Schweine Fütterung: Grundlagen, Rationsgestaltung & Fütterungstechnik

Die Schweinefütterung ist eine Ihrer ausschlaggebendsten Stellschrauben für Tiergesundheit, Leistung und Wirtschaftlichkeit in der Schweinehaltung. Wenn Sie Futter und Rationen nicht konsequent an den Bedarf Ihrer Tiere anpassen, riskieren Sie nicht nur Leistungseinbußen und Gesundheitsprobleme, sondern auch unnötige Kosten und steigende Nährstoffausscheidungen.

Dieser Ratgeber gibt Ihnen einen praxisnahen Überblick über die Grundlagen der Fütterung von Schweinen, von der Nährstoffversorgung über die Rationsberechnung bis hin zu Fütterungssystemen und tierkategorie-spezifischen Besonderheiten.

Wichtiger Hinweis: Die Fütterung in der Schweinemast – also mastphasenspezifische Rationen, Tageszunahmen und Schlachtgewichtsoptimierung – behandeln wir ausführlich im separaten Ratgeber Schweinemast. Dieser Artikel konzentriert sich auf die allgemeinen Grundlagen der Fütterung von Schweinen, die für alle Betriebszweige gelten.

Inhaltsverzeichnis

Unser Service für Sie rund um das Thema Schweine Fütterung

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Grundlagen der Schweineernährung: Was Schweine wirklich brauchen

Lange wurden Schweine einfach mit dem gefüttert, was herumlag oder übrigblieb, aber das Prinzip „alles kann rein ins Schwein“ ist völlig überholt, auch wenn Nebenprodukte der Lebensmittelverarbeitung weiterhin Teil der Nahrung sind. Nur wer weiß, was ein Schwein tatsächlich benötigt, kann Rationen sinnvoll zusammenstellen und damit unnötige Kosten sowie Umweltbelastungen vermeiden. Eine bedarfsgerechte Fütterung von Schweinen setzt voraus, dass Sie die ernährungsphysiologischen Grundlagen kennen.

a) Energie als zentrale Steuergröße

Die Metabolisierbare Energie (ME) in Megajoule (MJ) ist die wichtigste Bezugsgröße in der Schweinefütterung. Sie bestimmt in Verbindung mit der Futteraufnahme weitgehend die Leistung des Tieres. Alle anderen Futter-Inhaltsstoffe wie Aminosäuren oder Mineralstoffe werden relativ zur Energiedichte der Ration geplant bzw. nach spezifischen Ansprüchen der Tiere oder Vermarktung. Grundlage der Energiebewertung sind die Schätzgleichungen der Gesellschaft für Ernährungsphysiologie (GfE 2006), die den ME-Gehalt aus verdaulichen Nährstoffen berechnen.

b) Aminosäuren statt Rohprotein

Ein häufiges Missverständnis in der Praxis: Schweine haben keinen eigentlichen Rohproteinbedarf. Sie benötigen essentielle Aminosäuren, die ihr Körper nicht selbst herstellen kann. Die wichtigsten davon sind:

  • Lysin (Leit-Aminosäure, alle anderen werden relativ zu Lysin bewertet)
  • Methionin + Cystein (M+C)
  • Threonin
  • Tryptophan

In modernen Fütterungsempfehlungen wird daher zunehmend auf die Angabe von Rohproteingehalten verzichtet und stattdessen auf praecaecal verdauliches Lysin (pcv Lysin) umgestellt, also auf den Anteil, der tatsächlich im Dünndarm aufgenommen wird. Das Verhältnis der Leit-Aminosäuren zueinander ist für alle Tierkategorien definiert (ideales Aminosäuremuster).

Gut zu wissen: Essenzielle Aminosäuren, ideales Verhältnis (Lys = 1)

Lysin : M+C : Threonin : Tryptophan : Valin : Isoleucin : Leucin 1 : 0,55–0,65 : 0,65 : 0,18 : 0,65 : 0,50 : 1,03 (Quelle: LfL Bayern, Futterberechnung für Schweine, 29. Aufl. 2025)

c) Rohfaser: weit mehr als Füllstoff

Rohfaser erfüllt in der Schweinefütterung mehrere Funktionen gleichzeitig: Sie sorgt für Sättigung, reguliert die Darmpassage, fördert eine gesunde Darmflora und trägt maßgeblich zum Tierwohl bei. Faser-Futtermittel unterscheiden sich stark in ihrer Zusammensetzung und physikalischen Wirkung, aber entscheidend sind die Quell- und Wasserbindungskapazität sowie der Anteil löslicher und unlöslicher Faser.

d) Mineralstoffe, Spurenelemente & Vitamine

Calcium (Ca) und Phosphor (P) sind besonders relevant, ihr Verhältnis im Futter sollte je nach Tierkategorie zwischen 2,2:1 und 2,6:1 (Ca:vP) liegen. Verdaulicher Phosphor (vP) ist dabei die präzisere Bezugsgröße, da nicht der gesamte Phosphor im Futter bioverfügbar ist. Natrium (Na), Kalium (K) und Chlor (Cl) beeinflussen die Kationen-Anionen-Bilanz (KAB), die bei Sauen besonders relevant für die Gebärmutter- und Knochengesundheit ist.

e) Wasser: der unterschätzte Nährstoff

Für alle Landlebewesen ist Wasser der wichtigste Nährstoff überhaupt. Eine unzureichende Wasserversorgung durch zu geringen Druck, verschmutzte Tränken oder zu wenig Tränke-Stellen führt bei Schweinen direkt zu Leistungseinbußen und Gesundheitsproblemen. Hier ein paar Orientierungswerte: Ferkel benötigen ca. 1 bis 2 l/Tag, Mastschweine 5 bis 10 l/Tag, säugende Sauen bis zu 30 l/Tag.

Schweinefutter

Futtermittel für Schweine: Überblick & Bewertung

Das Angebot an Schweine-Futtermitteln ist vielfältig. In der Praxis kommen Getreide, Eiweißfutter, Nebenprodukte der Lebensmittelindustrie sowie Mineral- und Ergänzungsfutter zum Einsatz. Diese Futtermittel schauen wir uns hier im Einzelnen an.

1) Getreide & Energieträger

Schweinefutter-Getreide bildet die Basis nahezu jeder Ration. Hier die wichtigsten Energieträger im Überblick:

  • Gerste: Standardgetreide in der Schweinefütterung, gute Faserstruktur, hohe Akzeptanz
  • Weizen: hohe Energiedichte, gut verdaulich, häufig in der Ferkel- und Mastfütterung, Vorsicht Mykotoxinrisiko
  • Roggen: kostengünstig, aber Antifraßnährstoffe (Pentosane) können den Einsatz auf max. 20 bis 30 Prozent der Ration begrenzen; Vorsicht Mutterkorngefahr. Moderne Roggensorten können zu wesentlich höheren Anteilen eingesetzt werden bei gleichzeitiger Förderung der Verdauung und bei geringerem Mutterkornrisiko.
  • Mais/CCM (Corn-Cob-Mix): CCM ist das silierte Gemisch aus Maiskorn und Spindel. Es ist ein beliebtes und energiereiches Futtermittel, besonders in der Sauen- und Anfangsmast. Achtung: Auch hier Mykotoxinbelastung (vor allem Deoxynivalenol, Zearalenon) regelmäßig prüfen.

2) Eiweißfutter

  • Sojaextraktionsschrot (SES): Standardreferenz für Eiweißfutter, sehr gutes Aminosäureprofil
  • Rapsextraktionsschrot (RES): heimische Alternative, geringere Lysinverdaulichkeit, aber guter M+C-Anteil, Einsatz höchstens ca. 15 bis 20 Prozent der Ration
  • Kartoffeleiweiß: hochwertiges Aminosäureprofil, teuer, aber besonders in der Ferkelfütterung bewährt
  • Körnerleguminosen (Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen): wichtige Eiweißquelle im Bio-Bereich, Tanningehalt bei Ackerbohnen beachten

3) Nebenprodukte der Lebensmittelverarbeitung

Schweine eignen sich hervorragend als Verwerter von Nebenprodukten, ein Vorteil, der in der Nachhaltigkeitsdiskussion zunehmend als Stärke der Schweinehaltung anerkannt wird (Stichwort: human edible fraction).

  • Weizenkleie: Nebenprodukt der Müllerei, faserreich, phosphorhaltig (Phytatbindung beachten), gut für Sauen
  • Trockenschnitzel: Nebenprodukt der Zuckergewinnung, hohe Quellkapazität (bis 18,6-faches Eigengewicht an Wasser), ausgezeichnet für Sättigungseffekt bei tragenden Sauen
  • Molke: flüssig oder getrocknet, energiereich durch Laktose, Hygiene bei Flüssigmolke kritisch
  • Biertreber, Trockenschlempe: Nebenprodukte aus Brauerei und Bioethanol-Produktion, rohfaserreich, begrenzte Einsatzmengen
  • Äpfel und Gemüse-Nebenprodukte: in extensiven Systemen oder der Hobbytierhaltung möglich, kaloriendichte, hygienisch einwandfreie Qualität sicherstellen, keine fermentierten oder schimmeligen Reste

4) Mineralfutter & Futterzusatzstoffe

  • Mineralfutter liefert Calcium, Phosphor, Natrium sowie Spurenelemente und Vitamine, je nach Tierkategorie in unterschiedlichen Zusammensetzungen (Zuchtsauen, Ferkel, Mastschweine)
  • Phytase: Enzym, das Phytat-gebundenen Phosphor in Getreide und Leguminosen für Schweine verfügbar macht, reduziert Phosphorausscheidungen erheblich und ist zentrales Instrument der N- und P-reduzierten Fütterung
  • Futtersäuren: verbessern Hygiene im Futter und senken das Säurebindungsvermögen (SBV), besonders wichtig im Ferkelfutter (SBV < 700 mmol/kg anstreben)
  • Probiotika / Präbiotika: unterstützen Darmflora, können Absetzdurchfall reduzieren

Orientierungswerte für maximale Einsatzmengen ausgewählter Futtermittel

Futtermittel Sauen tragend Säugende Sauen Ferkel Mastschweine
Roggen bis 20 % bis 15 % bis 10 % bis 25 %
Weizenkleie bis 30 % bis 20 % bis 10 % bis 20 %
Rapsextraktionsschrot bis 15 % bis 15 % bis 5 % bis 15 %
Trockenschnitzel bis 20 % bis 10 % bis 5 % bis 10 %
CCM bis 30 % bis 30 % bis 20 % bis 50 %

 

*Haftungsausschluss: Die in diesem Text aufgeführten Informationen und Angaben dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Orientierung im Rahmen der Schweinefütterung. Sie basieren auf üblichen Richtwerten aus Fachliteratur und Praxis, stellen jedoch keine individuelle Fütterungsberatung dar. Die tatsächlichen Anforderungen von Schweinen können je nach Rasse, Leistung, Gesundheitszustand, Futteraufnahme, Haltungsform und betrieblichen Gegebenheiten erheblich variieren. Für die Umsetzung in der Praxis wird dringend empfohlen, eine standortbezogene Rationsberechnung sowie eine betriebsindividuelle Beratung durch qualifizierte Fachleute (z. B. Tierernährungsberater oder Tierarzt) in Anspruch zu nehmen. Es wird keine Haftung für Schäden oder wirtschaftliche Nachteile übernommen, die direkt oder indirekt aus der Anwendung der dargestellten Informationen entstehen.

Rationsberechnung für Schweine: So gelingt die Fütterungsplanung

Eine fundierte Rationsberechnung stellt sicher, dass die Tiere bedarfsgerecht versorgt werden, ohne Über- oder Unterversorgung. Eine korrekte Berechnung spart bares Geld und sorgt für eine tiergerechte Fütterung.

Die Gruber Tabelle: das Standardwerk

Die Gruber Tabelle (offiziell: Futterberechnung für Schweine, LfL-Information) ist das wichtigste Nachschlagewerk für die Schweinefütterung im deutschsprachigen Raum. Sie enthält:

  • Gehaltswerte aller gängigen Futtermittel (Energie, Aminosäuren, Mineralstoffe, Rohfaser)
  • Versorgungsempfehlungen und Richtwerte je Tierkategorie
  • Energieschätzgleichungen und Berechnungsbeispiele
  • Nährstoffbilanzen und Kennzahlen der Fütterung

Die aktuelle 29. Auflage (Stand: 2025) ist kostenlos über die LfL Bayern abrufbar und bildet die Basis für Beratung, Rationsplanung und Behördenkommunikation in ganz Deutschland.

Schritt für Schritt zur bedarfsgerechten Ration

1. Tierkategorie und Leistungsziel definieren: Legen Sie fest, für welche Tiere die Ration gilt: Jungsau in der Aufzucht? Tragende Altsau? Ferkel in der ersten Woche nach dem Absetzen? Je nach Kategorie gelten unterschiedliche Empfehlungen.

2. Energiebedarf ermitteln: Entnehmen Sie den täglichen ME-Bedarf (MJ ME/Tag) aus der Gruber Tabelle. Beispiel: Eine niedertragende Altsau (2. Trächtigkeit) benötigt ca. 35 MJ ME/Tag.

3. Aminosäurenversorgung sicherstellen: Berechnen Sie den pcv-Lysin-Bedarf und prüfen Sie das Aminosäuremuster. Bei Einsatz von Körnerleguminosen oder Nebenprodukten ist dies besonders kritisch.

4. Mineralstoff- und Vitaminversorgung anpassen: Wählen Sie das passende Mineralfutter je Tierkategorie und prüfen Sie das Ca:vP-Verhältnis sowie die Natrium-Versorgung.

5. Rohfaser und Faserversorgung prüfen: Besonders bei tragenden Sauen ist die gesetzliche Mindestversorgung (≥ 70 g Rohfaser/kg Alleinfutter oder ≥ 200 g/Tier/Tag) einzuhalten.

6. Nährstoffbilanz berechnen: Saldieren Sie Stickstoff (N) und Phosphor (P) – Anforderung der Düngeverordnung. Hierbei helfen digitale Tools.

Rechenhilfen & digitale Tools

  • LfL-Rechenmeister/webFuLab ↗: Kostenloses Online-Tool des LKV-Labors Grub (Bayern) zur Futter- und Rationsberechnung
  • Rationsberechnung Schweine Excel: Verschiedene Landesanstalten und Beratungsorganisationen stellen Excel-basierte Berechnungshilfen bereit (z. B. LWK Niedersachsen)
  • KTBL-Datensammlungen: Umfassende Kennzahlen für Planung und Kalkulation
  • Futteruntersuchung: Regelmäßige Laboranalyse des eingesetzten Getreides ist Pflicht, denn die Schwankungen in Rohprotein- und Energiegehalt können je nach Ernte erheblich sein

Tipp: Nutzen Sie die Gruber Tabelle in Kombination mit dem LfL-Rechenmeister: Beide Tools sind kostenlos, wissenschaftlich fundiert und deutschlandweit anerkannt. Eine Futteruntersuchung (NIRS oder nasschemisch) deckt Qualitätsschwankungen auf, die ohne Analyse unsichtbar bleiben.

Ferkel auf Spaltenboden

Fütterung nach Tierkategorie: Sauen, Ferkel & Eber

Zuchtsau, Ferkel oder Mastschwein haben jeweils ganz andere Nahrungsbedürfnisse, dem die Fütterung entsprechend gerecht werden muss. Hier sind die wesentlichen Unterschiede zu finden.

Zuchtsauenfütterung: tragende Sauen

Die Sauenfütterung ist besonders anspruchsvoll, weil sich der Nährstoffbedarf innerhalb einer Trächtigkeit stark verändert.

  • Niedertragende Phase (Tag 1 bis 84): Erhaltungs- und maternaler Zuwachs im Vordergrund, Futtermenge ca. 2,6 bis 2,9 kg Tragefutter/Tag (bei 12 MJ ME/kg)
  • Hochtragende Phase (Tag 85 bis 115): zusätzlicher Energiebedarf für Ferkelentwicklung und Milchdrüsenwachstum, Steigerung auf ca. 3,3 bis 3,7 kg/Tag
  • Rohfaserversorgung: gesetzlich vorgeschrieben (§ 30 Abs. 6 TierSchNutztV): ≥ 8 Prozent Rohfaser in der Trockensubstanz des Alleinfutters oder ≥ 200 g Rohfaser/Tier/Tag bis eine Woche vor dem Abferkeltermin
  • Konditionsmanagement: Regelmäßige Rückenspeckdickenmessung am P2-Punkt, Zielwert zur Geburt: 16 bis 20 mm, Unter- und Überkonditionierung sind beide problematisch

Fütterung säugender Sauen

  • Hoher Energiebedarf durch Milchleistung (Wurfzuwachs 2,0 bis 3,0 kg/Tag)
  • Ad-libitum-Fütterung empfohlen, Futteraufnahme sichern, besonders bei hohen Stalltemperaturen (Fresshemmung!)
  • Lysinbedarf deutlich höher als in der Trächtigkeit, pcv Lysin je nach Leistung 18 bis 25 g/Tag
  • Fließender Übergang von Trage- auf Laktationsfutter (wichtig: gleiche Rohstoffe in Trage- und Säugefutter)

Jungsauenaufzucht

Jungsauen benötigen ein eigenes Fütterungsmanagement. Ziele zur Erstbelegung:

  • Alter: 240 bis 260 Tage
  • Lebendmasse: 130 bis 150 kg
  • Rückenspeckdicke zur Besamung: 12 bis 14 mm (P2)
  • Tägliche Zunahme in der Aufzucht (30 bis 120 kg LM): 650 bis 700 g/Tag

Die Energiedichte des Jungsauen-Futters liegt bei 12,0 bis 12,5 MJ ME/kg, der pcv-Lysin-Gehalt je nach Gewichtsklasse bei 4,9 bis 7,5 g/kg Futter.

Ferkelfütterung nach dem Absetzen

  • Absetzdurchfall ist die häufigste Erkrankung in dieser Phase: gezielte Fütterung kann das Risiko stark senken
  • Säurebindungsvermögen (SBV) im Ferkelfutter < 700 mmol/kg anstreben
  • Ad-libitum-Fütterung in der Ferkelaufzucht üblich
  • Creep Feeding (Beifütterung während der Säugezeit): erhöht Absetzgewicht, trainiert die Enzymausscheidung und erleichtert den Übergang nach dem Absetzen
  • Futterwechsel schrittweise: mindestens 5 bis 7 Tage Überlappung zwischen altem und neuem Futter bzw. fließende Übergängige durch gleiche Rohstoffauswahl, Futter- und Wasserdarreichungsform möglichst nicht gleichzeitig wechseln

Mehr Informationen zu Ferkeln und ihren speziellen Bedürfnissen finden Sie in unserem Ratgeber zur Ferkelaufzucht.

Eberaufzucht & Eberversorgung

  • Bis 120 kg Lebendmasse: ad-libitum-Fütterung mit max. 12,5 MJ ME/kg Futter
  • Ab 120 kg: verhaltene Fütterung auf Kondition (Zuwachs 500 bis 600 g/Tag)
  • Eber in Zuchtnutzung haben spezifischen Bedarf an Vitaminen (A, D3, E, B2, B12) und Selen, sie müssen im Mineralfutter ergänzt werden

Fütterungstechnik & Fütterungssysteme im Schweinestall

Die Wahl der Fütterungstechnik beeinflusst Tiergesundheit, Arbeitsaufwand und Futterverwertung gleichermaßen.

a) Trockenfütterung

Die am weitesten verbreitete Methode: Das Futter wird trocken über Rohrförderer, Schnecken oder Wägestationen in Tröge oder Automaten transportiert.

  • Vorteile: hygienisch, wartungsarm und gut zu dosieren. Geeignet für alle Tierkategorien.

b) Flüssigfütterung (Breifütterung)

Futter wird mit Wasser zu einem Brei vermischt (Verhältnis ca. 1:2,5 bis 3,5) und über Leitungssysteme in die Buchten gepumpt.

  • Vorteile: bessere Futteraufnahme, ermöglicht den Einsatz von Flüssig-Nebenprodukten  wie Molke und Schlempe.
  • Kritisch: hohe Hygieneanforderungen! Leitungen und Mischbehälter müssen regelmäßig gereinigt werden, sonst drohen Keimbelastung und Schimmel.

c) Kettenfütterung Schweine

Bei der Kettenfütterung wird das Futter durch eine rotierende Kette im Trog gleichmäßig verteilt. Alle Tiere können gleichzeitig fressen, was Rangordnungskämpfe reduziert. Diese Technik hat sich besonders in der Wartestallhaltung und im Deckzentrum für Sauen bewährt.

  • Nachteil: Die Kettenfütterung ist weniger flexibel bei der individuellen Dosierung.

d) Breiautomaten & Selbstfang-Fressstände

Schweinefütterungs-Automaten (Breiautomaten) ermöglichen die ad-libitum-Fütterung. Das Tier löst durch Drücken einer Klappe Futter und Wasser aus.

  • Vorteil: minimaler Personalaufwand, hohe Futteraufnahme.
  • Nachteil: kein individuelles Management, mögliche Futterverschwendung. Ein typischer Einsatz dieser Fütterungsart ist in der Ferkelaufzucht und Anfangsmast.

e) Abruffütterung (Transponderfütterung)

Für die Gruppenhal­tung von Sauen bietet die automatische Fütterung der Schweine per Transponder die präziseste Lösung: Jede Sau wird per Chip erkannt und erhält ihre individuelle Tagesration.

  • Vorteil: bedarfsgerechte Einzeltierversorgung auch in der Gruppe, deutliche Verbesserung im Konditionsmanagement.
  • Nachteil: Hohe Investitionskosten.

f) Bodenfütterung

In der Freilandhaltung oder in extensiven Haltungsformen wird Futter teilweise auf dem Boden verteilt. Das ist zwar Tierwohl-positiv, denn es fördert das Wühlverhalten, ist aber auch mit Nachteilen verbunden: hohe Verluste, schwierige Hygienekontrolle, keine bedarfsgerechte Dosierung. Für konventionelle Stallhaltung ist die Bodenfütterung eher nicht geeignet.

Fütterungssysteme im Vergleich

System Investition Hygiene Individualsteuerung Tierwohl
Trockenfütterung mittel ++ mittel +
Flüssigfütterung hoch kritisch mittel +
Kettenfütterung mittel + gering ++
Breiautomaten gering–mittel + gering +
Transponderfütterung sehr hoch ++ sehr hoch ++
Bodenfütterung gering keine +++

 

Bio-Schweinefütterung: Besonderheiten & Anforderungen

Die Bio-Schweinefütterung unterliegt strengen Anforderungen der EU-Ökoverordnung (EU) 2018/848. Seit 2022 gilt: 100 Prozent der Futterkomponenten müssen ökologisch erzeugt sein, alle Ausnahmen für konventionelle Zutaten sind vollständig ausgelaufen.

Die größte Herausforderung: Synthetische Aminosäuren (z. B. Lysin-Supplement aus konventioneller Produktion) sind im Öko-Bereich verboten. Das bedeutet, die Aminosäurenversorgung muss allein über natürliche Futtermittel sichergestellt werden, was höhere Anforderungen an die Rationsgestaltung stellt.

Typische Bio-Eiweißquellen:

  • Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen (Körnerleguminosen aus eigenem Anbau)
  • Bio-Sojaextraktionsschrot (häufig aus europäischem Donau-Soja)
  • Bio-Kartoffeleiweiß
  • Bio-Bierhefe

Rohfaserversorgung durch Raufutter (Heu, Grassilage, Maissilage) spielt im Bio-Bereich eine besonders große Rolle, sowohl aus Tierschutzgründen als auch aufgrund der Vorgaben zur Beschäftigung.

Das Grundprinzip der Bio-Fütterung: möglichst viel betriebseigenes oder regional erzeugtes Futter einsetzen. Eine Fütterungsberatung durch erfahrene Bio-Berater ist hier besonders wertvoll, da Rationsberechnungen ohne synthetische Aminosäuren deutlich komplexer werden.

Fütterung & Tierwohl: ein unterschätzter Zusammenhang

Futter und Fütterung nehmen eine Schlüsselrolle für das Wohlbefinden der Schweine ein. Das Verhalten von Schweinen wird zu großen Teilen durch Futtersuch- und Fressverhalten bestimmt, mit Folgen für das gesamte Haltungssystem.

Faserversorgung und Verhalten: Faserfuttermittel erfüllen gleich mehrere tierwohl-relevante Funktionen:

  • Mechanische Sättigung durch Volumen und Struktur
  • Verlängerte Fresszeit und so weniger Langeweile und Unruhe im Abteil
  • Beschäftigungseffekt: Wühl- und Kauverhalten wird befriedigt
  • Positive Beeinflussung der Darmflora durch fermentierbare Kohlenhydrate (Prebiotika-Effekt)
  • Vermeidung von Verstopfung durch Quellvermögen (z. B. Trockenschnitzel binden bis zu 18,6 kg Wasser pro kg Trockenmasse)

Praktische Orientierungswerte für zusätzliche tägliche Grobfuttergaben:

(DLG-Merkblatt 463, 1. Auflage 2021)

Grobfutter Tragende Sauen Säugende Sauen Mastschweine > 60 kg
Stroh 250 g/Tag 100 g/Tag 30 g/Tag
Heu 350 g/Tag 150 g/Tag 60 g/Tag
Grassilage 750 g/Tag 200 g/Tag 150 g/Tag
Maissilage 800 g/Tag 250 g/Tag 250 g/Tag

 

* Haftungsausschluss: Die in diesem Text aufgeführten Informationen und Angaben dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Orientierung im Rahmen der Schweinefütterung. Sie basieren auf üblichen Richtwerten aus Fachliteratur und Praxis, stellen jedoch keine individuelle Fütterungsberatung dar. Die tatsächlichen Anforderungen von Schweinen können je nach Rasse, Leistung, Gesundheitszustand, Futteraufnahme, Haltungsform und betrieblichen Gegebenheiten erheblich variieren. Für die Umsetzung in der Praxis wird dringend empfohlen, eine standortbezogene Rationsberechnung sowie eine betriebsindividuelle Beratung durch qualifizierte Fachleute (z. B. Tierernährungsberater oder Tierarzt) in Anspruch zu nehmen. Es wird keine Haftung für Schäden oder wirtschaftliche Nachteile übernommen, die direkt oder indirekt aus der Anwendung der dargestellten Informationen entstehen.

Vermeiden Sie typische Fehler in der Schweinefütterung

Fütterungs-Checkliste für Ihren Betrieb

☐  Rohprotein überversorgt? Überversorgung mit Rohprotein kostet Geld und erhöht N-Ausscheidungen, also Aminosäurenbilanz regelmäßig prüfen

☐  Getreide untersucht? Ohne Laboranalyse sind Qualitätsschwankungen (Rohprotein, Mykotoxine, Energie) nicht erkennbar

☐  Flüssigfütterungsanlage hygienisch? Schimmel und Keime in Mischbehältern und Leitungen verursachen stille Verluste

☐  Futter phasengerecht? Falsches Futter je Tierkategorie (z. B. Tragefutter für Laktation) führt zu Mangel- oder Überversorgung

☐  Wasser ausreichend? Tränkedurchfluss, Wasserdruck und Tränke-Platzzahl regelmäßig prüfen

☐  Futterwechsel schrittweise? Abrupte Umstellungen lösen Durchfall und Leistungseinbrüche aus

☐  Kondition der Sauen im Blick? Rückenspeckdickenmessung ist das zuverlässigste Instrument im Konditionsmanagement

☐  Phytase im Einsatz? Ohne Phytase wird Phosphor verschwendet und die P-Bilanz unnötig belastet

Gesetzliche Vorgaben zur Schweinefütterung im Überblick

Rechtsgrundlage Relevanz für die Fütterung
TierSchNutztV §30 Abs. 6 Rohfaserversorgung tragender Sauen: ≥ 8 % XF (TM) oder ≥ 200 g XF/Tier/Tag
EU-VO (EG) 767/2009 Futtermittelrecht: Kennzeichnung, Zulassung, Inverkehrbringen von Mischfutter
Düngeverordnung (DüV) N- und P-Obergrenzen, Nährstoffbilanz, N- und P-reduzierte Fütterung als Instrument
EU-Ökoverordnung 2018/848 Öko-Fütterungsanforderungen; 100 Prozent Bio-Futter, kein synthetisches Lysin
Fütterungsverbote Speiseabfälle verboten, Tiermehl stark eingeschränkt (Ausnahmen Insektenmehl, Fischmehl)

 

FAQ: Häufige Fragen zur Schweinefütterung

  • Schweine sind wie Menschen Allesfresser (Omnivore). In der landwirtschaftlichen Haltung erhalten sie bedarfsgerechte Mischfutter aus Getreide, Eiweißträgern, Mineral- und Ergänzungsfutter. Nebenprodukte aus der Lebensmittelindustrie (Molke, Weizenkleie, Trockenschnitzel) sind ein weiterer wichtiger Bestandteil vieler Rationen.

  • Der Bedarf hängt stark von Tierkategorie und Gewicht ab. Orientierungswerte: Ferkel (10 bis 30 kg) ca. 0,3 bis 1,0 kg/Tag, tragende Sauen 2,6 bis 3,7 kg Tragefutter/Tag, säugende Sauen je nach Wurfgröße 5 bis 10 kg/Tag.

  • Die Gruber Tabelle ist die “LfL-Information: Futterberechnung für Schweine” der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Sie ist das wichtigste deutschsprachige Nachschlagewerk für Futterwerte, Nährstoffempfehlungen und Richtwerte in der Schweinefütterung – kostenlos abrufbar bei der LfL Bayern.

  • CCM steht für Corn-Cob-Mix: das silierte Gemisch aus Maiskorn und Maisspindel. Es ist ein beliebtes, energiereiches Grundfutter besonders für Sauen und in der Anfangsmast. Mykotoxinbelastung muss aber regelmäßig kontrolliert werden.

  • Ad libitum bedeutet, das Futter steht den Tieren dauerhaft und unbegrenzt zur freien Aufnahme zur Verfügung. Typisch für Ferkel und die Anfangsmast, bei Sauen nur in der Laktationsphase empfohlen, um Überkonditionierung zu vermeiden.

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* Haftungsausschluss: Die in diesem Text aufgeführten Informationen und Angaben dienen ausschließlich der allgemeinen Information und Orientierung im Rahmen der Schweinefütterung. Sie basieren auf üblichen Richtwerten aus Fachliteratur und Praxis, stellen jedoch keine individuelle Fütterungsberatung dar. Die tatsächlichen Anforderungen von Schweinen können je nach Rasse, Leistung, Gesundheitszustand, Futteraufnahme, Haltungsform und betrieblichen Gegebenheiten erheblich variieren. Für die Umsetzung in der Praxis wird dringend empfohlen, eine standortbezogene Rationsberechnung sowie eine betriebsindividuelle Beratung durch qualifizierte Fachleute (z. B. Tierernährungsberater oder Tierarzt) in Anspruch zu nehmen. Es wird keine Haftung für Schäden oder wirtschaftliche Nachteile übernommen, die direkt oder indirekt aus der Anwendung der dargestellten Informationen entstehen.