Unkräuter im Weizen wirksam bekämpfen

Ungräser und Unkräuter im Weizen bereiten Landwirten Jahr für Jahr Schwierigkeiten. Um die Qualität der Ernte zu sichern, müssen Maßnahmen zur Unkrautregulierung und -bekämpfung ergriffen werden. In Hinsicht auf umweltrechtliche Auflagen und Resistenzmanagement empfiehlt sich eine Kombination aus Kulturmaßnahmen, mechanischen Unkrautbekämpfungsverfahren und dem Einsatz chemischer Wirkstoffe. In unserem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Unkräuter im Weizen richtig bestimmen und überwachen, wie integriertes Unkrautmanagement funktioniert und was für eine wirksame und nachhaltige Herbizidstrategie zu beachten ist.

Ackerfuchsschwanz, Hirse & Co. im Weizen bestimmen und entfernen

Zunehmende Resistenzen, verstärkte Regularien und reduzierte Wirkstoffgruppen machen eine ganzheitliche Strategie mit verschiedenen Maßnahmen zur Unkrautbekämpfung und -regulierung unerlässlich. Neben dem kontrollierten Gebrauch von chemischen Produkten können Sie den zunehmenden Herausforderungen durch Ackerfuchsschwanz, Windhalm, Trespen-Arten und andere Unkräuter mit Bodenbearbeitung, mechanischen Verfahren, Fruchtfolge und digitalen Technologien begegnen. Wie moderne Unkrautbekämpfung im Weizen aussieht und welche Stolpersteine es dabei gibt, lesen Sie hier.

Inhaltsverzeichnis

Unsere Services für Unkrautbekämpfung & Weizenanbau

Wo Weizen gedeiht, sind auch Unkräuter nicht weit. Mit einer durchdachten Strategie kommen Sie dagegen an und schützen die Erntequalität. Die erfahrenen Pflanzenbauberater und Außendienstmitarbeiter der BayWa unterstützen Sie mit Fachwissen und Know-how dabei, passgenaue Konzepte zu erarbeiten. Ob Unkrautbekämpfung, Sortenauswahl oder Ackerbau-Technik: Wir stehen Ihnen mit Rat und Tat zur Seite. Schreiben Sie uns einfach eine E-Mail oder nutzen Sie unser Kontaktformular. Gerne heißen wir Sie auch persönlich an einem unserer BayWa-Standorte willkommen und besprechen alles ganz in Ruhe.

Unkräuter im Weizen

Bestimmung & Monitoring von Unkräutern im Weizen

Grundlegend für eine wirksame Strategie gegen Unkräuter und Ungräser im Weizen ist die korrekte Bestimmung und Überwachung der verschiedenen Arten.

Üblicherweise wird im Herbst ein bodenwirksames Herbizid mit breitem Wirkungsspektrum ausgebracht. Dieses kann Herbstkeimer bereits im Entstehen bekämpfen. Dafür ist es wichtig, die eigenen Flächen gut zu kennen und sich über die standortbezogenen Bedingungen im Klaren zu sein.

Im Frühjahr und Sommer keimen Unkräuter auf, die nicht vollständig von den Bodenherbiziden im Herbst erfasst werden konnten. Für die Unkrautbekämpfung im Frühjahr eignen sich dann spezielle Frühjahrsherbizide.

Leitunkräuter im deutschen Weizenanbau

Neben der Ermittlung der Unkrautdichte ist es außerdem entscheidend, die Unkräuter und Ungräser im Weizen richtig zu bestimmen, um wirksame Maßnahmen zur Unkrautbekämpfung ergreifen zu können. Beispielfotos zum Vergleich finden Sie zum Beispiel beim Pflanzenschutzdienst des RP Gießen ↗.

1) Ungräser im Weizen

Deutscher Name Keimfenster Eigenschaften Bedeutung Anmerkungen zur Kontrolle & Herbizidempfehlungen

Ackerfuchsschwanz

(Alopecurus myosuroides)
Herbst und Frühjahr Blattanlage gerollt, Blatthäutchen unregelmäßig zerschlitzt, auf feuchten Lehm- und Tonböden gefährlicher Ertragskonkurrent, eines der wichtigsten Schadgräser mit mechanischen Verfahren kaum zu erfassen, Fruchtfolge, wendende Bodenbearbeitung, späte Saat zur Regulierung, Breitbandpräparate und blattaktive Spezialmittel zur direkten Bekämpfung
Windhalm (Apera spica-venti) Herbst, ab 4 °C Blattanlage gerollt, haarfeines Blatthäutchen tief geschnitten, leichte, frische, schwach saure Böden Ertragskonkurrent um Standraum, Nährstoffe, Licht und Wasser, weit verbreitetes, rispenbildendes Schadgras indirekte Bekämpfung durch Fruchtfolgen mit Blattfrüchten und Sommergetreidearten, bis Zwei- bis Dreiblatt-Stadium Eggen und Bodenstriegeln möglich, direkte Bekämpfung mit verschiedenen Boden- und Blattherbiziden
Taube Trespe (Bromus sterilis) überwiegend Herbst, selten sommereinjährig Blattanlage gerollt, Keimblatt lang und schmal, großes, weißes, tiefgezähntes Blatthäutchen, keine Blattöhrchen zunehmende Bedeutung im Winterweizen, hohe Konkurrenzkraft durch starkes Bestockungsvermögen, kann zu Lager, Ernteerschwernis und Qualitätseinbußen führen direkte Bekämpfung mit Herbiziden im Splitting-Verfahren mit ausgewählten Sulfonylharnstoffen, muss durch Bodenbearbeitung, Fruchtfolge und Feldrandhygiene ergänzt werden
Flughafer (Avena fatua) Frühjahr behaarte Blattränder, Lehm- und Tonböden, heute fast alle Standorte mit intensiver Bewirtschaftung starker Konkurrent um Nährstoffe, Licht, Wasser und Standraum, Wirtspflanze für zahlreiche Pilzkrankheiten und Schädlinge Verwendung von flughaferfreiem Saatgut und flughaferfreiem Stroh, erste Einwanderungspflanzen vor der Blüte ausreißen, mechanische Maßnahmen unwirksam, chemische Bekämpfung mit geeigneten Blattherbiziden im Frühjahr
Einjähriges Rispengras (Poa annua) ganzjährig ab 2 °C kräftigeres Keimblatt, Blattanlage gefaltet, Blattspreite läuft an der Spitze kahnförmig aus, Blatthäutchen kragenförmig, keine Blattöhrchen, fast alle Bodenarten und landwirtschaftlich/gärtnerisch genutzte Flächen, niederschlagsreiche Gebiete geringe Konkurrenzkraft, begünstigt Pilzinfektionen sowie Kornfeuchte in Lagergetreide Eggen und Bodenstriegeln in frühen Entwicklungsstadien wirksam, bodenaktive Breitbandherbizide und Chlortoluron im frühen Nachlauf sowie geeignete Sulfonylharnstoffe im späteren Nachlauf wirksam, gräserwirksame Bodenherbizide sind zu bevorzugen
Weidelgras (Lolium multiflorum) ganzjährig hellgrün, büschelig oder Einzelhalme, Blattanlage gerollt, Blätter gerieft, Unterseite stark glänzend hell- bis dunkelgrün, frische bis feuchte lehmige Mineralböden eines der wichtigsten Schadgräser, vermehrt multiple Resistenzen Herbstspritzung mit hohen Aufwandmengen. Tiefe Bodenbearbeitung, späterer Saattermin, Reinigung von Mähdreschern um Verschleppung zu vermeiden, erste Nester konsequent ausmulchen.
Quecke (Elymus repens) Frühjahr rhizombildend, Blattanlage gerollt, steif aufstehend, kurze Blatthäutchen, lange Blattöhrchen, sonnige bis halbschattige Standorte, trockene bis mäßig frische Böden hohe Konkurrenzkraft, Ausläufer drängen Kulturpflanzen zurück, Wurzeln scheiden wachstumhemmendes Pflanzengift aus, Ernteerschwernis Ackermaschinen gründlich reinigen, bei geringem Besatz an den Flächengrenzen Ränder mehrfach grubbern, Herbizideinsatz nach der Ernte der Hauptkultur bei ausreichender Blattmasse der Quecke.

 

2) Zweikeimblättrige Unkräuter im Weizen

Name Keimfenster Eigenschaften Bedeutung Anmerkungen zur Kontrolle
Klettenlabkraut (Galium aparine) Herbst und Frühjahr, bis 15 °C Quirlständige Blattanlage um den Stängel herum, Blattspreite schmal länglich, verkehrt eiförmig, stachlig spitzig, Oberseite, Rand, Mittelnerv hakig-behaart wichtiges Unkraut im intensiven Ackerbau, stickstoffzehrend, lichtbedürftig, bei Überwachsen hoher Ertragsausfall, verursacht Lager, Trocknungs- und Reinigungskosten geringe Wirkung des Eggens, Hacken und Auskämmen sowie Herbizide wirksame Bekämpfungsmethoden
Geruchlose Kamille (Matricaria inodora bzw. Tripleurospermum perforatum) Frühjahr bis Herbst 15–35 °C Flachkeimer, Blüte von Mai bis Oktober, Blütenboden markig gefüllt und nahezu geruchlos massenwüchsig, schädlichste Kamillenart, zunehmende Ausbreitungstendenz, bei höherer Dichte starke Ertragsminderung mechanische Maßnahmen bis zum frühen Rosettenstadium wirksam, Wuchsstoffherbizide nur teilweise wirksam, gute Erfassung durch Bodenherbizide, Kontaktmittel und Sulfonylharnstoffe
Vogelmiere (Stellaria media) Frühjahr und Herbst Wasserleitbahn im Inneren (beim Durchbrechen erkennbarer gummiartiger Faden), Haarlinie an einer Seite des Stängels, weiße Blüten, junge Stängel grün, später rötlich erhebliche Konkurrenzkraft um Nährstoffe, Standraum, Wasser, Licht, stickstoffliebend, Massenwüchsigkeit im intensiven Ackerbau, befördert Pilzinfektionen und Lagergetreide mit Erntestörungen und Kornfeuchte, Wirtspflanze für Krankheiten und Schädlinge bis zum Vier- bis Sechsblatt-Stadium gut mit mechanischen Verfahren bekämpfbar, wird von vielen boden- und blattaktiven Herbiziden wirksam erfasst
Klatschmohn (Papaver rhoeas) Herbst, 7–10 °C wechselständiger Blattwuchs, einfach fiederteilig, gezähnte Blattabschnitte, borstig behaarter Stängel, rote Blüten mit schwarzem Grund und 5–10 cm Durchmesser, dicke, rundliche, kahle Samenkapsel überlebt Winterungen, langlebiges Samenunkraut, massenhaftes Auftreten, wenn Samen durch Bodenbearbeitung ans Licht kommen nur in sehr frühem Stadium chemisch bekämpfbar (Bodenherbizide im Herbst), im Frühjahr Wirkstoffkombinationen notwendig, möglicherweise Resistenzaufbau gegen ALS-Hemmer
Kornblume (Centaurea cyanus) ganzjährig bei 5–25 °C, Herbstkeimer besonders relevant Laubblätter wechselständig angeordnet und locker grau filzig behaart, Blattspreite der untersten Stängelblätter linealisch-lanzettlich mit spitzem oberem Ende oder fiederspaltig gut an Winterweizen angepasstes Samenunkraut, Verbreitung durch Saatgutverunreinigung und Verschleppung mitgedroschener Samen mechanische Bekämpfung im Frühjahr schwierig, Standardbehandlungen mit Herbiziden erfassen die Kornblume oft nicht ausreichend
Ehrenpreis-Arten (Veronica persica) Persischer Ehrenpreis: ganzjährig bei 2–40 °C, Efeublättriger Ehrenpreis: Herbst, 2–20°C niederliegendes Wegerichgewächs mit aufsteigenden und wurzelnden Stängeln, gekerbte, eiförmige, lanzettliche, längliche, abgerundete Blätter, kurzlebige Blüten teppichartiger Wuchs und hohe Stickstoffaufnahme beeinträchtigen Jungentwicklung des Weizens stark in frühen Stadien mit mechanischen Verfahren gut erfassbar, wirksame chemische Bekämpfung mit Bodenherbiziden im Herbst, im Frühjahr angepasste Wirkstoffauswahl, Sulfonylharnstoffe wirken oft nicht
Rote Taubnessel (Lamium purpureum) ganzjährig mit Schwerpunkt im Herbst, 2–25 °C bis zu drei Generationen pro Jahr, Flachkeimer, ähnelt optisch Brennnesseln, Blätter jedoch ohne Brennhaare, Blattfarbe sattgrün bis dunkelviolett gut an Winterweizen angepasstes Samenunkraut, schnelle Entwicklung im Frühjahr behindert Entwicklung der Kulturpflanzen, Aufbau eines großen Samenpotenzials im Boden mechanische Maßnahmen für frühes Stadium gut wirksam, gute Bekämpfung im Herbst mit breit wirksamen Bodenherbiziden, Bekämpfungslücken bei Sulfonylharnstoff- und Wuchsstoff-Präparaten
Storchschnabel-Arten (Geranium pusillum; Geranium dissectum) ganzjährig ab 5 °C Selbstausbreitung der Samen, rundliche, tief gelappte oder handförmig geteilte Blätter, krautiger, verzweigter Wuchs zunehmende Bedeutung als Ackerunkräuter durch reduzierte Bodenbearbeitung und einseitige Fruchtfolgen, sehr anpassungsfähig und widerständig, dichte Bestände stellen hohe Konkurrenz dar mechanische Bekämpfung wenig wirksam, ausgewählter Einsatz von Herbiziden mit Sulfonylharnstoffen, Befallsflächen langfristig nur mit abgestimmtem, integriertem Unkrautmanagement behandelbar
Winden-Knöterich (Polygonum convolvulus bzw. Fallopia convolvulus) Hauptkeimzeit im Frühjahr oft verwechselt mit Ackerwinde, blüht und fruchtet von Juli-Oktober, kriechender und kletternder Wuchs, winden sich links und rechtsdrehend um andere Pflanzen, gestielte, pfeilförmige Laubblätter mit glattem Blattrand, ährige oder traubige Blütenstände in den Blattachseln direkte Konkurrenz um Nährstoffe, Standraum und Licht, höchster Schaden durch Erntestörungen und Erhöhung der Druschfeuchte im Zwei- bis Vierblatt-Stadium mit mechanischen Maßnahmen gut bekämpfbar, Breitbandherbizide gut wirksam, Wuchsstoffherbizide eingeschränkt wirksam

 

Integriertes Unkrautmanagement

Integriertes Unkrautmanagement (IWM) kombiniert vorbeugende und nicht-chemische Maßnahmen zur Unkrautkontrolle und setzt nur bei Bedarf Getreideherbizide ein. So sollen Ertrag und Wirtschaftlichkeit gesichert werden, während gleichzeitig Resistenzen vorgebeugt und Umweltauswirkungen minimiert werden.

1. Fruchtfolge: Bestimmte Unkräuter profitieren von dem häufigen Anbau derselben Kulturpflanze. So befördert der wiederholte Anbau von Wintergetreide die Ausbreitung von Ackerfuchsschwanz und Windhalm. Indem auf derselben Fläche nacheinander verschiedene Kulturpflanzen angebaut werden, können die Bodenfruchtbarkeit verbessert und Schädlinge, Krankheiten und Unkräuter reduziert werden.

2. Saattermin: Eine frühe Aussaat von Winterweizen wird oft mit der Hoffnung auf höhere Erträge anvisiert. Dabei kann eine frühe Aussaat in der Regel mit einem verstärkten Auftreten von Unkräutern im Weizen in Verbindung gebracht werden. Der Aussaattermin sollte auf den Standort, die Sorte, Düngung, Fruchtfolge und zu erwartende Unkräuter abgestimmt werden.

3. Bodenbearbeitung: Wendende Bodenbearbeitung mit dem Pflug oder Grubbern vergräbt Unkräuter sowie oberflächennahe Samen und schwächt Wurzelunkräuter, ist aber nicht für alle Flächen geeignet. Eine flache Bodenbearbeitung und Rückverfestigung der Oberflächen sorgen dafür, dass die Samen von Unkräutern keimen und später beseitigt werden können. Eine wirksame Strategie ist das „falsche Saatbett“. Hier wird der Boden wie zur Vorbereitung der Saat oder Pflanzung präpariert, damit die Unkräuter besser keimen. Nach der Keimung erfolgt eine erneute flache Bearbeitung zur Unkrautbekämpfung.

4. Zwischenfrüchte und Begrünung: Zwischenfrüchte können Unkräuter unterdrücken, indem sie um Wasser, Licht und Nährstoffe konkurrieren. Sie diversifizieren die Fruchtfolge und verhindern, dass sich Unkräuter und Ungräser an das Anbaumuster anpassen.

5. Mechanische Verfahren: Über die Bodenbearbeitung hinaus stehen weitere mechanische Verfahren zur Unkrautbekämpfung zur Verfügung. Im Weizen haben sich besonders Striegeln im Vorlauf (Blindstriegeln) und im frühen Nachlauf bei den passenden Bedingungen sowie Reihenhacken mit weiten Reihen als wirksam erwiesen.

6. Chemische Verfahren: Die gezielte und bedarfsgerechte Anwendung von Herbiziden im Weizen gehört ebenfalls zum integrierten Unkrautmanagement. Gegen Leitunkräuter und -gräser stehen spezifische Wirkstoffe zur Verfügung. Entscheidend ist eine durchdachte Herbizidstrategie, die Wirkstoffwechsel und -mischungen und die richtigen Anwendungszeitpunkte beachtet, um Resistenzen vorzubeugen.

7. Leitunkräuter erkennen und überwachen: Die Kenntnis der häufigsten Unkräuter im Weizen, ihrer Biologie, Standortansprüche und geeigneter Gegenmaßnahmen sowie regelmäßiges Monitoring sind grundlegend für zielorientierte Entscheidungen.

8. Präzisions- und teilflächenspezifisches Management: Die integrierte Unkrautbekämpfung verbessert sich dank innovativer Forschungsprojekte immer weiter. Ein Beispiel dafür ist das „Better Weeds“-Projekt des Julius-Kühn-Instituts. Hier werden Kamerasysteme mit künstlicher Intelligenz eingesetzt, um teilflächenspezifisch die Ausmaße und Auswirkungen von Unkräutern und Ungräsern einschätzen zu können.

Standort- & Bodenfaktoren

Jede Anbaufläche ist einzigartig und zeichnet sich durch bestimmte Boden- und Standortbedingungen aus. Klima, Witterung und Licht, Feuchtigkeit und Bodentyp sowie die Unkrauthistorie Ihrer Flächen geben Hinweise darauf, mit welchen Unkräutern Sie rechnen sollten und wie Sie Ihre Unkrautbekämpfungsstrategie im Weizen individuell anpassen sollten.

  • Klima und Witterung: Temperatur und Niederschlag beeinflussen die Keimung und Entwicklung der Unkräuter sowie den optimalen Einsatzzeitpunkt für chemische Produkte. Besonders im Frühjahr ist die Anwendung temperaturabhängig.
  • Bodenfeuchte: Ausreichende Feuchtigkeit sorgt für eine bessere Wirksamkeit der Herbizide. Trockenperioden schränken die Wirkung ein.
  • Lichtverhältnisse: Die Unkrautentwicklung wird durch die Lichtintensität beeinflusst. Dicht stehender Weizen kann Unkräuter unterdrücken. Deshalb sollte auf eine ausreichende Aussaatstärke geachtet werden, das stärkt auch die Konkurrenzkraft des Weizens gegenüber Unkräutern und Ungräsern.
  • Bodentyp und Struktur: Je nach Bodenart haben andere Unkräuter im Weizen leichteres Spiel. Für den Weizen ist ein lockerer, unverdichteter Boden von Vorteil, da dieser den Feldaufgang erleichtert und den Unkräutern die Konkurrenz erschwert. Verdichtete und schwere Böden erhöhen tendenziell den Unkrautdruck.
  • Humusgehalt und Nährstoffversorgung: Die Bestandsdichte wird durch einen hohen Humusgehalt und eine gute Nährstoffversorgung gefördert, was wiederum Unkräuter unterdrückt.
  • Unkrautsamenbank im Acker: Die Menge und die Zusammensetzung der Unkrautsamen im Boden bestimmt das potenzielle Unkrautaufkommen. Sie sollten Ihre Flächen also im Laufe der Jahre beobachten, um Prognosen über Unkräuter und entsprechende Maßnahmen treffen zu können.

Herbizidstrategie für chemische Unkrautbekämpfung im Weizen

Neben dem Anwendungszeitpunkt, der Wahl und Dosierung der richtigen Herbizide für das jeweilige Unkrautaufkommen ist ein wichtiges Ziel einer Herbizidstrategie die Vermeidung von Resistenzen. Außerdem gilt es als selbstverständlich, aktuelle gesetzliche Auflagen zum Umwelt- und Gewässerschutz einzuhalten.

Regionale und lokale Landwirtschaftsverbände und Institutionen sprechen regelmäßig saisonale und aktuelle Empfehlungen zur Anwendung von Herbiziden im Weizen aus. Die Höhe der Aufwandmenge ist stets der spezifischen Situation auf der Fläche anzupassen.

Folgende Kriterien zum Zeitpunkt der Applikation sollten berücksichtigt werden:

  • vorhandene Unkrautarten und Leitunkräuter
  • Unkrautdichte (Anzahl der Pflanzen/m2 oder prozentualer Deckungsgrad)
  • Entwicklungsstadium der Unkräuter
  • Konkurrenzkraft des Weizens
  • Witterungsbedingungen
  • Bodenverhältnisse
  • Tankmischungen

Resistenzmanagement

Herbizidresistenzen entstehen, wenn Herbizide zu häufig und einseitig genutzt werden. Weitere Faktoren, die Resistenzen begünstigen, sind frühe Aussaattermine bei Wintergetreide, unausgeglichene Fruchtfolgen und der Anbau von überproportional vielen Winterungen.

Unkräuter und Ungräser mit Herbizidresistenzen verbreiten sich aufgrund des Selektionsdrucks, wenn mehrmals hintereinander Herbizide mit demselben Wirkmechanismus angewendet werden. Bei der Vermeidung von Resistenzen ist frühes Handeln entscheidend, da die Verbreitung von resistenten Pflanzen logarithmisch ist: Zu Beginn nimmt die Anzahl an resistenten Pflanzen nur wenig zu, später jedoch macht die Verbreitung große Sprünge und ist dann schnell nicht mehr kontrollierbar.

Herbizide gelten als wirksamste und kostengünstigste Maßnahme zur Bekämpfung von Unkräutern im Weizen. Der Wechsel zwischen verschiedenen Wirkmechanismen ist dabei wichtig, um Resistenzen zu vermeiden. Es werden jedoch verhältnismäßig selten Herbizide mit neuen Wirkmechanismen auf den Markt gebracht. Alle Produkte der letzten Jahre enthalten bereits bekannte und verfügbare Wirkstoffe und -mechanismen, da die Entwicklung dieser sehr aufwändig ist.

Für das Resistenzmanagement steht darum die Fruchtfolge an erster Stelle. Der Selektionsprozess resistenter Unkräuter kann durch die Fruchtfolge und die damit einhergehende Rotation von Herbiziden durchbrochen werden. Ein ausgeglichenes Verhältnis von Sommer- und Winterkulturen sowie Blatt- und Halmfrüchten trägt dazu ebenso bei wie die Reduzierung bestimmter Arten, die Ungräser stark fördern (zum Beispiel Ackerfuchsschwanz und Windhalm in Winterweizen). Abgesehen davon tragen auch weitere Maßnahmen des integrierten Unkrautmanagements wie Grundbodenbearbeitung und Bestandesführung dazu bei, Resistenzen gering zu halten.

Umwelt- & Gewässerschutz: rechtlicher Rahmen

Pflanzenschutzmittel stehen seit längerer Zeit aufgrund ihrer Auswirkungen auf die Umwelt und Gewässer in der Kritik und werden zunehmend gesetzlich reguliert. Bei der Anwendung von Herbiziden im Weizen sind darum grundsätzlich die aktuellen Auflagen und Bestimmungen zu beachten:

  • Zulassung: In der Online-Datenbank Pflanzenschutz ↗ des BVL können Sie den aktuellen Zulassungsstatus der einzelnen Präparate einsehen. Dabei sind auch Widerrufe und Aufbrauchfristen zu beachten.
  • Gewässerabstände: Beim Einsatz von chemischem Pflanzenschutz in der Nähe von Gewässern muss mindestens ein Abstand von 10 Metern zur Böschungsoberkante, bei ganzjähriger, geschlossener Begrünung 5 Meter eingehalten werden. Produktspezifische Abstände und Geräteauflagen haben Vorrang und müssen zusätzlich eingehalten werden.
  • Naturschutzgebiete: Der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln in Naturschutzgebieten, Nationalparks und Flora-Fauna-Habitaten (FFH) ist generell verboten. Es bestehen eventuell landes- und gebietsspezifische Auflagen.
  • Drift- und Abschwemmungsrisiken: Getreideherbizide sollten nicht bei Windgeschwindigkeiten über 5 m/s angewendet und mit abdriftmindernden Geräten und Düsen sowie den passenden Einstellungen und Geschwindigkeiten ausgebracht werden. Die Anwendung auf überschwemmten, wassergesättigten Böden und Äckern mit Abflüssen in Senken oder Gräben sollte vermieden werden.
  • Entsorgung: Füll- und Reinigungsarbeiten dürfen nur auf geeigneten Flächen erfolgen, sodass Abwasser nicht in die Kanalisation oder ins Grundwasser gelangen kann. Mittelreste, Spülflüssigkeiten und Leergebinde müssen fachgerecht entsorgt werden.
  • Dokumentation: Berufliche Anwender müssen jede Anwendung dokumentieren und für drei Jahre aufbewahren.
  • Rücksichtnahme und Sorgfaltspflicht: Bei der Anwendung von Herbiziden muss auf unbeteiligte Personen wie Anwohner und Spaziergänger besondere Rücksicht genommen werden. Informieren Sie Betroffene aktiv über die Anwendung, halten Sie die Ruhezeiten ein und vermeiden Sie, wenn möglich, chemische Verfahren zur Unkrautbekämpfung an Sonn- und Feiertagen.

Typische Fehler in der Unkrautbekämpfung im Weizen

Beim Pflanzenschutz und der Bekämpfung von Unkräutern im Weizen treten oft ähnliche Fehler und Probleme auf. Die Ausbreitung resistenter Unkräuter und Ungräser, Kulturschäden und erfolglose Maßnahmen sind oft die Folge einer mangelnden oder einseitigen Strategie, unsachgemäßer oder zu vorsichtiger beziehungsweise zu aggressiver Anwendung. Diese typischen Fehler sollten Sie vermeiden:

1. Fehlende Gesamtstrategie: Wer systematisches Monitoring und angepasste Anwendung vernachlässigt und Unkräuter ausschließlich mit Herbiziden nach „Schema-F“ behandelt, wird schlechtere Ergebnisse erzielen als mit einer optimierten Gesamtstrategie, die chemische, mechanische und ackerbauliche Maßnahmen, angepasst an die individuelle Flächensituation, anwendet.

2. Unsachgemäße Herbizidanwendung: Unpassende Mittelwahl, zu späte Behandlungen, chronische Unterdosierungen und Missachtung von Bodenfeuchte und Witterung sowie ungeeignete Spritztechnik und Wasseraufwandmenge führen zu mangelhaften Resultaten in der Unkrautbekämpfung im Weizen.

3. Mangelndes Resistenzmanagement: Der wiederholte Einsatz gleicher Wirkstoffgruppen und Wirkmechanismen ohne Wechsel oder Mischungen und die Vernachlässigung von ackerbaulichen und mechanischen Verfahren zur Unkrautbekämpfung führen zu Resistenzen, die zu spät entdeckt werden.

4. Grundlegende ackerbauliche Fehler: Enge Fruchtfolgen von vornehmlich Wintergetreide, frühe Aussaattermine sowie Verzicht auf Stoppelbearbeitungen sind Faktoren, die Problemungräser wie Ackerfuchsschwanz massiv fördern.

5. Fehlendes Bestandsmanagement: Fehlerhafte Saatstärke, falsche Sortenwahl und Nährstoffversorgung bringen schwache, lückige Bestände hervor, die die Konkurrenzkraft des Weizens mindern.

6. Ungeeignete mechanische Verfahren: Weizen und Böden zu tief, zu spät oder zu aggressiv zu striegeln oder zu hacken führt ebenso zu Kulturschäden und mäßiger Unkrautwirkung wie die Anwendung mechanischer Verfahren bei ungeeigneter Bodenfeuchte oder zu wenigen, maximalintensiven Überfahrten.

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