu geringeren Tierarztkosten in der Schweinemast. Gleichzeitig steigen die Anforderungen. Die Wurfgrößen nehmen seit Jahren zu, was mehr untergewichtige und weniger vitale Ferkel je Wurf bedeutet. Hinzu kommen verschärfte gesetzliche Vorgaben durch die novellierte Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV ↗ ) und wachsende gesellschaftliche Erwartungen an das Tierwohl.

In diesem Ratgeber geben wir Ihnen einen Überblick über alle relevanten Bereiche der Ferkelaufzucht: Hierzu zählen die Geburt und Erstversorgung, die Fütterung der Saugferkel und Aufzuchtferkel sowie der Schweinestallbau, das Gesundheitsmanagement und die Wirtschaftlichkeit.

Inhaltsverzeichnis

Unser Service für Sie rund um das Thema Ferkelaufzucht

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Geburt & Erstversorgung der Ferkel

Eine erfolgreiche Ferkelaufzucht beginnt ganz am Anfang, also im Abferkelstall. In den ersten Lebensstunden entscheidet sich, ob ein Ferkel vital und widerstandsfähig in die Aufzuchtphase startet oder ob es zu den Saugferkelverlusten zählt, die in vielen Betrieben zwischen 12 und 15 Prozent liegen.

Geburtsgewicht als Schlüsselgröße

Das Ferkel-Geburtsgewicht hat einen besonders hohen Aussagewert über den späteren Aufzucht-Erfolg. Ferkel mit einem Geburtsgewicht unter einem Kilo haben ein deutlich höheres Risiko, die erste Lebenswoche nicht zu überleben. Im Optimalfall hat ein Wurf 1,3 bis 1,5 Kilogramm je Ferkel. Betriebe mit sehr großen Würfen (über 16 Ferkel) verzeichnen häufig eine größere Spreizung innerhalb des Wurfes, was das Management erschwert.

Erstversorgung: die ersten sechs Stunden

Unmittelbar nach der Geburt steht die Kolostrumversorgung an erster Stelle. Jedes Ferkel sollte in den ersten sechs Lebensstunden mindestens 200 ml Kolostrum (nährstoffreiche Erstmilch) aufnehmen. Das Kolostrum liefert nicht nur Energie und Nährstoffe, sondern vor allem maternale Antikörper (Immunglobuline), die für den passiven Immunschutz des Ferkels unverzichtbar sind.

Weitere Maßnahmen der Erstversorgung:

  • Nabeldesinfektion mit Jod- oder Chlorhexidinlösung zur Vermeidung von Nabelinfektionen
  • Abtrocknen und Platzieren der Ferkel im vorgewärmten Ferkelnest (Zieltemperatur: 32 bis 34 °C)
  • Eisengabe per Injektion am 2. bis 3. Lebenstag (200 mg Eisen-Dextran), da die Eisenreserven im Ferkel nur für wenige Tage reichen
  • Zitzentraining bei großen Würfen: Durch Split-Suckling erhalten auch kleinere Ferkel Zugang zum Gesäuge.

Muttersau mit Ferkel: das Management großer Würfe

Bei modernen Zuchtschweinen mit 15 und mehr lebend geborenen Ferkeln reichen die funktionsfähigen Zitzen der Muttersau häufig nicht aus. Hier kommen Ferkelammen (Ammensauen) oder technische Lösungen wie automatische Milchaustauscher-Systeme zum Einsatz. Bei der Verwendung von Ammensauen ist darauf zu achten, dass die aufnehmende Sau in einem passenden Laktationsstadium ist und die Ferkel möglichst gleichmäßig groß sind.

Checkliste Erstversorgung Ferkel

  • Abferkelbucht gereinigt und desinfiziert
  • Ferkelnest auf 32 bis 34 °C vorgeheizt
  • Kolostrum-Aufnahme innerhalb von 6 Stunden sicherstellen
  • Nabeldesinfektion durchführen
  • Eiseninjektion am 2. bis 3. Lebenstag
  • Split-Suckling bei Würfen >14 Ferkel planen
  • schwache Ferkel ggf. an Ammensau umsetzen
Muttersau mit Ferkeln

Fütterung der Saugferkel: Milch & Beifutter

Auch für die Ferkel gilt: Du bist, was du isst. Die Fütterung der Saugferkel legt den Grundstein für eine möglichst problemlose Absetzphase. In den ersten Lebenstagen deckt die Sauenmilch den gesamten Nährstoffbedarf. Ab der zweiten bis dritten Lebenswoche reicht die Milchleistung der Sau jedoch nicht mehr aus, um das volle Wachstumspotenzial der Ferkel auszuschöpfen. Hier kommt die Beifütterung ins Spiel.

Ferkelmilch & Milchaustauscher

Wenn die Milchleistung der Sau nicht ausreicht oder Ferkel von Hand aufgezogen werden müssen, kommen Ferkelmilch-Produkte (Milchaustauscher) zum Einsatz. Diese Ferkel-Aufzuchtmilch ist speziell auf die Verdauung junger Ferkel abgestimmt und enthält hochverdauliche Milchproteine, Laktose und essenzielle Fettsäuren sowie bereits geringe Anteile hochverdaulicher pflanzlicher Rohstoffe für ein optimales Enzymtraining. Blutplasma dient zur Förderung der Futteraufnahme.

Immer wieder erreichen uns Betriebe mit der Frage, ob man Ferkelmilch selber machen kann. Grundsätzlich ist das möglich, etwa auf Basis von Kuhmilch mit Zusätzen. In der Praxis birgt dies jedoch erhebliche Risiken:

  • Hygienemängel bei der Zubereitung und Lagerung
  • Nährstoffimbalancen, insbesondere beim Aminosäuren- und Fettsäureprofil
  • Durchfallprobleme durch ungeeignete Inhaltsstoffe

Empfehlenswerter ist es daher, professionell formulierte Ferkelmilch zu kaufen, die eine konstante Qualität und optimale Nährstoffzusammensetzung gewährleistet. Auch als Ferkelmilch-Ersatz bei Ausfall der Sau sind diese Produkte deutlich sicherer als Eigenmischungen.

Prestarter & Ferkelstarter

Ab dem 5. bis 7. Lebenstag sollte den Saugferkeln ein sogenannter Ferkel-Prestarter oder Ferkelstarter angeboten werden. Ziel ist nicht primär die Nährstoffversorgung, sondern die Anregung der Darmzottenentwicklung und die Gewöhnung an feste Nahrung.

Typische Merkmale eines guten Prestarters:

  • hochverdauliche Komponenten: aufgeschlossenes Getreide, Molkenpulver, Sojaproteinkonzentrat
  • Schmackhaftigkeit: süße und milchige Aromen erhöhen die Akzeptanz
  • Pelletgröße: klein (2 bis 3 mm) oder als Krümel, damit die Ferkel sie leicht aufnehmen können. Die spezielle Micrumstruktur sorgt bei Flüssigfütterung für eine homogene Futtersuppe, sodass jedes Ferkel optimal versorgt wird.
  • ME-Gehalt (nutzbare Energie pro Kilogramm im Futter): ca. 14,0 bis 15,5 MJ/kg

Die Beifütterung sollte zunächst in kleinen Mengen erfolgen. Sie wird mehrmals täglich frisch vorgelegt, um die Futteraufnahme zu fördern und Futterverschwendung zu vermeiden. Flüssigfütterungssysteme wirken sich häufig positiv auf die Futteraufnahme und -akzeptanz aus.

Futterphasen bei Saugferkeln

Phase Alter (Lebenstag) Produkt ME (MJ/kg) Rohprotein (%) Einsatzmenge
Phase 0 5 bis 14 Prestarter 14,0 bis 15,5 19 bis 21 Kleinstmengen, frisch vorlegen
Phase 1 14 bis 28 Starter 1 14 bis 15 18 bis 20 100 bis 250 g/Ferkel/Tag
Sauenmilch 1 bis 28 natürliche Sauenmilch  - - ad libitum am Gesäuge
Ferkel auf Spaltenboden

Ferkelfütterung nach dem Absetzen

Das Absetzen ist der kritischste Moment in der gesamten Ferkelaufzucht. Innerhalb weniger Stunden verlieren die Ferkel ihre vertraute Umgebung, die Muttersau und die gewohnte Milchnahrung. Gleichzeitig müssen sie sich in neuen Gruppen zurechtfinden und ihre Energie ausschließlich aus festem Futter gewinnen. Dieser Stress führt häufig zu einem drastischen Einbruch der Futteraufnahme in den ersten 24 bis 48 Stunden nach dem Absetzen.

Absetzalter & Absetzgewicht

In konventionellen Betrieben werden Ferkel in der Regel im Alter von 21 bis 28 Tagen abgesetzt, bei einem Gewicht von etwa 6 bis 8 kg. In der ökologischen Schweinehaltung beträgt die Mindestsäugezeit 40 Tage. Grundsätzlich gilt: Je schwerer und älter die Ferkel beim Absetzen sind, desto besser kommen sie mit dem Futterwechsel zurecht.

Phasenfütterung im Ferkelaufzuchtstall

Die Ferkelfütterung nach dem Absetzen folgt idealerweise einer Phasenfütterung, die sich an der Entwicklung des Verdauungstrakts orientiert:

  Phase 1 Phase 2 Phase 3
Zeitraum Tag 1 bis 14 nach Absetzen Tag 15 bis 35 nach Absetzen ab Tag 36 bis Ende der Aufzucht
Futtertyp hochverdauliches Ferkelaufzuchtfutter mit Milchprodukt-Anteil Übergang zu pflanzenbetontem Futter Standard-Aufzuchtfutter
ME-Gehalt 13,5 bis 14,5 MJ/kg 13,0 bis 13,8 MJ/kg 12,8 bis 13,2 MJ/kg
Rohprotein 18 bis 19 % 17 bis 18 % 16 bis 17 %
Lysin 1,3 bis 1,4 % 1,2 bis 1,3 % 1,2 %
Futteraufnahme 150 bis 350 g/Tag 400 bis 700 g/Tag 800 bis 1200 g/Tag
Fütterungshinweis ad libitum, mehrmals täglich frisch vorlegen - -

Futterverwertung & Futterkurve

Die Futterverwertung in der Ferkelaufzucht liegt im Durchschnitt bei 1,7 bis 2,0 kg Futter je kg Zuwachs. Überdurchschnittliche Betriebe erreichen Werte von 1,5 bis 1,7, wobei Faktoren wie Futterqualität, Gesundheitsstatus, Stallklima und Absetzmanagement entscheidend sind. Ausschlaggebend ist, dass die Ferkel möglichst früh nach dem Absetzen wieder ausreichend Futter aufnehmen. Jeder Tag mit geringer Futteraufnahme kostet Tageszunahmen und verschlechtert die Futterverwertung.

Die Futterkurve zeigt typischerweise einen Einbruch in den ersten zwei bis drei Tagen nach dem Absetzen, gefolgt von einem steilen Anstieg. Ab der dritten Woche nach dem Absetzen pendelt sich die Futteraufnahme auf einem stabilen Niveau ein.

Wasserversorgung & Ferkeltränke

Wasser ist ein viel zu oft unterschätzter Faktor in der Ferkelaufzucht. Eine unzureichende Wasserversorgung limitiert die Futteraufnahme direkt. Pro Ferkeltränke sollten maximal zehn bis zwölf Ferkel eingeplant werden. Schalentränken haben sich gegenüber Nippeltränken als vorteilhaft erwiesen, da sie eine intuitive Wasseraufnahme ermöglichen, insbesondere in den ersten Tagen nach dem Absetzen.

Empfohlene Durchflussraten:

  • Ferkel bis 15 kg: mindestens 0,5 l/min
  • Ferkel ab 15 kg: mindestens 0,7 l/min

Wie muss das Wasser beschaffen sein? Das Wasser sollte keimarm, nitratarm und temperiert (16 bis 20 °C) sein, weil zu kaltes oder hygienisch belastetes Wasser die Wasseraufnahme hemmt und zudem das Risiko von Durchfallerkrankungen erhöht.

Am Ende der Aufzucht mit ca. acht Wochen sollten die Ferkel ein Lebendgewicht von 25 bis 30 kg erreichen. Die gesamte Ferkelaufzucht-Dauer von der Geburt über die Säugephase bis zum Ende der Aufzucht beträgt damit rund zehn bis elf Wochen.

Ferkel und Muttersau im Stall

Ferkelstall: Stallbau, Ausstattung & Platzbedarf

Der Ferkelaufzuchtstall muss den besonderen Bedürfnissen frisch abgesetzter Ferkel gerecht werden:

  • hoher Wärmebedarf
  • Schutz vor Zugluft
  • trockene Liegeflächen
  • eine klare Funktionsgliederung der Bucht

Fehler im Stallbau und in der Ausstattung wirken sich sofort auf Tiergesundheit, Leistung und Arbeitsaufwand aus.

Platzbedarf in der Ferkelaufzucht

Die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung schreibt folgende Mindestflächen je Ferkel vor. Bei der Berechnung der Besatzdichte ist zu beachten, dass die novellierte TierSchNutztV bei der Fütterung nur noch zwischen restriktiver Fütterung (Tier-Fressplatz-Verhältnis 1:1) und Ad-libitum-Fütterung (Tier-Fressplatz-Verhältnis 4:1) unterscheidet.

Gewichtsklasse TierSchNutztV (Minimum) Initiative Tierwohl Premiumstufe Tierschutzlabel Bio (EU-Öko-VO)
bis 10 kg 0,20 m² 0,25 m² 0,30 m² 0,40 m² (+ Auslauf)
10 bis 20 kg 0,25 m² 0,30 m² 0,40 m² 0,40 m² (+ Auslauf)
20 bis 30 kg 0,35 m² 0,40 m² 0,50 m² 0,60 m² (+ Auslauf)

Quellen: TierSchNutztV; LAVES Niedersachsen Tierschutzlabel Richtlinie Premiumstufe

Buchtenstrukturierung

Für das Funktionieren des gesamten Haltungssystems ist eine durchdachte Buchtenstrukturierung von grundlegender Bedeutung. Als Mindestgröße für eine funktionierende Buchtenstruktur empfehlen Experten in der Ferkelaufzucht etwa 15 Quadratmeter pro Bucht. Die AG Buchtenstrukturierung empfiehlt planbefestigte, leicht eingestreute Liegeflächen mit leichtem Gefälle und Spalten im Kotbereich. Jede Bucht sollte klar definierte Bereiche aufweisen:

  • Liegebereich: planbefestigt, eingestreut oder mit Heizplatte, leichtes Gefälle (3 bis 4 Prozent), zugluftfrei
  • Fressbereich: Langtrog oder Breittrog mit einem Tier-Fressplatz-Verhältnis von idealerweise 1:1 zu Beginn der Aufzucht
  • Aktivitätsbereich: mit Beschäftigungsmaterial (organisch, veränderbar)
  • Kotbereich: Spalten- oder Teilspaltenboden zur einfachen Entmistung

Heizung & Klimaführung im Ferkelstall

Frisch abgesetzte Ferkel sollten eine thermoneutrale Zone von 28 bis 30 °C haben. Bei niedrigeren Temperaturen steigt der Energiebedarf für die Thermoregulation. Das ist Energie, die in der Folge für das Wachstum fehlt. Die Ferkelheizung ist daher ein zentraler Investitionsbereich.

Gängige Systeme für Heizplatten in der Ferkelaufzucht:

System Vorteile Nachteile
Warmwasser-Fußbodenheizung gleichmäßige Wärmeverteilung, energieeffizient hohe Investitionskosten, geringe Flexibilität
elektrische Heizplatten flexibel nachrüstbar, individuell regelbar höhere Betriebskosten, punktuelle Wärme
Infrarotstrahler (Dunkelstrahler) günstig in der Anschaffung, einfach zu installieren hoher Energieverbrauch, Brandgefahr bei Einstreu
Warmluft-Deltaröhren gute Zonenheizung möglich Zugluftrisiko bei falscher Einstellung

Empfohlene Temperaturführung:

  • Einstallung (Tag 1): 28 bis 30 °C
  • Woche 2 bis 3: 26 bis 28 °C
  • Woche 4 bis 5: 24 bis 26 °C
  • Ende der Aufzucht: 22 bis 24 °C

Die Absenkung sollte schrittweise um ca. 2 °C pro Woche erfolgen. Gleichzeitig muss die Lüftung so eingestellt sein, dass Schadgase (NH₃ < 20 ppm, CO₂ < 3 000 ppm) abgeführt werden, ohne Zugluft im Liegebereich zu erzeugen.

Gülleanfall in der Ferkelaufzucht

Für die Nährstoffbilanz und Lagerkapazität ist der Gülleanfall ein relevanter Planungsfaktor. Pro Aufzuchtferkel und Durchgang (ca. sechs Wochen) ist mit einem Gülleanfall von rund 50 bis 70 Litern zu rechnen. Bei der Berechnung der Lagerkapazität sollte ein Sicherheitszuschlag von mindestens zehn Prozent eingeplant werden.

saugendes Ferkel

Ferkelkrankheiten & Gesundheitsmanagement

Die Gesundheit der Ferkel ist der wichtigste Einzelfaktor für den wirtschaftlichen Erfolg der Aufzucht. Krankheitsbedingte Verluste, Behandlungskosten und verminderte Leistungen belasten den Deckungsbeitrag erheblich. Ein konsequentes Gesundheitsmanagement beginnt bereits vor der Geburt und setzt sich über die gesamte Aufzuchtdauer fort.

Häufige Ferkelkrankheiten

Erkrankung Erreger Symptome Typisches Alter
Saugferkeldurchfall E. coli, Clostridien, Rotaviren wässriger Durchfall, Austrocknung 1. bis 7. Lebenstag
Kokzidiose Isospora suis pastöser, gelblicher Durchfall 7. bis 14. Lebenstag
Ferkelruß (Epidermitis) Staphylococcus hyicus dunkle Hautkrusten, Abmagerung 5. bis 35. Lebenstag
Streptokokken-Meningitis Streptococcus suis Fieber, Koordinationsstörungen, Festliegen um das Absetzen
Ödemkrankheit E. coli (Shigatoxin) Lidödeme, plötzliche Todesfälle 1. bis 2. Woche nach Absetzen
Atemwegs-Erkrankungen Mykoplasmen, PCV2, PRRS-Virus Husten, Kümmern, verminderte Zunahmen ab 4. bis 6. Lebenswoche

Impfprogramme

Ein betriebsspezifisches Impfprogramm, abgestimmt mit dem Hoftierarzt, ist die wirksamste Präventionsmaßnahme gegen Schweinekrankheiten . Gängige Impfungen in der Ferkelaufzucht:

  • Mycoplasma hyopneumoniae: Einmalimpfung ab dem 14. bis 21. Lebenstag oder Zweispritz-Verfahren
  • PCV2 (Circovirus): Impfung ab dem 21. Lebenstag
  • Lawsonia intracellularis (Ileitis): Oralimpfung ab dem 21. Lebenstag
  • bestandsspezifische Vakzinen: bei wiederkehrenden E.-coli- oder Streptokokken-Problemen

Praxis-Tipp: Legen Sie gemeinsam mit Ihrem Hoftierarzt einen betriebsspezifischen Impf- und Behandlungsplan fest. Dokumentieren Sie konsequent Verlustursachen, denn nur so lassen sich Schwachstellen identifizieren und gezielt beheben.

Hygiene & Rein-Raus-Verfahren

Das konsequente Rein-Raus-Verfahren mit abteilweiser Belegung ist der Goldstandard in der Ferkelaufzucht. Zwischen den Durchgängen muss jedes Abteil vollständig geräumt, gereinigt, desinfiziert und getrocknet werden. Die empfohlene Leerstandzeit beträgt mindestens fünf bis sieben Tage.

Ferkel-Handaufzucht

In Ausnahmefällen wie dem Tod der Sau oder bei extrem großen Würfen ist eine Ferkel-Handaufzucht nötig. Diese stellt besondere Anforderungen:

  • Kolostrumversorgung sicherstellen (z. B. Kolostrum anderer Sauen einfrieren)
  • Fütterung mit Ferkelmilch-Austauscher alle zwei bis drei Stunden in den ersten Tagen
  • stabile Wärmequelle (Ferkelnest mit Heizplatte, mind. 32 °C)
  • intensives Monitoring von Gewichtsentwicklung und Kotbeschaffenheit

Die Handaufzucht ist nicht nur sehr mühsam, die Verlustrate liegt zudem in der Regel höher als bei der natürlichen Aufzucht. Dennoch kann eine gut organisierte Handaufzucht wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn dadurch besonders wertvolle Ferkel erhalten werden können, etwa zukünftige Zuchtschweine.

Ferkeltransport

Beim Ferkeltransport vom Ferkelerzeuger zum Aufzucht- oder Mastbetrieb gelten strenge Vorgaben. Beim Ferkeltransport gelten die …

  • EU-Verordnung (EG) Nr. 1/2005 sowie
  • nationale Tierschutztransportverordnung (TierSchTrV)

Ferkel dürfen nicht transportiert werden, solange der Nabel nicht vollständig verheilt ist. Darüber hinaus müssen die Tiere transportfähig sein. Kranke, verletzte oder geschwächte Ferkel sind vom Transport ausgeschlossen. Die Transportdauer sollte so kurz wie möglich gehalten werden. Wichtig sind:

  • ausreichend Einstreu und Platz auf dem Transporter
  • Vermeidung von Mischungen unbekannter Gruppen
  • Temperaturkontrolle (keine Überhitzung, kein Auskühlen)
Ferkel saugen an ihrer Mutter im Stall

Tierwohl in der Ferkelaufzucht

Die gesellschaftlichen Erwartungen an die Ferkelhaltung verändern sich schneller, als man einen neuen Ferkelstall bauen kann. Mehr Platz, Beschäftigungsmaterial, Auslauf und der Verzicht auf routinemäßige Eingriffe wie das Schwanzkupieren rücken in den Fokus. Für Schweinemast-Betriebe bedeutet das: investieren, umbauen und Arbeitsabläufe anpassen, trotz noch unsicherer Refinanzierung.

Gesetzliche Rahmenbedingungen

Die novellierte TierSchNutztV enthält verschärfte Mindestanforderungen für die Ferkelaufzucht, unter anderem:

  • erhöhte Platzanforderungen
  • verpflichtendes organisches und veränderbares Beschäftigungsmaterial
  • Anpassungen bei Spaltenweiten und Auftrittsbreiten

Mehr als das Minimum

Zahlreiche Tierwohlprogramme wie die Initiative Tierwohl, die Haltungsform-Label Stufe 3 und 4 oder das Tierschutzlabel gehen noch einmal über die gesetzlichen Mindeststandards hinaus. Typische Maßnahmen:

  • mehr Platz je Tier (bis zu 0,50 m² in der Premiumstufe)
  • strukturierte Buchten mit getrennten Funktionsbereichen
  • Raufutterangebot (Heu, Stroh, Luzerne)
  • Auslauf im Außenklimabereich
  • Verzicht auf das Kupieren der Schwänze (Ringelschwanz-Konzept)

Für Jungschweine, die später als Zuchtsauen eingesetzt werden, sind die Aufzuchtbedingungen besonders relevant, denn Stress und Verletzungen in der Aufzucht können sich später negativ auf die Fruchtbarkeit auswirken.

Kosten & Wirtschaftlichkeit der Ferkelaufzucht

Die Ferkelaufzucht-Kosten setzen sich aus mehreren Blöcken zusammen und können je nach Betriebsgröße, Haltungssystem und Region stark abweichen. Ein realistischer Überblick hilft bei der betriebswirtschaftlichen Planung und der Entscheidung für oder gegen Investitionen.

Kostenstruktur

Die variablen Kosten je Aufzuchtferkel liegen in konventionellen Betrieben bei etwa 18 bis 25 Euro und sind stark abhängig von Futter- und Energiepreisen. Die Futterkosten machen dabei rund 60 bis 70 Prozent der variablen Kosten aus.

Position Euro je Ferkel (Richtwert)
Erlöse (Verkauf Aufzuchtferkel, ca. 28 kg) 55 bis 70 €
- Ferkelzukauf (8 kg Absetzferkel) 30 bis 40 €
- Futterkosten 12 bis 16 €
-Tierarzt / Impfungen 1,50 bis 3 €
- Energie / Heizung 1 bis 2,50 €
- Sonstige variable Kosten 1 bis 2 €
= Deckungsbeitrag je Ferkel 8 bis 15 €

Orientierungswerte; tatsächliche Werte abhängig von Marktlage und Betrieb. Quelle: KTBL: Web-Anwendung „BauKost" – Stallmodelle und Investitionsbedarf

Was kostet ein Ferkel zur Aufzucht?

Die Gesamtkosten inklusive Festkosten für Stallplatz, Arbeit und Abschreibung liegen deutlich höher als der reine Deckungsbeitrag vermuten lässt. Um Investitionen tätigen und Festkosten decken zu können, muss ein mittelfristiger Deckungsbeitrag von mindestens 10 bis 15 Euro je Ferkel erzielt werden.

Mehrkosten durch Tierwohlmaßnahmen

Verglichen mit dem Standardstall kostet ein Tierwohlstall in der Ferkelaufzucht bei gleichen Baupreisen rund 5,31 Euro mehr pro Ferkel. Der Arbeitszeitbedarf steigt um etwa 0,37 Arbeitskraftstunden je Tierplatz und Jahr, was nahezu einer Verdoppelung entspricht. Diese Mehrkosten müssen über höhere Ferkelpreise in entsprechenden Vermarktungsprogrammen gedeckt werden.

Strukturwandel & Spezialisierung

Der Strukturwandel in der Ferkelerzeugung schreitet voran. Die Zahl der Ferkelzuchtbetriebe in Deutschland sinkt kontinuierlich, während die verbleibenden Betriebe wachsen. Spezialisierte Aufzuchtbetriebe setzen auf hohe Durchsätze und optimierte Verfahrenstechnik, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Tipp: Nutzen Sie die KTBL-Kalkulationsdaten und die Deckungsbeitragsrechner Ihres Landesbetriebsamts, um Ihre betriebsindividuellen Kosten realistisch zu kalkulieren. Nur wer seine Kosten kennt, kann fundierte Investitionsentscheidungen treffen.

FAQ: Häufige Fragen zur Ferkelaufzucht

  • Die reine Aufzuchtphase nach dem Absetzen dauert etwa 5 bis 7 Wochen. Rechnet man die Saugferkelphase mit ein, beträgt die gesamte Aufzuchtdauer von der Geburt bis zum Einstallen in die Mast rund 10 bis 11 Wochen.

  • Die gesetzlichen Mindestflächen reichen von 0,20 m² (bis 10 kg) bis 0,35 m² (bis 30 kg). Tierwohlprogramme fordern 0,50 m² und mehr.

  • Grundsätzlich ja, allerdings mit erheblichen Risiken hinsichtlich Hygiene und Nährstoffversorgung. Professionelle Milchaustauscher sind deutlich sicherer und in der Zusammensetzung optimiert.

  • Die variablen Kosten liegen bei etwa 18 bis 25 Euro je Ferkel. Inklusive Festkosten und Arbeit sind die Vollkosten deutlich höher.

  • Zu Beginn 28 bis 30 °C, dann schrittweise um ca. 2 °C pro Woche senken auf ca. 22 bis 24 °C am Ende der Aufzucht.

  • Ein hochverdauliches Beifutter, das Saugferkeln vom 5. bis zum 7. Lebenstag angeboten wird. Es bereitet den Darm auf feste Nahrung vor und erleichtert so das spätere Absetzen.

  • Zu den häufigsten Erkrankungen gehören Saugferkeldurchfall (E. coli), Kokzidiose, Streptokokken-Infektionen und Atemwegserkrankungen durch Mykoplasmen oder PCV2.

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