6 Wochen frühlingsfrische Angebote – die BayWa Green Weeks sind da: Jetzt entdecken

Aktionszeitraum

  • Zeitraum BayWa Green Weeks 19.3. - 30.4.2026
  • 6 Woche Knaller-Angebote, super Marken und Hammer-Preise
  • Nur solange der Vorrat reicht
  • Zu den BayWa Green Weeks

Weizensorten: Überblick für die richtige Sortenwahl

Ertrag, Qualität und Wirtschaftlichkeit im Weizenanbau hängen von vielen Faktoren ab, die sorgfältig bedacht werden müssen. Eine zentrale Frage stellt sich jedoch schon vor der Aussaat: Welche Weizensorte soll angebaut werden?

Mit über 200 zugelassenen Weizensorten allein in Deutschland stehen Landwirte vor einer schwierigen Wahl. Dabei geht es längst nicht nur um die Entscheidung zwischen Winterweizen und Sommerweizen, sondern um eine große und teils komplexe Sortenvielfalt. Von Standort- über Qualitätsanforderungen bis hin zu Resistenzeigenschaften und Ertragsleistung – Dieser Ratgeber gibt Ihnen einen fundierten Überblick über aktuelle Weizensorten, Qualitätsgruppen und Auswahlkriterien für eine ertragreiche Ernte.

Inhaltsverzeichnis

Unser Service für Sie rund um das Thema Weizen

Bei allen Fragen rund um den Anbau von Weizen helfen Ihnen unsere erfahrenen Getreide-Experten der BayWa gerne weiter.

Ihre Vorteile bei BayWa:

  • kompetente Saatgutberatung und Sortenauswahl
  • professionelle Bodenanalyse für optimale Bestandsetablierung

Nehmen Sie unkompliziert per E-Mail oder über unser Kontaktformular Kontakt mit uns auf oder besuchen Sie uns persönlich an einem unserer BayWa-Standorte. Darüber hinaus unterstützen wir Sie als verlässlicher Agrarhandelspartner auch bei der erfolgreichen Vermarktung Ihres Weizens.

Abgrenzung: Weizenarten, Weizensorten & ihre Unterschiede

Als Faustregel kann man sagen: Die Art bestimmt, was man prinzipiell damit machen kann, also etwa Nudeln aus Hartweizen oder Semmeln aus Weichweizen. Die Sorte legt fest, wie gut der Weizen unter bestimmten Bedingungen wächst und welche Qualität er liefert.

Weizenarten wie Weichweizen, Hartweizen oder Dinkel sind eigenständige, botanische Arten innerhalb der Gattung Triticum mit unterschiedlichem Genom und Verwendung (Backen vs. Pasta), während Weizensorten Züchtungen innerhalb einer Art darstellen, die auf Ertrag, Resistenzen oder Backeigenschaften optimiert sind.

Es werden in Deutschland über 200 Weizensorten angeboten. Laut den Angaben der aktuellsten Beschreibenden Sortenliste Getreide 2024 ↗  des Bundessortenamtes, die als Referenz für 2025/2026 gilt, sind in Deutschland derzeit zugelassen:

  • 198 Sorten Weichweizen (Triticum aestivum L.)
  • davon rund 175 Winterweizensorten und 23 Sommerweizensorten
  • zusätzlich 14 Sorten Hartweizen (Triticum durum Desf.)

Die Unterschiede im Überblick:

Weizenarten (botanische Einteilung)

Weizensorten (Züchtungen/Varietäten)

✔ Weichweizen (Triticum aestivum): Hauptart (ca. 90 Prozent weltweiter Anbau) für Brot, Brötchen und Gebäck

 

✔ Hartweizen (Triticum durum): höherer Glutengehalt, glasiger, für Pasta/Nudeln, liebt Wärme 

 

✔ Urweizenarten: Dinkel, Emmer, Einkorn, Kamut

 

✔ Unterschiede: Genom (diploid bis hexaploid), Proteinzusammensetzung und Backverhalten

✔ innerhalb einer Art (meist Weichweizen) gibt es hunderte Sorten

 

✔ Ziele: höherer Ertrag, Standfestigkeit, Mehltauresistenz, spezifische Proteingehalte

 

✔ Beispiel: spezielle Backweizensorten, die besonders kleberstark sind

 

Darüber hinaus wird zwischen Winterweizen, Sommerweizen und Wechselweizen unterschieden:

  • Winterweizen wird zwischen September und November ausgesät und hat einen Anteil von etwa 95 Prozent an der deutschen Weizenanbaufläche.
  • Sommerweizen wird zwischen Februar und April gesät. Die Erträge liegen bei etwa 80 Prozent des Winterweizens, sein Anbau-Anteil liegt aber bei nur etwa einem Prozent der Gesamtfläche des Weizenanbaus in Deutschland.
  • Wechselweizen bietet besondere Vorteile bei Saatterminen ab Ende November, da er winterhärter als Sommerweizen ist, aber weniger frostempfindlich als sehr spät gesäter Winterweizen. Der Anbau-Anteil liegt in Deutschland bei etwa vier Prozent.
  • Innerhalb dieser Kategorien sind wiederum viele verschiedene Weizensorten, die auf verschiedene Merkmale hin gezüchtet und optimiert wurden.
Weizenfeld

Qualitätsgruppen: E, A, B & C-Weizen im Vergleich

Das Bundessortenamt ↗ ist dafür zuständig und teilt in Deutschland zugelassene Weizensorten in fünf Qualitätsgruppen ein:

  • E (Elite)
  • A (Qualität)
  • B (Brot)
  • C (sonstige)
  • K (Keks)

Diese Einstufung erfolgt vor allem auf Basis von Backqualität-Eigenschaften wie Sedimentationswert, Wasseraufnahme und Proteinqualität, aber nicht zwingend anhand des Rohproteingehalts.

Der Sedimentationswert misst die Qualität und Menge des Klebereiweißes (Gluten) im Weizenmehl. Er gibt an, wie stark das Mehl in einer sauren Lösung quillt. Ein höherer Wert bedeutet bessere Backeigenschaften. In Deutschland gemessene Werte liegen meist zwischen 8 (kleberarm) und 78 (kleberstark).

Im weiteren Verlauf unseres Ratgebers wird der K-Weizen (Keksweizen) nicht gesondert behandelt, da er in Deutschland nur eine sehr geringe praktische Bedeutung hat. Keksweizen ist ein spezieller Feinback-Typ des Weichweizens mit niedrigem Eiweißgehalt und schwacher Kleberstruktur, der fast ausschließlich für die industrielle Keks- und Feingebäckproduktion angebaut wird. Sein Anteil an der gesamten Weizenanbaufläche liegt bei unter zwei Prozent. Weil er weder für die übliche Futter- oder Brotnutzung relevant ist und agronomisch den Standard-B-Weizen ähnelt, wird er in praxisorientierten Aussaat- und Anbauempfehlungen meist nicht separat aufgeführt.

Die Unterschiede der einzelnen Qualitätsstufen

  • E-Weizen (Eliteweizen)

    Merkmale:

    • höchste Backqualität mit hervorragender Volumenausbeute
    • Sedimentationswert: ≥ 55 ml (Zeleny-Test)
    • Mindest-Rohproteingehalt für Vermarktung: 14 Prozent
    • Verwendung: Aufbesserung schwächerer Partien, Export, Premium-Backwaren

    Herausforderungen: E-Weizensorten wie Axioma oder Exsal benötigen intensive N-Düngung (bis zu 30 kg N/ha mehr als A-Weizen), um die geforderten 14 Prozent Rohprotein zu erreichen. Unter der aktuellen Düngeverordnung ↗ist dies zunehmend schwierig.

    Praxis-Tipp: E-Weizen lohnt sich wirtschaftlich nur bei sicheren Abnahmeverträgen und günstigen Standortbedingungen (hohe N-Nachlieferung). Die Preisaufschläge von 2 bis 5 Euro/dt müssen die höheren Produktionskosten und Ertragseinbußen kompensieren.

  • A-Weizen (Qualitätsweizen)

    Merkmale:

    • sehr gute Backqualität für hochwertige Backwaren
    • Sedimentationswert: ≥ 45 ml
    • Mindest-Rohproteingehalt für Vermarktung: 13 Prozent
    • Verwendung: Mischungskomponente, gehobene Brotqualität

    Aktuelle A-Sorten: Asory, RGT Kreation, SU Jonte, Polarkap

    A-Weizensorten bieten einen guten Kompromiss aus Ertrag und Qualität. Sie erreichen typischerweise 95 bis 100 Prozent des Ertragsniveaus von B-Weizen bei moderaten Qualitätsaufschlägen. Die Düngeverordnung erlaubt bei A-Weizen höhere N-Gaben als bei B- oder C-Weizen, was die Qualitätssicherung erleichtert.

  • B-Weizen (Brotweizen)

    Merkmale:

    • gute Backeignung für Standardbackwaren
    • Sedimentationswert: ≥ 35 ml
    • Mindest-Rohproteingehalt für Vermarktung: 12,5 Prozent (regional variabel)
    • Verwendung: Brot- und Brötchenproduktion, größter Marktanteil

    Top B-Sorten (BayWa-Sortiment):

    • Chevignon: seit Jahren die meistangebaute Sorte Deutschlands, sehr hohe Erträge, mittlere Standfestigkeit
    • Debian: ertragsstabil unter verschiedenen Witterungsbedingungen, ausgewogene Gesundheit
    • Complice: hohe Rohproteinwerte, gute Blattgesundheit
    • Informer: bewährte Sorte mit konstanten Leistungen
    • Obiwan: ertragsstark, benötigt intensivere Bestandesführung

    B-Weizen macht rund 50 bis 60 Prozent der Vermehrungsflächen aus und ist für die meisten Betriebe die wirtschaftlich sicherste Option. Die Vermarktung ist in der Regel problemlos, die Aufschläge gegenüber Futterweizen betragen 1 bis 3 Euro/dt.

  • C-Weizen (Futterweizen)

    Merkmale:

    • keine besonderen Backqualitäts-Anforderungen
    • primär für Futtermittelproduktion
    • höchste Erträge (bis 110 Prozent von B-Weizen)
    • keine Rohprotein-Mindestanforderungen

    C-Sorten wie KWS Keitum erreichen immer wieder Spitzenerträge, eignen sich aber nicht für die Vermarktung als Brotweizen. In Regionen mit viel Viehwirtschaft oder bei schlechten Qualitätszuschlägen kann C-Weizen durchaus die wirtschaftlichste Option sein.

Qualitätsgruppe

 Sedimentationswert

Rohprotein Vermarktung / Preisaufschlag* Hauptverwendung
E-Weizen ≥ 55 ml ≥ 14 % +3–5 €/dt Premium-Backwaren, Export
A-Weizen ≥ 45 ml ≥ 13 % +2–4 €/dt Qualitätsbackwaren
B-Weizen ≥ 35 ml ≥ 12,5 % +1–3 €/dt Brot, Brötchen
C-Weizen Basis Futter, Bioethanol

*Aufschläge gegenüber Futterweizen, regional und saisonal stark schwankend

Eigenschaften im Fokus: Standfestigkeit & Krankheitsresistenzen

Bei der Sortenwahl spielen neben Ertrag und Qualität vor allem agronomische Eigenschaften eine Rolle. Je nach Region und Umfeld kann man Weizensorten wählen, die resistent gegen Krankheiten sind, Schädlinge besser überstehen oder gut mit hoher Trockenheit klarkommen.

Resistenzen:

  • Gelbrost: zunehmend problematisch
  • Braunrost: regional bedeutsam
  • Septoria tritici: wichtigste Blattkrankheit
  • Mehltau: meist gut kontrollierbar
  • Ährenfusarium: Qualitätsgefährdung durch Mykotoxine

Spezielle Weizen-Kategorien: Hybridweizen & alte Sorten

Hybridweizen

Hybridweizen nutzt den Heterosis-Effekt und zeigt besondere Stärken unter Stressbedingungen. In Deutschland sind derzeit rund fünf bis acht Hybridsorten zugelassen.

Vorteile von Hybridweizen:

  • tieferes, leistungsfähigeres Wurzelsystem
  • bessere Trockentoleranz und Stressresilienz
  • höhere Kompensationsfähigkeit nach Schadenereignissen
  • vitalere Jugendentwicklung
  • auf Stress-Standorten drei bis acht Prozent Mehrertrag möglich

Nachteile:

  • höhere Saatgutkosten (100 bis 150 Euro/ha statt 60 bis 90 Euro/ha)
  • kein Z-Saatgut (Nachbau unwirtschaftlich)
  • reduzierte Aussaatstärke nötig (um 1/3 gegenüber Linienweizen)
  • intensive Bestandesführung erforderlich (früher WR-Einsatz)

Wann lohnt sich Hybridweizen?

  • Trockenstandorte (< 550 mm Jahresniederschlag)
  • schwierige Vorfrüchte (enge Getreidefruchtfolgen)
  • nach Auswinterung oder Spätumbruch
  • Grenzstandorte mit suboptimalen Bedingungen

Alte Weizensorten und Urgetreide

Alte Weizensorten und Urgetreide bedienen hierzulande zwar aktuell nur Nischenmärkte, könnten aber für die Zucht von robusteren Sorten wieder an Relevanz gewinnen.

Dinkel (Triticum spelta)

  • Spelzweizen, höhere Anbaubedeutung (ca. ein Prozent der Weizenfläche)
  • Vermarktung primär im Bio- und Reformhausbereich
  • moderate Erträge (50 bis 70 dt/ha), Entspelzen erforderlich
  • Sorten: Zollernspelz, Conforte, Franckentop

Emmer (Triticum dicoccum)

  • uralte Weizenart (10.000 Jahre kultiviert)
  • sehr mineralstoffreich, nussiger Geschmack
  • geringe Erträge (30 bis 40 dt/ha), Spelzgetreide
  • Anbau primär für Spezialitätenmärkte

Einkorn (Triticum monococcum)

  • älteste kultivierte Getreideart
  • goldgelbe, kleine Körner
  • sehr anspruchslos, für extreme Standorte geeignet
  • Erträge sehr niedrig (20 bis 35 dt/ha)

Diese alten Sorten bieten meistens keine wirtschaftliche Alternative zum modernen Weizen, können aber bei gesicherter Vermarktung wie einem Vertragsanbau oder bei Direktvermarktung interessant sein.

Hand hält Weizenkörner und Weizenähren vor Weizenfeld

Kriterien für die optimale Sortenwahl

Für die optimale Sortenwahl sind verschiedene Faktoren zu berücksichtigen, oftmals sind Kompromisse nötig. Jeder landwirtschaftliche Betrieb muss individuell entscheiden, welche Sorte am besten zu Boden, Witterung, den wirtschaftlichen Zielen und vielen anderen Umständen passt.

1. Standortfaktoren

Bodengüte:

  • gute Standorte (> 60 Bodenpunkte): ertragsbetonte Sorten
  • mittlere Standorte (40 bis 60 BP): ausgewogene Sorten
  • schwache Standorte (< 40 BP): anspruchslose, stresstolerante Sorten

Wasserversorgung:

  • Trockenlagen (< 550 mm): Grannenweizen, Hybridweizen, trockentolerante Sorten
  • ausreichende Versorgung: alle Sorten geeignet
  • feuchte Lagen: standfeste Sorten mit guter Fusariumresistenz

Höhenlage:

  • Höhenlagen > 400 m: winterharte Sorten
  • normale Lagen: alle Sorten

2. Bewirtschaftungsfaktoren

Vorfrucht:

  • nach Mais, Rüben, Kartoffeln: fusariumresistente Sorten bevorzugen
  • nach Weizen: gesunde, fusariumresistente Sorten
  • nach Raps, Leguminosen: alle Sorten geeignet

Düngung:

  • intensive N-Versorgung möglich: A- oder E-Weizen
  • eingeschränkte Düngung (DüV): B- oder C-Weizen mit guter N-Effizienz
  • organische Düngung: Sorten mit guter N-Ausnutzung

Pflanzenschutz-Intensität:

  • intensiv: auch anfälligere Hochertragssorten möglich
  • reduziert/extensiv: Gesunde, robuste Sorten wählen

3. Vermarktung

Absatzwege:

  • Mühlenkontrakt: spezifische Sortenvorgabe beachten
  • freier Markt: B-Weizen als sicherste Option
  • Futterbau: C-Weizen für Höchsterträge
  • Bio/Spezialitäten: alte Sorten, Qualitätsweizen

Risikostreuung: nicht nur auf eine Sorte setzen! Streben Sie eine gute Mischung an:

  • 1 bis 2 Hochertragssorten (Hauptanteil 60 bis 70 Prozent)
  • 1 qualitätsbetonte Sorte (20 bis 30 Prozent)
  • 1 Absicherungssorte mit guten Resistenzen (10 bis 20 Prozent)

Checkliste Sortenwahl

☐ Landessortenversuche der eigenen Region prüfen

☐ mehrjährige Ergebnisse betrachten (mind. 3 Jahre)

☐ Standorteignung prüfen (Boden, Klima, Höhenlage)

☐ Qualitätsziel und Vermarktung klären

☐ Resistenzeigenschaften an Standortrisiken anpassen

☐ Saatgutkosten kalkulieren (besonders bei Hybridweizen)

☐ Aussaattermin und Sorteneignung abgleichen

☐ Fruchtfolge und Vorfrucht berücksichtigen

☐ Düngeverordnung und N-Verfügbarkeit einbeziehen

☐ Risikostreuung durch Sortenmischung sicherstellen

Landessortenversuche: die wichtigste Entscheidungsgrundlage

Landessortenversuche (LSV) werden jährlich von den Landwirtschaftskammern und Landesanstalten durchgeführt und liefern objektive, regionale Sorteninformationen. In Deutschland werden Weizensorten an über 100 Standorten in verschiedenen Anbauregionen getestet.

Die Landessortenversuche stellen mehrjährige Ertragsdaten bereit, die unter unterschiedlichen Witterungsbedingungen erhoben werden und so eine realistische Einschätzung der Ertragsstabilität möglich machen. Dazu werden wichtige Qualitätsmerkmale wie Rohprotein, Hektolitergewicht und Fallzahl erfasst, die für die Vermarktung besonders wichtig sind.

Außerdem bewerten die LSV agronomische Eigenschaften der Sorten, etwa Standfestigkeit, Lageranfälligkeit und Krankheitsbefall, was dem Landwirt Rückschlüsse auf Anbausicherheit und Pflanzenschutzaufwand erlaubt. Die Ergebnisse sind regional differenziert nach Anbaugebieten aufbereitet, standortspezifische Besonderheiten können gut berücksichtigt werden. Ein weiterer Vorteil ist der Vergleich mit etablierten Verrechnungssorten. So ist auch für jeden Betrieb, der Weizenanbau betreibt, eine objektive Einordnung neuer und bewährter Sorten im Praxisumfeld möglich.

Wichtige LSV-Auswertungen:

  • Landwirtschaftskammer Niedersachsen: Unterteilung in 6 Anbauregionen
  • LfL Bayern: Differenzierung nach Produktionsgebieten (Tertiärhügelland, Jura, etc.)
  • Landwirtschaftskammer NRW: 7 bis 8 Versuchsstandorte
  • Hessische Landessortenversuche: Regionalspezifische Auswertungen

So nutzen Sie LSV richtig:

  • 1. Region wählen: Ergebnisse der eigenen Anbauregion betrachten
  • 2. Mehrjährigkeit: mindestens 3-jährige Mittel für Ertragsstabilität
  • 3. Relativerträge: Vergleich zum Versuchsmittel (100 Prozent = Durchschnitt)
  • 4. Streuung beachten: große Schwankungen zwischen Jahren = instabil
  • 5. Eigenschaften abwägen: nicht nur Ertrag, auch Resistenzen und Qualität

 

Die richtige Weizensorte für jeden Betrieb

Die Wahl der optimalen Weizensorte ist für jeden landwirtschaftlichen Betrieb eine Entscheidung, die weit über die reine Ertragsleistung hinausgeht. Die Praxis hat gezeigt, dass die Kombination aus verschiedenen Sorten einen Kompromiss aus Wirtschaftlichkeit und Risikoabsicherung darstellt.

Nutzen Sie auch die Landessortenversuche Ihrer Region als Entscheidungsgrundlage und berücksichtigen Sie neben dem Ertragspotential auch Sorteneigenschaften wie Resistenzeigenschaften, Standfestigkeit, Keimfähigkeit und Qualitäts-Stabilität. In Zeiten von Klimawandel und restriktiven Auflagen werden robuste, ressourceneffiziente Sorten immer wichtiger.

Eine sorgfältige Sortenwahl, abgestimmt auf Standort, Bewirtschaftung und Vermarktung, ist das Fundament für wirtschaftlichen Erfolg im Weizenanbau.

Zukunftsausblick: Weizensorten im Klimawandel

Der Klimawandel stellt die heimischen Weizensorten vor neue und schwierige Anforderungen. Zunehmende Trockenperioden, ausgerechnet während der sensiblen Phase der Kornfüllung, wirken sich immer stärker auf Ertrag und Qualität aus. Gleichzeitig nehmen extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Hagelschlag oder Starkregen zu, was die Anbau-Sicherheit weiter verringert.

Hinzu kommen verschobene Vegetationsperioden, die sowohl Aussaat- als auch Erntezeitpunkte beeinflussen und eine bessere Anpassungsfähigkeit der Sorten erfordern. Auch das Risiko durch neue oder verstärkt auftretende Krankheiten und Schädlinge, etwa die Weizengallmücke, wächst. Zudem müssen Landwirte mit immer härteren Vorgaben bei Düngung und Pflanzenschutz umgehen, was robuste, effiziente und widerstandsfähige Weizensorten noch wichtiger macht.

Die moderne Weizenzüchtung nutzt genomische Selektion und Hochdurchsatz-Phänotypisierung. Forschungseinrichtungen wie CIMMYT ↗ (International Maize and Wheat Improvement Center) entwickeln klimaangepasste Weizensorten für trockene Regionen, die in Zukunft wohl auch für Mitteleuropa interessant werden.

Züchtungsziele:

  • Trockentoleranz: Tiefere Wurzelsysteme, effizientere Wassernutzung
  • Hitzetoleranz: Stabile Kornfüllung bei hohen Temperaturen
  • N-Effizienz: Hohe Erträge bei reduzierter Düngung
  • Resistenzen: Breitbandige, dauerhafte Krankheitsresistenzen
  • Frühreife: Vermeidung von Trockenstress zur Abreife

FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Weizensorten

  • Nein, das ist nicht empfehlenswert. Winterweizensorten benötigen eine Vernalisation, also eine Kältephase zwischen 0 bis 8 °C über mehrere Wochen, um später Ähren bilden zu können. Bei Frühjahrsaussaat fehlt diese Kältephase, was zu massiven Ertragseinbußen von 40 bis 60 Prozent führt. Die Pflanzen bleiben im vegetativen Stadium, das Wachstum verzögert sich oder sie bilden nur unvollständige Ähren. Wenn eine Herbstaussaat versäumt wurde oder Auswinterung auftritt, sollten Sie stattdessen auf Sommerweizensorten wie Quintus, Lennox oder Arabella zurückgreifen. Diese sind speziell für Frühjahrsaussaat gezüchtet und erreichen ohne Vernalisation 60 bis 75 dt/ha, also deutlich mehr als zu spät ausgesäter Winterweizen.

  • Das hängt von mehreren Faktoren ab. E-Weizen (Eliteweizen) bringt Preisaufschläge von 3 bis 5 €/dt, hat aber 5 bis 10 Prozent niedrigere Erträge als B-Weizen und benötigt intensive Stickstoffdüngung für die geforderten 14 Prozent Rohprotein. Unter den Restriktionen der Düngeverordnung ist das schwer zu erreichen. E-Weizen lohnt sich also nur, wenn:

    • Ein sicherer Abnahmevertrag mit einem Mühlenbetrieb besteht
    • Der Standort hohe natürliche N-Nachlieferung bietet
    • Ausreichend Düngekontingent verfügbar ist

    A-Weizen bietet einen besseren Kompromiss: Nur 2 bis 5 Prozent Ertragseinbußen, 2 bis 4 Euro/dt Aufschlag, und die 13 Prozent Rohprotein sind mit moderater Düngung erreichbar.

     

  • Nutzen Sie die Landessortenversuche Ihrer Region, um die passenden Sorten für Ihren Standort zu identifizieren.

    Vorteile beim Anbau mehrerer Sorten:

    • Risikostreuung: verschiedene Stärken bei Krankheiten, Trockenheit, Lager
    • Vermarktungsflexibilität: Option auf Qualitätszuschläge bleibt offen
    • Arbeitsentzerrung: unterschiedliche Reifezeiten verteilen Ernte
    • Ertragsstabilität: Schwächen einzelner Sorten werden ausgeglichen

Kontakt Getreide

Sie haben Fragen zum Thema Getreide? Dann nutzen Sie doch einfach unser Anfrageformular. Schildern Sie uns Ihr Anliegen so detailliert wie möglich, damit wir Ihre Anfrage gleich an die richtige Stelle weiterleiten können.

mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder

Optional